Vintage-Skifahren, Teil 52: Les Paccots

Ein weitläufiges, familienfreundliches Skigebiet am Alpenrand nur mit Teller- und Bügelliften? Mit mehr als nur drei Pistenvarianten aller Schwierigkeitsgrade? Und einer Tageskarte unter 50 Franken?

Aber klar doch, das existiert: Les Paccots im Kanton Freiburg!

Nur, wie lange noch?

Die “Micro Ski Area” bei Châtel-St-Denis (kurz bevor die Autobahn zum Genfersee hinunter führt), liegt zwischen 1000 und 1500 Metern – genau in jener Höhenlage also, die Fachleute als zu gering dafür erachten, dass hier auch in 20 Jahren noch ein rentabler Skibetrieb möglich ist.

Das Voralpen-Skigebiets-Kleinod ist auch lifthistorisch äusserst interessant, wie schon dieses Foto zeigt:

Anlagen von Poma und Oehler schlängeln sich über die vorgelagerten Hügel der Bergkette, die vom Moléson über die Dent de Lys bis zu den Rochers de Naye führt und schliesslich zum Genfersee abfällt.

Der Kanton Freiburg ist für Seilbahnnostalgiker ein absolut heisses Pflaster: In La Berra zog sage und schreibe schon anno 1936 der erste Skilift Menschen den Berg hoch. 1938 kam eine Anlage in Les Paccots dazu, 1941 der Schlepper von La Chia.

Der verwendete Lifttyp wurde als “Oehler-Gurtenlift” bekannt und war in den Anfängen DIE Alternative zu den noch wenig verbreiteten Bügelliften von Ernst Constam. Dass Gurtenlifte in den Freiburger Voralpen ihre Geburtsstunde erlebten, ist einem gewissen Beda Hefti zu verdanken. Der gebürtige Walenstädter zog in den 1920ern nach Fribourg und gründete 1928 den dortigen Skiclub.

Die Aarauer Firma Oehler warf schnell ein Auge auf das neuartige System und kam in den Besitz der Lizenz zum Bau der Gurtenlifte, die sich aber schliesslich nicht durchsetzten.

Bei diesem System schnallte man sich einen Leder-Holz-Gurt um den Hintern, dessen Seil von Hand ins Zugkabel eingehängt wurde. Die Maschinenfabrik Oehler in Aarau lieferte jeweils die Technik drumherum. In diesem Video ist die Funktion wunderbar zu sehen. Hefti baute übrigens auch zahlreiche für ihre Zeit extravagante Schwimmbäder.

Natürlich sind im Laufe der Zeit all diese Aufstiegshilfen durch Bügellifte ersetzt worden, wie wir sie heute noch kennen. Oehler-Lifte sind selten geworden. An meinem Besuchstag Ende Januar 2017 stand der Corbetta-Lift (Baujahr 1962) leider still – “La Cierne” hingegen lief, damals noch mit den legendären Oehler-Originalbügeln von 1966:

Der Skilift “La Cierne” ist ein guter Einstiegspunkt ins Skigebiet mit eigenem Parkplatz. Von der Bergstation auf der Corbetta (1400m) sieht man bereits einen Grossteil des restlichen Skigebietes, das sich bis “Le Pralet” (1486m) erstreckt:

Zwischen all den Hügeln verkehren hauptsächlich Tellerlifte der französischen Marke “Poma” – genau, die an Tinguely erinnernden Monster mit teils abenteuerlichen Kurven, die einen gerne ab und zu abwerfen.

Die meistbefahrenen Gebietsteile befinden sich auf den Weiden von Les Joncs und Bourbintse. Hier beginnen sogar Poma-Lifte in Häuschen, was man nicht so oft sieht.

Legendär ist der Skilift “Le Pralet” mit einer der steilsten Lifttrassen der Schweiz:

Er beginnt harmlos beim Chalet-Weiler “Les Rosalys”…

… führt gewissermassen durch die Hintergärten der Anwohner…

… und endet in einer gewaltigen Steigung von 70 Prozent:

Vom höchsten Punkt des Gebiets bieten sich wunderbare Aussichten über das Mittelland und hinüber zum Jura oder auch auf die Gebiete rund um den Lac Léman:

Im Sektor Les Joncs / Vérollys findet sich nebst der neuesten Anlage des Gebietes (Städeli-Tellerlift von 1982) auch ein kurzer Poma mit zwei Kurven, der zu einem Restaurant samt kleinem See hinauf führt:

Mit dem schnellen Poma-Stangenschlepper “Vérollys” (1979) geht es zurück Richtung La Cierne – er ist einen Kilometer lang und weist mehrere Kurven auf. Von der Bergstation erspäht man sogar kurz den Mont Blanc in der Ferne:

Zum Ende fahre ich nochmals die aus meiner Sicht schönste Voralpenpiste der Schweiz am Skilift “La Cierne” – diese Schneise sieht man auch von der Autobahn aus sehr gut:

Eine wunderbar breiter, ideal geneigter Hang mit Châtel-St-Denis und dem welschen Mittelland im Blickfeld. Ein Traum!

Les Paccots ist seit einigen Jahren im “Magic Pass” ingebriffen. All meine Bilder vom 24. Januar 2017 sind in diesem Album auf skiliftfotos.ch zu finden. Weitere Berichte hier und hier.

Das Video dieses Tages:

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