15.08.2007

Cablecom: Jetzt spinnen sie

Erinnert ihr euch an die „Blick“-Schlagzeile vor der EM 1996, nachdem der damalige Nati-Trainer Artur Jorge unsere Helden Adrian Knup und Alain Sutter abserviert hatte? Riesengross prangten drei Worte auf der Front:

Jetzt spnnt er: "Blick" im Juni 1996 (Archiv Blockseminar ikmb)

Ähnliche Gedanken kamen Freunden, als sie das neuste Pamphlet der Cablecom im Briefkasten hatten.

Wir erinnern uns: Cablecom ist nicht nur die Firma mit dem vermutlich schlechtesten Kundendienst des Landes (wenns funktioniert, sei froh – wenn nicht, viel Spass), das sind auch die, die uns zahlreiche liebgewonnene TV-Sender abschalten. Und die bekannt sind für aggressive Werbung, gegen die man sich kaum wehren kann – auf der Strasse, am Telefon und im Briefkasten.

Nachdem ein saufrecher Kabelkomm-Schnösel am Telefon einmal meinte, unfreundlich werden zu müssen, und die Briefe trotz dutzendfachem „retour – refusé“ nicht versiegten, verbot ich Cablecom per eingeschriebenem Brief und Androhung rechtlicher Schritte, mich je wieder telefonisch oder schriftlich zu kontaktieren. Das wirkte.

Hatte aber auch Nachteile – ich kam leider erst verspätet in Genuss dieses irren Schreibens, das entfernt an Heizdecken-Busfahrten-Annoncen erinnert:

Cablecom-Werbung, Sommer 2007: ojemine...

Ein fiktiver „Roger B.“ darf hier irgend eine mittelmässig PR-getextete Story zum Besten geben, im Hochglanzprospekt räkeln sich ein paar Models aller Altersstufen – die angeblich 35-jährige „Chantal K.“, die aussieht wie 25, natürlich mit viel Dekolleté – und schreiben daneben kurze Texte. (Zugegeben: Ich hätte gerne beim Gelächter in der Agentur mitgemacht, wo vermutlich alle ihre Handschriften testen durften und dann die Chefin gesagt hat: „Deine passt zur 62-jährigen Rösli H. – hahaha!“)

Doch bleiben wir bei diesem Roger, bei dem im Drehbuch der Agentur wohl unklar war, ob er nun aus Otelfingen oder aus Rorschach stammen soll:

Roger B. aus Rorschach - hallo RorschacherInnen, kennt den jemand bei euch oben? (Cablecomwerbung, August 2007)

Jetzt wissen wir endlich, wofür Cablecom all den Stutz ausgibt, den sie mit dem kundenunfreundlichen Digitalfernsehen macht, anstatt das Netz so auszubauen, dass Analog- und Digitalangebot nebeneinander Platz haben.

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

150 Kündigungen bei der Cablecom, wie heute im Tagi zu lesen ist:

„Von den Sparmassnahmen betroffen sind vor allem Stabsstellen in den Bereichen IT und Backoffice. Keine Abstriche soll es beim vielkritisierten Kundendienst geben.“

Klar gibts da keine Abstriche – der Kundendienst ist schlicht inexistent…

Interessanter Artikel im Tagi mit einem Fazit, das unseren Eindruck von der lieben Cablecom doch bestätigt:

Für die Schweizer Kunden bedeutet das, dass sich der Kundendienst auf absehbare Zeit nicht verbessert. Für den Telecommarkt Schweiz heisst das, dass der Swisscom weiterhin der ebenbürtige Konkurrent fehlt, vor dem sich das Unternehmen seit der Liberalisierung fürchtet. Und für die Cablecom bedeutet das, dass sie weiterhin an Bedeutung verliert.

Der Widerstand beginnt sich zu organisieren:

Empörte Tessiner Cablecom-Kunden gehen in die Offensive. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie einen Opfer-Verein gegründet.

Mehr in diesem Artikel von 20minuten.

Wieso wundern mich die Kommentare am Ende dieses Artikels nicht…?

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