Porta Alpina: Flaschen!

Schade: Ich wäre gern in zwei Stunden von Bern nach Sedrun gefahren. Daraus wird nichts: Die Bündner Regierung hat die Porta Alpina heute beerdigt. Klar: Die Reisezeit von Tür zu Tür wäre länger geworden als prophezeit.

Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Der bereits vorhandene Zugangsstollen wird kaum zugeschüttet. Da ist also eine physische Verbindung vorhanden, die idiotischerweise nicht benützt wird – das will mir irgendwie nicht in den Kopf. Ebensowenig – wie immer -, dass für zig Unsinnigkeiten viel mehr Geld ausgegeben wird. Die Visiun Porta Alpina war sexy, cool und gab einem das Gefühl, dass in diesem Land auch mal was Ausgefallenes möglich sei, das nicht im Mittelland steht.

Beerdigt hat das Projekt ausgerechnet die SBB. Sie torpedierte die Porta Alpina regelmässig in geschickt kleinen Dosen und beeinflusste vermutlich auch den Verkehrsminister, der im Frühling zum Rückzug blies. So blieb der Bündner Regierung nun kaum etwas anderes übrig, als die hoffnungsvolle Tujetscher Bevölkerung (und zahlreiche im Unterland lebende SursilvanerInnen) zu enttäuschen. Was Sedrun von der NEAT behalten wird: Abluftstollen im Val Nalps (November 2006 - Klicken für grosse Fassung)Für den Betrieb der Porta Alpina hätte gegolten, was für das restliche Leben auch gilt: Wenn man wirklich will, dann gehts schon.

Nun denn – so werden von den jahrelangen Bauarbeiten lediglich mit Geröll aufgefüllte Täler übrig bleiben. Und ein Abluftstollen, durch den das Tal verseucht wird, wenn ein Güterzug mit Gefahrengut im Tunnel verunfallt. Wie die heute zahlreichen Gäste aus der Innerschweiz nach Sedrun kommen, wenn dereinst die Gotthard-Bergstrecke stillgelegt wird, hat heute auch niemand gefragt. Der Umweg über Chur ist jedenfalls nur für ZürcherInnen eine Option.

Womöglich ists nun doch Zeit für einen Oberalp-Tunnel, um immerhin einen schnellen Anschluss an Sawiristown Andermatt zu erhalten? Da wäre die Porta Alpina billiger gewesen. Oder man hätte den ägyptischen Investor den Lift aus seiner Portokasse bezahlen sollen.

Im Beitrag von “Schweiz Aktuell” kommen auch ein paar alte Bekannte zu Wort: Otilia war lange Cungieri-Wirtin, Bruno besitzt zahlreiche schöne alte Tujetscher Filme.

Immerhin müssen die Sedruner Nachtbuben ab 2017 keine Töffs mehr anzünden oder Kühlschränke von der Nalpser Staumauer werfen: In den dannzumal nicht mehr gebrauchten alten NEAT-Stollen einbrechen und sich in den Tunnel runter abseilen ist doch viel lustiger!

4 Kommentare

  1. Im grossen und Ganzen einverstanden, aber hat jemals jemand davon gesprochen, dass die Gotthard Bergstrecke stillgelegt wird? Das Projekt Andermatt liese sich wohl kaum mit einer Stilllegung des Bahnhof Göschenen vereinbaren?

  2. Hier noch die Meinung eines ‘Experten’.

    Ich persönlich denke, dass in den nächsten 15 Jahren, bis der Basistunnel offen ist, noch viele Züge durch den alten Tunnel fahren, respektive viel Wasser den Ticino runterfliesst… Jetzt schon vom Ende der Bergstrecke sprechen finde ich ein wenig verfrüht.

    Übrigens: Auch wenn die Porta Alpina gestanden wäre, hätte ich ein Bergstreckenaus nicht wirklich begrüsst. Im Gegenteil…

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