Spielzeug ist immer lustig. Aber was diese Uhr soll? Ich bin nicht wirklich dahinter gekommen. Für den “Tastentest” der “Berner Zeitung BZ” hatte ich die Ehre, die Bluetooth-Watch MBW-100 zu testen (siehe auch in der heutigen gedruckten Ausgabe). Dort steht alles Grundsätzliche.
Zumal der Platz in einer Zeitung naturgemäss beschränkt ist, hier noch ein paar weitere Erkenntnisse:
- Womöglich fehlte beim Testgerät einfach die “richtige” Anleitung – ausser einem Hinweis in etwa 40 Sprachen, was man alles nicht darf, stand zur Bediengung genau… nichts. Wenig technikversierte sind komplett aufgeschmissen; wer nichts von Bluetooth versteht, hat wohl keine Chance. Bis heute weiss ich nicht, was es eventuell noch für Sonderfunktionen gibt.
- Auf der Uhr steht, dass sie wasserdicht sei – in der Anleitung steht hingegen, dass das Produkt nicht mit Wasser in Berührung kommen sollte…
- Die neuen SMS wurden auf der Uhr nicht immer gemeldet, obschon das an sich der Fall sein müsste. Wenns mal klappt, sieht man nicht, wer geschrieben hat.
- Nach einem Handyneustart musste die Uhr stets frisch geokoppelt werden.
- Die Musikplayer-Steuerung erlaubt nur Play, Pause und Forward. Was das wohl bringt? Eine Titelanzeige erfolgt nicht.
- Gut: Auch mit dem etwas älteren K750i des Fotografen Sultan (die Bilder rechts oben, auf denen ich möglichst kritisch dreinzublicken versuchte, entstanden in seiner Küche) klappte die Kopplung gut.
Im Testumfang enthalten war zudem das neue Slider-Handy Sony Ericsson W850i. Auch hier war ich – zugegeben, als
Nokia-Freak und Google-Nummer-Eins von fast einer Million Websites bin ich nicht sehr neutral, habe aber Vergleichswerte – enttäuscht: Haben eigentlich alle SE-Handys so lange zum Aufstarten? Das ist ja Horror. Das Menu ist noch lahmer als bei einem Nokia mit der ersten Firmware kurz nach dem Erscheinen.
Einziger Pluspunkt: Die Walkman-Funktionen sind getrennt vom Rest des Menus und lassen sich mit einer Taste aufrufen. Da man diese Taste aber stets unabsichtlich berührt, könnte das Menschen nerven, die das Handy nicht häufig als Walkman einsetzen. Das “Sliden” mag Geschmackssache sein – mich nervt es als Power User extrem, irgendwelche Bewegungen vollführen zu müssen, um an die Tasten zu kommen.
Die Stärken sind ansonsten wie immer verteilt: Punkto Bedienung und Haptik ist Nokia meilenweit voraus. Bei der Bildqualität der Kamera und den Imagingfunktionen liegt Sony Ericsson deutlich vorne.
Zurück zur Uhr: Seit es Handys gibt, habe ich nie mehr eine Uhr getragen – wäre ja sozusagen eine Doublette.
Ich habe wirklich keine Ahnung, weshalb man nun Handyfunktionen auf eine Uhr bringen muss. Ich nehme mal an, dass eine bestimmte Schicht von Managern (die gerne massive Uhren trägt) auf solche Gadgets steht. Aber sonst? Vollkommen sinnfrei.
Dass es zudem niemals eine Frauenversion geben wird (da Technik und Akku in einem zarteren Gehäuse vermutlich keinen Platz finden), zeigt, dass die MBW-100 primär ein Spielzeug für vereinzelte gelangweilte, krawattiert-beanzugte Geschäftsleute – pardon, Bisnismeehn bleiben wird.
Liebe Sony-Leute: Ich hab seit 1998 ausschliesslich die jeweils teuersten VAIO-Notebooks mein eigen genannt und 1986 für 450 Franken einen High-End-Cassetten-Walkman vom sauer ersparten Taschengeld gekauft. Ich hasse euch also keineswegs. Aber diese Uhr kann einfach zu wenig, um ernst genommen zu werden – zumal andere Hersteller schon sehr viel weiter sind.
Hier noch eine kleine Linkliste zur MBW-100:
- Diese Flash-Ani zeigt, was die Uhr wohl sein soll – irgend so ein 007-Gadget. Nett produziert – aber wer behält zum Trainieren eine 187 Gramm schwere Uhr an?
- Wie inside-handy.de auf Aussagen wie “schick und unauffällig”, “jede Menge Funktionen” und “vibriert sehr dezent” kommt, ist mir schleierhaft.
- Bebilderter Test im providerliste-Blog
- Die günstigsten Bezugsquellen auf toppreise.ch
Find’ ich gut.