14.11.2006

Brauchen wir wirklich Digital-TV?

Das aktuelle „Facts“ bringt unter dem Titel „Totaler Ärger“ eine Tirade gegen das Digitalfernsehen. Gut so – denn eigentlich hat niemand wirklich drauf gewartet, wie die geringen Nutzungszahlen zeigen. Zudem: Ob Bluewin TV oder Cablecom, ist Hans was Heiri – die beiden Buden sind eh nicht im geringsten unterstützungswürdig, wie in JacoBlök mehrmals nachzulesen war und wie auch hier steht.

Auch der seit Jahren auf tiefem Niveau vor sich hin dümplende Verkauf von DAB-Geräten für den digitalen Radioempfang zeigt: Nette Idee, aber niemand hat darauf gewartet. Schon vor zehn Jahren schrieb ich in einem Text zum noch jungen DAB: „Audiofreaks und kommerzielle Nutzer kommen voll auf ihre Rechnung. Der gute alte Otto Normalverbraucher hingegen wird kaum profitieren können und sich höchstens über die Kosten solcher Gadgets nerven.“

Die damals propagierten Zusatzdienste sind heute durch Internet und GPS längst abgedeckt – der seinerzeit bei der „Telecom PTT“ zuständige Herr sagte trocken: „Von der reinen Tonübertragung her hat DAB wohl keine Berechtigung.“ Im Text von 1996 (hier als PDF abrufbar, 30 KB) ist auch die Rede von digitalen TV-Angeboten wie Kirchs DF1, die sang- und klanglos gescheitert waren

Dasselbe wie damals passiert nun auf breiter Front und mit aggressiverem Marketing – nach dem Motto: Wenn der saudumme Konsument schon nicht anbeisst, lassen wir ihm einfach keine Wahl.

Da finanzieren wir also primär ein paar Investitionssüchtlern wieder einmal ihre Gadgets und begeben uns parallel dazu in ein enges Digital-Rights-Management-Korsett – und das sagt wohlgemerkt ein Technikfreak. Weder auf 16:9-Fernsehen noch HDTV noch Digital-TV habe ich aber gewartet. Zugegeben: Einige der Funktionen sind nett und praktisch. Aber als KonsumentIn hat man kaum noch die Wahl zwischen „alt und billig“ sowie „neu und teuer“. Zudem werden einem Geräte aufgezwungen, die weitaus weniger können als das, was man als Technophiler schon besitzt.

Was was im Artikel leider auch fehlt: Ich hab jetzt schon vier Fernbedienungen (TV1, TV2, DVD-/Harddiscrecorder, Stereoanlage) und nicht die geringste Lust, zum Fernsehen zwei Geräte (Fernseher und Set-Top-Box) anzustellen und zwei Fernbedienungen für Programmwechsel und Lautsärke- und Bildregelung zu haben. Diese selber programmierbaren Dinger finde ich extrem umständlich, ausserdem verursacht das überflüssige Zusatzkosten.

Zudem besitze ich halt zwei TV-Geräte plus einen Tuner im Computer – theoretisch kann ich mit dem DVD-Recorder „Grey’s Anatomy“ aufzeichnen, am Computer parallel die Tagesschau auf SF info schauen und mit dem alten Videorecorder womöglich noch den Spielfilm auf Pro7 aufnehmen. Für Digitial-Empfang brauchts aber – wenn man micht auf allen Geräten dasselbe schauen oder aufzeichnen will – pro Tuner einen Digitalreciever. Bei Bluewin TV tönts ähnlich: Pro Gerät wird eine Box benötigt, aufgenommene Sendungen können nicht auf andere Geräte überspielt werden.

Auch wenn die Cablecom nun die Preise senkt – das ist extrem unpraktisch und ein technischer Rückschritt. Usability: Null!

Mit meinem guten alten DVD-Recorder kann ich alles, was ich will, aufzeichnen, zurechtschneiden und bei Bedarf auf DVD brennen; der digitale Recorder der Cablecom kann das nicht. Infos dazu, wie ich meine bisherige Konfiguration mit Digital-TV weiterverwenden kann, muss ich mir mühsam zusammenkratzen. Es wird eine wunderbare Welt heraufbeschworen – dass man aber an bestimmte Geräte gebunden ist und viel Komfort verliert, steht natürlich nirgends. Pixelbilder wie hier dank Digital-TV (Klicken für grössere Fassung)Die Masche, durch Abschaltung von analogen Sendern die Leute zum Digital-Empfang zu zwingen, ist ebenfalls äusserst nett. Selbstredend verschwinden nicht Birnenweich-Kanäle wie U1-TV, sondern BBC & Co. Danke auch!

Dass das Bild bei Digital-TV besser sei als bei Analogempfang, stimmt auch nur bedingt: Das klassische Analograuschen oder Doppelbilder fallen weg, OK. Gerade bei schnellen Bewegungen sieht man aber die „Aufpixelung“ wunderbar, wie bei einem stark komprimierten JPG-Foto (siehe Beispielbild) – Schrott, sowas! Und als Altstadtbewohner kann man nicht einfach eine Sat-Schüssel montieren (wo man die Aufpixelung wohlgemerkt auch aushalten muss).

In other words: Man wird von Quasimonopolisten zu etwas gezwungen, dass man nicht braucht und nicht will. Wo ist die Wettbewerbskommission? Hallo?

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Das mit dem Radio interessiert mich nicht besonders, weil da habe ich bis jetzt keine Nachteile.
16:9 finde ich eine tolle Sache (ist doch wirklich viel ein angenehmeres Sehen, als so ein 4:3-Bild), und 5.1 beim Ton wäre halt schon was edles. Aber eben: diese elenden Receiver: wenn die Cablecom wenigstens dem Kunden die Wahl lassen würde, WELCHEN er nehmen will, würde die Sache schon wieder ein bisschen anders aussehen.
Das mit der Bildqualität ist ein guter Hinweis. Jedoch muss man zugeben, dass die Sender in HDTV schon deutlich besser aussehen.
M
F
G
Sopur

Zu HDTV und Auflösung allgemein: Die Cablecom Receiver sind gar nicht HDi fähig, da ist ein Update der Software oder sogar ein neuer Receiver nötig. Bei den Bluewin Receiver solls funktionieren…aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Auflösung ist vielleicht bei digital TV besser aber dazu braucht es wirklich die allerneuesten TOP-Geräte die sich die Allgemeinheit grösstenteils gar nicht leisten kann.

Auf den ersten Blick mag die Aussage ein Tuner pro Receiver erstaunen. Und das verkauft vielleicht Cablecom (oder Bluewin) als den letzten digtialen Schrei. Tatsache ist aber, dass z.B. bei Sat-Empfängern sogenannte Twin-Receiver zur Normalausstattung gehören.

Und das hat sogar handfeste "Komort"-Vorteile. Twin-Sat-Receiver mit Festplatte erlauben sogar das Aufzeichnen von zwei gleichzeitigen Programmen, sofern beide Receiver "frei" sind (Gerät ausgeschaltet oder Anschauen einer Aufzeichnung).

Erlaube mir also, dass ich etwas ins Schmunzeln komme, wenn Du Digitalfernsehen mit Komfortverlust bezeichnest. Es gibt einfach eine Welt jenseits von Cablecom und Bluewin.

Und – ich gebe zu. Ich bin ein Technikfreak. Mit Satschüssel und dreizehn HDTV Programmen (von Sky).

@schnuerbel: Digitalfernsehen ist für mich als Bewohner der Altstadt automatisch ein Komfortverlust – denn ich kann keine Sat-Schüssel montieren, das ist hier verboten (Denkmalschutz) und braucht vielerorts eine Baubewilligung.

Mir bleibt also gar keine Wahl als mir entweder vom lokalen Kabelnetz-Monopolisten (Cablecom) oder vom einzigen Anbieter, der derzeit vernünftiges IPTV anbietet (Bluewin, wobei ich gezwungen werde, via Schisscom zu telefonieren/surfen), die für mich nicht brauchbaren (digital) bzw. ausgedünnten (analog) Angebote liefern zu lassen. Natürlich hätte ich auf dem Land längst eine Sat-Schüssel mit dem neusten technischen Gadgets… Nun gut – die Kabelkomm soll ruhig so weitermachen, immerhin regelt der Markt gewisse Dinge eben schon… wobei ich davon ausgehe, dass (siehe Facts) bald andere Abzock-Möglichkeiten gefunden werden.

Hach, waren das Zeiten anno 1987, als ich für meine Schüler-Radiosendung den lokalen Kabelbetreiber (GGA Sissach) im Oberbaselbiet interviewte – primär mit dem Ziel, ihn davon zu überzeugen, Musiksender wie MTV aufzuschalten – und er antwortete, die meisten seien mit den bestehenden 13 Programmen sehr zufrieden, und man werde sehen, ob sich all diese Satellitensender wie RTL durchsetzen würden. Zudem sei vom EVED (das damalige UVEK, vereinfacht gesagt) nur der Empfang von 14 Satellitenprogramm gestattet, wobei 30 technisch möglich seien 🙂

Wer sich dieses Stück Nostalgie anhören möchte: Hier ist es (MP3, 4.3 MB) – samt amüsanter Umfrage in der Bevölkerung im letzten Drittel der Sendung. Auch interessant die Kurzmeldung ganz am Schluss, dass man sich nun neu unter dem Bank die langweiligen Franz-Stunden damit vertreibe, BASIC-Programme mit dem programmierbaren Taschenrechner zu schreiben…

Aha… auch der PC-Tipp hats gemerkt. Schade, dass viele massive Nachteile von Digital-TV nicht im Kommentar enthalten sind.

Inzwischen haben mehrere Magazine nach Tests die meisten Aussagen in meinem Text bestätigt – Bluewin TV hatte z.B. in einem Test 5 Minuten zum Aufstarten, die Bildqualität sei teils verpixelt und zwischen den Sendern vergehe mehr als eine Sekunde… viel Spass beim Zappen dann also 🙂

habe soeben im 10vor 10 erfahren müssen, dass die cablecom nächstes jahr weitere 6 sender vom analogen programm eliminert, darunter RAI1, TF1 und FR2. grausam sowas, zum kotzen. auch ich werde mich nicht dieser setup-box-anschaffung unterziehen, eher noch eine schüssel.
ich kann es fast nicht glauben, dass sich die cablecom nach der letzten protestwelle die frechheit noch einmal herausnimmt, weitere sehr beliebte sender vom erdboden des analogen empfangs in die unterwelten des digitalfernsehers herabzuziehen.

Das sind wirklich… uff, das wäre eine Beleidigung, und einen Rechtsstreit mit den Kabelkomm-Fritzen will ich nicht auch noch. Ist auch hier nachzulesen – grauenhaft. Greift bei diesem arroganten Gebahren eines Quasimonopolisten bitte mal der Staat ein…? Haaallooo – ich will keine schlechtere Bildqualität und eine Set-Top-Box… die meisten wollen das nicht… geht das nicht in eure Schädel?!

ich frage mich wirklich wie die das durchsetzen können, meine güte RAI1 und TF1. das wird doch einen aufstand geben müssen…
au backe, ich werd wohl nächstes jahr ne satellitenschüssel anschaffen, denn kundin von "schisscom" wie so schön gesagt wurde, und cablecom will ich einfach nicht werden. an welche staatliche organisation wendet man sich um sich über so was zu beschweren? wettbewerbskommission?preisüberwachung? an cablecom hab ich schon paarmal gemailt.
übrigens, dein beitrag oben bringts für mich auch auf den punkt. gut geschrieben.

Danke für die Blumen, freakthepea, aber noch besser geschrieben hats der "Bund" – im "Apropos" vom 3. Januar 2007. Unter dem Titel "Zur Lage der Fernsehnation" nimmt der/die Verfasser/in (die Kolumne wird traditionsgemäss nicht gezeichnet) "jenen Kabelnetzbetreiber, dessen Name uns entfallen ist, der aber nur unser Bestes will", aufs Korn. Der Text ist noch während einiger Tage hier abrufbar.

Hauptkritikpunkt ist etwas, was ich im obigen Posting schon erwähnt hatte: Dass Birnenweich-Sender wie DSF und HSE im analogen Grundangebot bleiben, aber WDR, M6, TF1 usw. ins digitale verbannt werden.

Richtig: DSF bringt nebst bedingt brauchbaren Sportübertragungen vor allem diese ätzenden 0900-Nummer-Spiele mit Dummschwätzerblablamoderation (siehe auch hier). Und konnte man früher wenigstens vor dem Einschlafen zur Beruhigung noch schnell unbeschürzte weibliche Mitbürgerinnen ohne Werbeeinblendungen bei der Eigenentkleidung auf Sportplätzen beobachten, nehmen die armen Frauen nun noch etwa einen Drittel des Bildschirmes ein – auf der restlichen Fläche wird man gezwungen, Werbeeinblendungen und Botschaften von "Jimmy" oder "Hans" zu lesen, die "Sexkontakte im Grossraum Hannover" suchen und gefälligst zu kontaktieren sind.

HSE bringt wenigstens noch einen gewissen realsatirischen Wert auf der Stufe von Shiva & Co. mit, aber auf WDR und M6 würde man dafür schon nicht wirklich verzichten wollen.

Die "Bund"-Kolumne schliesst mit dem Hinweis: "«Kabel kündigen. Schüssel montieren», raten deshalb einige. Wir wüssten freilich etwas noch viel Besseres: Kasten verschrotten. Lesen."

Oder Bloggen.

Manual Trackback

M
F
G
Sopur

Laut diesem "heute"-Artikel läuft endlich mal etwas Konkretes: Ein Komitee sammelt Unterschriften (leider ist das Formular nur auf Italienisch und nur als Worddokument abrufbar), Konsumentenschützer haben Moritz Leuenberger geschrieben, das Bakom ermittelt, die Wettbewerbskommission ist in den Startlöchern.

Dass der Blöker nicht lacht… jetzt macht die Cablecom in diesem Tagi-Artikel auch noch einen auf Tränendrüse – «Es ist uns bisher misslungen, die Gründe für den Wechsel darzulegen und zu zeigen, wie einfach der Umstieg ist», sagt Cablecom-Chef Rudolf Fischer. Klar doch: Ganz einfach, für jedes TV-Gerät im Haushalt eine eigene Set-Top-Box zu montieren, für jede Box separat neue Monatsgebühren zu blechen, auf eine gute Bildqualität zugunsten von verpixelten schnellen Bewegungen verzichten, eine neue Fernbedienung willkommen heissen und viel Komfort adieu zu sagen (z.B. mit dem DVD-Recorder etwas auf Harddisk aufzeichnen, während man was anderes sieht und bei Bedarf etwas auf DVD brennen).

Immerhin: Die Hotlines sind ab sofort gratis (offenbar hat man genug abgezockt, sodass man sich das nun leisten kann), und der Kundendienst wird abermals aufgestockt.

auch ganz toll war mitanzusehen wie nach dem einschreiten von moriz leuenberger ( letzte woche ankündigung dass RAI1 und france2 voraussichtlich doch im analogen programm bleiben müssen, was mich freut!) ein sprecher duckmäuserisch zu protokoll gab, die cablecom sei glücklich oder froh (!!!) über das einschreiten des staates und dass es endlich zu einer klaren regelung für die sendermigrationen komme. sie würden sich selbstverständlich an die neuen gesetze halten und natürlich müssten dann an stelle dieser sender andere verschwinden ( = auch interpretierbar als "die italiener sind schuld ")

Zumindest zattoo.com ist als einigermassen taugliche Alternative für PCs und Notebooks zu empfehlen – die Bildqualität ist nicht wirklich gut, wenn man die Programme im Vollbildmodus sehen will, doch wieso nicht; das kann sich ja noch ändern. Das sollte den Kabel,komm-Heinis ein wenig einheizen.

Ich hoffe, dass sich Vermieter in ganzen Quartieren zusammentun, und die Cablecom gegen einen anderen Anbieter austauschen – im Gegensatz zu den Kejblcommrn schaffen es flexible, kleine Anbieter sehr wohl, nebst einem digitalen Angebot auch eine breite analoge Palette zu behalten.

Wenns so weiter geht, habe ich auch nichts gegen eine Beschlagnahmung der Netze seitens Gemeinden, die verpflichtet werden müssten, das Netz innert zweier Jahre einem Anbieter weiter zu vermieten, der ein Angebot von 40-50 analogen Sendern bereitstellen müsste.

Endlich kommt Leben in die Bude: Cablecom konnte sich endlich Durchringen, womöglich relativ sinnlose Sender wie U1 oder HSE im analogen Netz abzuschalten und damit die Chance für qualitativ hochstende Programme, im Grundangebot zu bleiben, erhöhen.

3+ kann man ruhig auch auf die Liste der aus dem analogen Programm zu entfernenden Sender nehmen – unfassbar, diese 0900er-Nummer-Shows mit den birnenweichen Antworten, auf die kein vernünftig denkender Mensch kommen kann. Wenn sich der Staat schon nicht durchringen kann, solchen Müll grundsätzlich zu verbieten, könnten wenigstens die Kabelanbieter solcherlei Quatsch boykottieren.

Aber mal abgesehen von den Inhalten – was ich mich immer wieder frage: Warum schaffen es andere Anbieter, analoges und digitales Angebot problemlos nebeneinander zu betreiben? Warum schaltet nur die Cableschrott analoge Sender en masse ab?

In der Schweiz wird auch der analoge Empfang "aus der Luft" durch digitalen Empfang (DVB-T) abgelöst. Eine weitere Schikane für BesitzerInnen älterer Fernsehgeräte: Wer keinen Scart-Anschluss hat, schaut in die Röhre… aber eben nicht mehr in die Fernsehröhre. Billg-Geräte aus den 1980er-Jahren, die heute noch problemlos (z.B. in der Ferienwohnung) ihren Dienst tun,

Protzig steht auf http://www.digitalesfernsehen.ch: "Für den DVB-T-Empfang eignet sich jedes Fernsehgerät" – wer aber weiterliest, nervt sich schnell mal… so wie eine Kollegin, die bisher sporadisch mal eine Newssendung mit einer Zimmerantenne schaute und weder ADSL noch eine Kabelfirma braucht – auch aus finanziellen Gründen. Ihr 15-Zoll-No-Name-Gerät, Jahrgang 1988, hat nur einen Koaxial-Anschluss. Damit kann sie das Gerät ghüdere, denn immerhin wird man auf der Schweizer Digi-TV-Website noch informiert: "… sofern es über eine Scartbuchse für den Anschluss eines Decoders verfügt. Seit 1981 werden alle TV-Apparate automatisch mit einer Scartbuchse ausgerüstet."

Offensichtlich eine Lüge – einmal mehr nervt die Digitalisierung jene, die mit dem Vorhandenen völlig zufrieden sind, auch wenn zugegebenermassen DVB-T verglichen mit der völlig überflüssigen Digitalisierung der Kabelnetze zahlreiche Vorteile hat, vorab im Bereich Bildqualität.

Im Internet kursieren übrigens auch Angaben zu Recievern ohne Scart-Kabel – weshalb auf http://www.digitalesfernsehen.ch nicht darauf hingewiesen wird, bleibt schleierhaft.

U1 kommt immerhin bald weg aus dem analogen Angebot – mögen Weigelt & Co. mit ihrem seltsamen Trick, den Schmuddelschrottsender in eine Sportstation (mit ach so interessanten Sportarten wie Handball oder Unihockey) umzuwandeln, scheitern.

Ein weiterer Kandidat für den Rauskick aus dem Analogangebot wäre der völlig überflüssige Cablecom-Servicekanal, wo derzeit AnfängermoderatorInnen im Stile von mässig begabten Marktschreiern oder Nacht-Dauerwerbesendungs-Schrottandrehern das digitale Angebot anpreisen und einem vorführen, wie einfach doch die Installation sei. Der Skandal (nebst der Belegung eines analogen Kanals): Die als brandneu angepriesenen Dinge haben alle ZuschauerInnen mit einem Harddisk-Recorder schon seit Jahren.

Dass man die auf die Cablecom-Box aufgenommenen Sendungen z.B. nicht auf DVD brennen kann und dass die Kapazität des Cablecom-Gerätes nicht immens gross ist, wird natürlich verschwiegen. Nicht mal auf der Website des „mediabox recorder“ wird darauf hingewiesen.

Einmal mehr will uns die Cablecom also für dumm verkaufen: Wer stoppt den Saftalden? Kann man die Kabelkomm nicht verpflichten, dass sie z.B. in Untertiteln darauf hinweisen muss, dass dies a) schon längst auch im analogen Angebot funzt (mit Geräten, die nicht proprietär sind und die man einmal kauft statt mietet) und dass b) gewichtige Einschränkungen bezüglich Speichermenge und Weiterverarbeitung der Aufnahmen in Kauf zu nehmen sind? Ansonsten geht das beinahe schon in Richtung unlauterer Wettbewerb.

Oder wie würden wohl die Behörden oder die Kundschaft reagieren, wenn ich ein Auto auf den Markt bringen und es mit den Argumenten anpreisen würde, dass es einen Motor, Türen und Fenster hat – aber verschweigen, dass es nur auf bestimmten Strecken fährt (die der Hersteller definiert) und recht viel Treibstoff verbraucht?

Cablecom – mit dem Ziel, den Leuten mehr Kohle aus der Tasche zu ziehen – nützt schamlos aus, dass die meisten KundInnen technisch wenig versiert sind und von den Möglichkeiten eines Harddisk-DVD-Recorders nichts wissen. Oder haben die Hersteller dieser Geräte hier einfach PR-mässig gepennt?

[…] (wenns funktioniert, sei froh – wenn nicht, viel Spass), das sind auch die, die uns zahlreiche liebgewonnene TV-Sender abschalten. Und die bekannt sind für aggressive Werbung, gegen die man sich kaum wehren kann – auf der […]

Die Diskussion rund um digitales Fernsehen geht übrigens auch hier weiter

[…] Digital-TV, das kaum einer will, wird als Folge gepusht – die Cabelcom hat erfolgreich ihren Ruf als wenig kundenfreundliche Firma […]

Sehr interessant sind diese beiden Blogbeiträge zur Cablecom:

– Ralf Beyeler: „Cablecom-Fischer im Kassensturz kommentiert

– blogg.ch: „Cablecom will den Schlüssel nicht hergeben

Dieses Bluewin TV ist aber auch ein unfassbares „huere Gebaschtel“, wie im Tagi nachzulesen ist.

Mehr Informationen zum Thema auch unter aktion-kabelnetz.ch.

Der Tenor in den Gemeinden Rüfenacht, Wichtrach, Gerzensee, Kirchdorf und Mühledorf: „Bisher beziehen wir von der Medicom ein unverschlüsseltes Signal (analog und digital!). Das heutige digitale Signal lässt sich mit handelsüblichen Empfangsgeräten, die dem europäischen DVB-C Standard entsprechen, empfangen. (…) werden alle diese DVB-C-Empfänger nach der Umstellung auf das Cablecom-Signal nicht mehr funktionieren, da die Cablecom ein verschlüsseltes Signal sendet, das nur mit Set-Top-Boxen von Cablecom empfangen werden kann. Ihre bisherige Hardware (oder Teile davon) werden zukünftig also wertlos sein.“

[…] Viel Spass also beim EM-Gucken mit der herrlichen neuen Technologie! […]

[…] hat seit diesem Beitrag der technische Fortschritt einen halbwegs vernünftigen Umgang mit Digital-TV ermöglicht – […]

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