Zum NEAT-Durchstich: Die Wahrheit über die Wurzeln der Schweiz

Hier die Fortsetzung des gestrigen Beitrages über den Piz Vatgira, die höchste Überdeckung über dem morgen zu durchstechenden Gotthard-Basistunnel.

Im zarten Alter von 12 Jahren musste ich meinen ersten Sekundarschulaufsatz verfassen. Die faszinierende Pyramide im Val Nalps war die ideale Vorlage, die Schweizer Geschichte komplett neu zu schreiben. Hier das Original von 1984:

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Als die Ägypter kamen

Vor langer Zeit einmal, als die Aegypter in ihrem Land eine Hochkultur erreicht hatten, lebten noch keine Menschen im Gebiet des heutigen Sedrun. Die Landschaft war unberüht; wunderschön!

Nur in einem Talwinkel stimmte etwas nicht. Inmitten der Berglandschaft des Val Nalps – ein weisser Fleck. Dieser Talabschnitt wurde von allen Tieren gemieden; sie glaubten, man könne dort irgendwo hineinfallen. Von Sedrun aus, wo alle Tiere ihre Lager hatten, sah man in Richtung Süd zwei Hügel, die den Eingang zum Val Nalps bildeten. “Einfach langweilig, nur so zwei Hügel”, dachten die Tiere. “Da sollte man einmal einen Berg dazwischen stellen!” meinte ein Rehkitz.

Piz Vatgira vom Tgom aus, Juli 2006Zur gleichen Zeit wurde in Aegypten der Knaben-Pharao Tut-ench-Amun beerdigt. Es herrschte sehr grosse Trauer um ihn. Nein, dachte das Volk: “Wir wandern aus, in der Nähe von ihm können wir nicht leben. Alle sind traurig, wenn sie das Grab sehen! Muss es denn unbedingt an der Durchgangsstrasse stehen?” sagte der soeben gewählte neue Pharao.

Man beschloss, ins Land der Berge zu reisen, fern von Tut-ench-Amuns Grab. Viele Jahre dauerte die Reise der Leute aus Aegypten. Endlich, nach fünfundfünfzig mühsamen Jahren, kam man dort an, wohin man wollte. Keine Leute, niemand. Man hatte seine Ruhe. Aber dann sah man die langweilige Talecke. “Aaaah,” riefen alle: “Das ist ja schrecklich! Da muss man sofort etwas unternehmen!”

Alle dachten eifrig darüber nach, wie sie wohl mit dem Problem fertig werden könnten. Da kam die Lösung, ausgerechnet vom dümmsten Aegypter, der immer Mist im Kopf hatte. Die Bergluft schien ihm gut zu tun. “Kommt, lasst uns eine Pyramide bauen! Das wird dem Pharao gefallen, dass er so ein schönes Berggrab bekommen wird!” – “Ja, ja! Eine Super-Idee, Ali! Trommelt sofort die Chefsklaven zusammen! Ihr könnt sofort mit den Berechnungen und dann mit dem Bau anfangen!” sagte der uns heute unbekannte Pharao Rumses VII.

Nach einer Woche begann man mit dem Bau. Alle halfen mit, sogar Rumses höchstpersönlich! Der Herbst hielt langsam Einzug, die Pyramide war fast fertig. Endlich, nach drei Monaten Bauzeit, war es soweit. Eine meterhohe Pyramide war in absolut neuer Spitzenrekordzeit fertiggestellt worden!

Was aber die Aegypter nicht wussten: Tut-ench-Amuns Geist hatte ihnen die Kraft gegeben, solch eine Bauzeit hinzulegen. Er war ihnen nämlich die ganze Zeit Piz Vatgira, Stausee Nalps, November 2001gefolgt und freute sich selbstverständlich auch über den Mut seines ehemaligen Volkes.

Den ganzen Sommer lang herrschte im Pyramidengebiet eine Hitzewelle; das bedeutete einen harten Winter. Die Aegypter waren sich natürlich an die Hitze gewöhnt, nicht aber an Kälte und Schnee. Da trat ein, was kommen musste: Der erste Schnee. Schon viele erfroren an dem Tag, andere im Laufe des Winters. Schnee lag auf allem, Temperatur zwanzig unter Null! Nur ein paar wenige überlebten den langen Winter, die, die sich an die Situation anpassten, unter ihnen auch Pharao Rumses, dem es aber sehr schlecht ging. Trotz der guten Pflege erlag er seinen Verletzungen.

Der Frühling hielt Einzug, der Schnee schmolz. Die Blumen sprossen, es wurde wärmer.

21. Juni, Sommeranfang. Die paar Übriggebliebenen erfreuten sich der Sonne, aber die Situation trog. In Wirklichkeit versuchten sie nur, den Schmerz über den Tod von Rumses VII zu vergessen. Sie begruben ihn in der schönen Vatgira-Pyramide und verschlossen die Gänge mit Geröll. Da kamen die ersten Jungsteinzeitleute der heutigen Schweiz. Die Völker schlossen sich zusammen und gründeten eine Eidgenossenschaft.

Also dort war der Anfang der Schweiz!

Jahre verflossen, wir schreiben das Jahr 98 n. Chr. – das Volk der Schweizer-Aegypter schloss einen Bund mit den Römern. Unterdessen war die Vatgira-Pyramide verwittert, Geröllhalden und Schneefelder prägten das Geschehen an den Bergflanken. Aber die Pyramiden-Form war noch sichtbar. Ein mächtiger Berg im Val Nalps… sagt man noch heute.

Und ab und zu, wenn ich im Sommer die Ferien in Sedrun verbringe und durch das Teleskop den Gipfel des Vatgiras anschaue, sehe ich den Kopf des Pharaos munter und fröhlich aus dem Gipfeleingang gucken. Es scheint ihm dort zu gefallen!

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Es dürfte nicht schwer zu erraten sein, was wir im Herbst 1984 im Geschichtsunterricht für ein Thema behandelten…

Piz Vatgira bei Südlage, Oktober 2006

Zurück in die Gegenwart: Wer eine wirklich gute TV-Doku zur Entstehung des Gotthard-Basistunnels sehen will, wird hier fündig.

6 Kommentare

  1. @Hanna: Tja, wann man heute noch Noten bekäme – ich erinnere alle an den Paypal-Button rechts, sechs Franken statt eines Sechsers wären doch eine gute Spende 🙂

    @Lisette: Tatsächlich… Mist… und ich hab das nicht mal gemerkt. Schande. Allerdings wäre es noch lustiger gewesen, hätt’ ich damals schon “Samih” statt “Ali” geschrieben.

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