Wie Touristen im Zug die Koffer verstauen

Die schlimmste Zugfahrerin aller Zeiten stellt zwar alle in den Schatten, aber immer wieder begegnet man Touristen aus fernen Ländern, die von gesundem Menschenverstand noch nie was gehört haben: In einem proppenvollen Zug gen Berner Oberland sollte das Gepäck wohl nicht ein ganzes Abteil für sich belegen…

Japaner versuchen, in der Schweiz Zug zu fahren (Juli 2008)

… sondern zwischen die Sitze (wir haben es ihnen erfolglos gezeigt), auf die Gepäckablage oder draussen im Gang versorgt werden. Stattdessen steht man zuerst nach dem Einsteigen im Gang allen im Weg herum und weigert sich, die Koffer adäquat zu verstauen.

Gibts keinen Guide “Zugfahren in der Schweiz”, den man diesen Leuten in die Hand drücken könnte? Wir versuchen uns in der Regel ja auch, mit den wichtigsten Dos&Don’ts des Reiselandes vertraut zu machen.

15 Kommentare

  1. Als häufig im Ausland Reisender würde der Guide “Zugfahren in der Schweiz” wohl nicht helfen. Wenn du in Madrid, Paris oder Indien geboren wärst, könntest du dir wahrscheinlich schlecht vorstellen, dass dein Gepäck weit weg von dir reisen kann, ohne dass es ohne dich das weite sucht.

    In Indien habe ich schon grösste Diskussionen gehabt, weil ich es gewagt habe den einzelnen Aktenkoffer eines Fluggastes *über* ihm zu verstauen anstatt über dem Gang, wo er ihn im Auge hätte haben können solange die Deckel der Overheadbins noch offen waren.

  2. Ach ja, seufz – mir als ÖV-Fahrende ist dieses Phänomen nur allzugut bekannt!
    Da halten übermüdete Reisende in rappelvollen Zugabteilen tief und selig ihren Erholungsschlaf ab. Ihre Beine liegen bequem auf dem gegenüberliegenden Sitz, das zahlreich vorhandene Gepäck stapelt sich auf dem restlichen Platz. Wahrscheinlich – so meine Vermutung – haben sie bei Reiseantritt drei bis vier Fahrkarten gelöst und können somit das ganze Abteil ohne Hemmungen und frei von jeglichem schlechten Gewissen für sich beanspruchen….

  3. Nun – Reisende (besonders müde) sind für mich doch anders zu gewichten als Koffer. Ich halte meine Beine auch meist länger oben als nötig; besonders, wenn zwei Wagen weiter gaaaanz viel Platz ist, die Leute aber zu faul, dahin zu spazieren. Grundsätzlich gilt die Devise: Höfliches Fragen hilft immer! Ausserdem erlebe ich zum Glück auch oft “lassen Sie die Beine nur oben, ich mache dasselbe – und wenns mieft, sagen Sie’s ungeniert, gell!”

  4. Zur Verteidigung muss aber noch gesagt werden, dass mein Koffer, der eine Spur dicker ist als ein Standartkoffer, nicht zwischen die Sitze des Doppelstöcker IC’s passen.

    Im Einstöcker IC im Bild werden die Masse aber etwa gleich sein.

  5. Neulich war im Abteil nebenan ein cholerischer Zürcher mit einem kleinen Trolley und blockierte damit den letzten Sitz vor dem Übergang zur 1. Klasse. Wer fragte “Ist da noch frei?” wurde mit Beschimpfungen weggeschickt, es habe weiter hinten im Zug schliesslich noch Platz, gefolgt von einem verächtlichen “Bern!”. Es war so unverschämt, dass unser vollbesetztes Abteil ganz perplex war. Im Nachhinein frage ich mich, was die beste Reaktion gewesen wäre.

  6. a) Kondukteur im Vorraum abpassen und ihm die Situation schildern. Ihn bitten, etwas zum Herrn zu sagen.

    b) Trolley selbständig an einen adäquaten Ort versorgen, nicht auf den Choleriker hören (ignorieren), einfach ruhig hinsetzen und lesen.

  7. Nun, die meisten Fahrgäste versorgen ihr Gepäck am vorgesehenen Ort; spätestens wenn man sie darauf hinweist.

    Wenn nicht, kann man sich immer noch beim Kondukteur (sofern vorhanden) darüber beschweren, dass es keinen Platz mehr habe, weil ein paar Reisende die benachbarten Abteile mit Gepäck auffüllen.

    Ich bin Zugbegleiter, und wenn ich auf eine solche Situation hingewiesen werde, mache ich grundsätzlich eine Durchsage a la “Geschätzte Fahrgäste, bitte benutzen Sie für Ihr Gepäck die dafür vorgesehenen Ablagen oberhalb und zwischen den Sitzen und halten Sie die Sitzplätze für Mitreisende frei.”

    Meistens wirkt es, und wenn nicht finde ich nahezu immer eine Lösung, so dass schlussendlich alle Reisenden einen Sitzplatz haben.

    (Wenn es nicht anders geht sitzen auch mal “Zweitklässler” in der ersten Klasse.)

    Übrigens: Viele Fahrgäste wollen ihr Gepäck nicht in den Ablagen oberhalb der Sitze verstauen, weil sie Angst haben, ihre Gepäck falle ihnen dann auf den Kopf… Habe schon öfters diesbezügliche Aussagen seitens der Reisenden gehört. (“Jaaaaa, aber was ist, wenn eine scharfe Weiche kommt? Wenn der Zug plötzlich abbremst?”)

  8. (”Jaaaaa, aber was ist, wenn eine scharfe Weiche kommt? Wenn der Zug plötzlich abbremst?”)

    Wow, eine scharfe Weiche… fast wie eine fade Harte?

    Getreu dem Energieerhaltungssatz (8ung Fisik, ich lass’ mich auf die Äste) trifft der Koffer sicher nicht die Person, die darunter sitzt, sondern andere weiter vorne im Zug.

    Meine Wenigkeit hat keine Probleme, anderer Leute Gepäck zu verstauen. Aber in der Ersten ist es nicht so schlimm mit Reisenden. Und der Klassenwechsel ist in “Touristenzügen” (zB an Wochenenden ins BeO) kein Luxus, sondern viel mehr ein bisschen Wellness.

    Möglicherweise sind sich ausländische Touristen nicht gewohnt, dass Koffer zwischen den Sitzen zu verstauen, weil ihr Rollmaterial zuhause nicht dafür gebaut ist (zB wegen Flugzeugbestuhlung, beinahe-senkrechten Lehnen, immer Platz weil kein Bahn-Land…).

  9. I travel to Switzerland frequently and am always disappointed that train officials don’t take into consideration that some of us are not trusting Swiss people. We do not like traveling out of sight of our luggage. I have tried to stay with the suitcase in the entrance way but was directed back to a seat “for safety” reasons. I’m very short and unable to reach the overhead racks, besides the suitcase wouldn’t fit even if I would find someone to hoist it up for me.
    Most of us also don’t recognize the devaluation system for tickets before entering the train or after every transfer. Strange enough when purchasing a ticket this is hardly ever pointed out to me.
    Don’t pick on tourists who try their best to fit in. Some things are just over organized for “common-sense people”.

  10. Good point there, thanks. Depending on what’s in the suitcase (Laptop accessories, electronic devices) I don’t like to leave it in the entrance way either. But I’m pretty sure you’ll always find someone who will help you with your luggage. Most of us speak English and other languages very well. In addition to that, the crime rate in our country is fairly low.

    Trains in Switzerland are, maybe this is the main diffrence to other countries, more what a foreigner would describe as a Subway or “S-Bahn”. Distances are much smaller here, and most main lines run every half hour or even more frequently. You’ll probably read in every good travel guide that commuters use trains at the same time as visitors, moms with small kids, Backpackers from all over the world, business people, families and so on.

    Thus, I pick on every person who is unable to take other’s needs into consideration. No matter if it’s tourists or locals. This has nothing to do with over-organizing but with egoism vs. common sense. I think I got a glimpse on how every day matters are handled in every country I visited so far just by having a close look around. Obviously, some people do not try their best to fit in.

    Most important of all: Do we all look so ugly? Why not ask if anything is unclear? You’re from Canada – the chance to find someone who speaks french or english in a swiss train is about 99.9%.

    If one is too shy to open his/her mouth and ask for help in a country well known for language skills, I would advise this person to rather stay at home.

    I’m not sure about your ticket concerns, what do you mean exactly? Maybe this: In some countries (like France or Italy) tickets have to be stamped on special machines before entering the train. You don’t have to do this in Switzerland with most tickets. The only exceptions are “Mehrfahrtenkarten” (a paper ticket for several rides on a certain route) and tickets like “Tagesklassenwechsel” (which allows you to swap from 2nd to 1st class cars during one day) or “Zweifahrtenkarten” (return ticket on certain routes with no regular cheap return ticket policy).

    You’ll notice the difference when you have a look at the ticket: If one upper corner is cut away (in order to be able to put it into the stamping machine slot more easily) and empty lines are on the ticket, you’ll most certainly have to stamp it right before entering the train. There are many orange “Entwerter” machines in every station or on every platform.

    But as I’ve already written: There’s about 7 million friendly people out there who will be glad to assist you with any questions or services.

  11. Well, Alena, I hope you’d enjoyed your trips anyway and will enjoy also your next ones! May I ask you where you are coming from?

    Just to take into consideration: Most of the tourists visiting switzerland also have (and hopefully use) public transport in their home country (do you?). And if they’re not using public transport except for their holiday in Switzerland (which is besides a senseful decision) they shouldn’t see themselves as experienced – asking questions is then the most obvious sign for trying to fit in…

    1 seat per person should be common sense all over the planet. A baggage rack is not a decoration thing in the train but it is rather a …baggage rack. And standing on the platform with capatious luggage can indeed be hindering as people like to get in and out the train instantly when the train stops at the station…

    Yes it would be interesting to hear more about your devaluation issue…
    And no, I won’t steal your supersized holiday luggage 😉

  12. Guess what I did last time I visited your country?
    I rented a car! We Canadians tend to look to Europe for the latest developments in “save the environment”, so needless to say “when in Rome do as the Romans do” and we also take the train.
    Trust me, I’m not shy to ask for help, but when was the last time you saw a conductor on a train? They only show up when they want to nail you! So if I’m not sure about where to get off or which railway line I have to switch to there would only be the passengers to help me. You’re right, most of you speak English, and very well may I add, but the travelers are not railway employees. I have stood on a platform watching my train take off on a different track, simply because I got the wrong info.
    Anyway, your trains are designed for commuters and people with small carry-ons but not for suitcases the size of a small house!
    Nice seeing your comments and points of view. A.

  13. If you use mainly local trains you hardly ever see a conductor, that’s true. You will, however, even find more that one in every Intercity or fast train. Andreas Hobi IS a conductor himself – let’s see what he says about it.

  14. Hi Alena, Blöker is right: I am a conductor and in all long-distance trains there is IN EACH CASE one of us. It’s a different thing in the “S-Bahn” trains; there you’ll find hardly a conductor or SBB employee, because the accompaniment was abolished some years ago.

    Furthermore, when you travel from Zürich HB (Mainstation) to Zurich Airport, it’s possible to not see a conductor. The ride is to short for us to check all passengers.

    Sure you’ve noticed that we’re standing in front of the train before the train is going to depart. So you have the possibility the ask for your connections or for help with your luggage.

    If you have a mobile device with internet connection, you could visit rail.ch to check your journey / connections yourself. In the bigger railway station there is a free WLAN / WiFi access to rail.ch or sbb.ch .

    See you soon in one of our trains and have a nice day.

    Andreas

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