Wie die Stadt Bern mit Velofahrern umgeht

Wie schon so oft berichtet – man hat nicht das Gefühl, als Velofahrer in einer rotgrün regierten Stadt zu leben.

Weitere aktuelle Müsterchen: Vor meiner neuen Bürogemeinschaft am Theaterplatz / Zytglogge stand letzte Woche ein Schild, das die Dezimierung der ohnehin schon sehr knapp bemessenen Veloabstellplätze ankündigte:

Veloprobleme am Zytglogge Bern (Oktober 2008)

Ich dachte mir: Klar, bei Bauarbeiten wird die Stadt sicher für angemessenen Ersatz sorgen. Pustekuchen – eine Strasse hätte man mit den bekannten temporären roten Streifen auf dem Boden markiert, aber die VelofahrerInnen überlässt man auf gut Glück ihrem Schicksal. Dieses seltsame Völklein schaut ja dann schon irgendwie.

Die Folge auf gut Deutsch – es huere Saupuff:

Veloprobleme am Zytglogge Bern (Oktober 2008)

Können wir wenigstens davon ausgehen, dass die knappen Plätze hier nach den Bauarbeiten mindestens verdoppelt werden? Sagen wirs mal so: Die Chance, dass wir Velofahrenden im November primär Leute wählen, die solcherlei unterstützten, ist gross.

In der Velostation Milchgässli, dem sattsam bekannten Hort der Anti-Dienstleistungsorientierung, sind seit Monaten ein paar der besten Abstellplätze mit weissrotem Absperrband dichtgemacht – ist ja Wurst, wenn die Stammkunden deswegen genervt sind und weiter fahren müssen:

Abgesperrte Teile der Velostation Milchgässli verärgern Stammkunden (Sommer 2008)

Wie wärs, wenn die fix stationierten Velos (Bern rollt, von der Polizei eingesammelte Velos) konsequent in die Peripherie verbannt würden (zuhinterst, obere Reihe, andere Räume)?

Die Lethargie der Velostatiönler kennt keine Grenzen – seit einigen Tagen ist der Teil, wo ich am liebsten parke, abgesperrt… mit dem Hinweis, dass man hier ab dem 13. Oktober keine Velos mehr hinstellen möge, da man die Parkplätze erweitere:

Abgesperrter Teil der Velostation - seit Tagen zu, doch nichts passiert (Oktober 2008)

…schön, aber auch neun Tage nach dem 13. Oktober ist noch genau nichts passiert!

Und ich dopple nach: Auf der immens grossen Teerfläche des ach so heimeligen neuen Bahnhofplatzes hätte es Platz für tausende kostenlose Veloabstellplätze. Was tut die Stadt? Vermutlich die nächsten Jahre nichts. Den Platz autofrei machen ist gut – aber auch auf die Wünsche der Velofahrenden einzugehen, wäre besser.

Sollen wir FahrradbenutzerInnen wirklich wieder rotgrün wählen?

4 Kommentare

  1. Es wäre ein guter Denkzettel, schätze ich. Autofahrer, die nicht gegen ihre Interessen stimmen, tun das schon lange.

    Vielleicht wäre Jimy Hofer doch die bessere Wahl als ‘Cüpli-Alex’, sogar für Hardcore-Sozis?

  2. Würg. Zu Jimy äussere ich mich politisch mal lieber nicht.

    Tschäppät wähle ich ganz sicher nicht – ebenso unwählbar wie Hayoz.

    Wir müssen uns aber keine Illusionen machen: Wenn wir Bürgerliche wählen, wird das mit den Velos garantiert nicht besser.

    Womöglich wäre aber zumindest die Wahl von Hayoz als Stapi ein Denkzettel oder Weckruf für die leider nach all den Jahren oftmals ziemlich verkrustet-arrogante Rotgrün-Mehrheit. Die sollen mal gefälligst die richtigen Schwerpunkte setzen und nicht gegen ihre eigenen Ideale handeln:

    – Mehr Raum für Velos (auch für jene, die schnell von A nach B wollen/müssen), 3-4x so viele Veloparkplätze schaffen

    – der motorisierte Privatverkehr muss konsequent raus aus der Innenstadt (oder dann sollen wenigstens die Temp-20-Zone und die Parkverbote konsequent durchgesetzt werden mit Polizeipräsenz und Hindernissen)

    – kommerzielle Standaktionen verbieten (und dann vielleicht ein Strassencafé weniger schliessen, wobei ich Rytz’ Entrümpelungs-Aktion grundsätzlich sehr begrüsse)

    – Gewalt und Auf-der-Nase-Rumtanzen seitens allerlei Gruppierungen durch konsequente Eingriffe und harte Verhandlungen unterbinden und sich dadurch auch den Rücken nach rechts freihalten

    – mehr Kinderkrippen (und sicher nicht bestehende schliessen/verlegen)

    – Nicht in einen bürgerlichen Sauberkeitswahn verfallen und “die kleinen Leute” büssen, die ihren Kehricht zu früh rausstellen, sondern den Dreck konsequent verhindern, der wirklich stört (Scherben, die Velopneus schlitzen und Kinder gefährden; Teenie-Littering, das einfach zu verhindern wäre)

  3. Wie es auch gehen würde, wenn man nur wollte, zeigt der Bericht “Das dänische Veloparadies” im 10vor10 vom 8. Juni 2009.

    Seit Jahrzehnten fördern die Stadtbehörden im dänischen Odense konsequent das Velo als Verkehrsmittel. Odense gilt als eine der velofreundlichsten Städte Europas. Die Umweltorganisation «Umverkehr» will mit Initiativen den Veloverkehr in Schweizer Städten nach dem dänischen Vorbild fördern.

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