Vor 20 Jahren: Toscana-Reise

Am 21. Oktober 1988, heute vor 20 Jahren, gab der 16-jährige Blöker in Florenz eine Postkarte auf…

Post für die Freundin, aufgegeben am 21. Oktober 1988 in Florenz

… wenige Minuten zuvor hatte er auf dem Markt für 60’000 Lire einen grün-violetten Sweater (rechts im Bild ein Foto vom Mai 1989) erworben:

Ein Levis-Sweater für 60'000 Lire, Firenze, 21. Oktober 1988 / Rechts das Objekt im täglichen Einsatz, Bild aus Luxemburg, Mai 1989

Es war der letzte Ferientag nach zwei Wochen Kultur, feinem Essen, Museen, Kirchen, Türmen und Shopping. In den von mir als Kontrapunkt zu zahlreichen archäologischen Stätten aufgesuchten Plattenläden dominierten zwei brandneue grosse LPs: “Rattle and Hum” von U2 und “Introspective” von den Pet Shop Boys.

Diese Songs hören wir heute noch gerne – doch die Kleider von damals würden wir kaum noch anziehen…

Der Schreibende in Buggiano (Toscana), Oktober 1988 / Aussicht von einem Turm in San Gimignano, Herbst 1988

Auch sonst war vieles anders. “Euro” hätte uns damals etwa so wenig gesagt wie “Handy”. Wenn ich meine damalige Freundin kontaktieren wollte, musste ich mühsam ein öffentliches Telefon finden und tonnenweise (zuvor bei den Eltern zu erbettelnde) Münzen bereithalten – oder aber Briefe schreiben.

Das tat ich dann auch rege, zum Beispiel aus Prato oder Pisa am 12. und 13. Oktober 1988:

Als Neo-Gymeler mit Latein-Schwerpunkt analysierte ich liebend gerne die unendlich vielen Inschriften. Nach dem Besuch ebenso vieler Gelaterie wünschte ich mir zum 17. Geburtstag eine Eismaschine; der “Gelataio” von Simac erfüllt auch 19 Jahre später seine Aufgabe noch bestens.

“LX” stand damals noch für Crossair…

Ticket und Gepäckabschnitt von Basel via Lugano nach Florenz, Oktober 1988

… die Swissair hatte damals andere Sorgen und wartete auf ihre neuen MD-11, wie dieser Ausschnitt aus den DRS-Nachrichten vom 1. Oktober 1988 zeigt (danach gleich noch das Neuste von Gorbi sowie meine Baselbieter Regio-News mit längst überholten Angaben zur “Bahn 2000”)…

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(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 1.7 MB)

… und die Eintrittstickets für die zahlreichen Attraktionen waren teilweise richtiggehende kleine Kunstwerke, besonders dasjenige zu den Uffizien:

Ticket zu den Uffizien, Oktober 1988

Eintrittstickets aus Siena und Prato, Herbst 1988

Tickets aus Florenz, Volterra und ein Busticket aus Florenz, Oktober 1988

Etwas ist aber gleich geblieben: Im Castello di Buggiano empfängt Alex Milani weiterhin Gäste. Mir hat es da schon als Teenie ausnehmend gut gefallen; da müsste man fast wieder mal hin.

Ob Signore Milani – mit Berner bzw. lorenzinischen Wurzeln (wobei ich damals noch nicht annähernd ahnte, jemals in der Hauptstadt zu wohnen) – immer noch diese Liste mit vorzüglichen “Fressbeizen” in der weiteren Umgebung besitzt, die wir im Herbst 1988 minutiös abgearbeitet haben?

8 Kommentare

  1. Ahhhh – dein Beitrag hat uns in Erinnerungen schwelgen lassen, meinen Mann und mich 🙂 1986 wars, als wir die Ferien bei Alex Milani im Castello di Buggiano verbrachten. Wir logierten im Turmzimmer. Era meraviglioso. Und Alex Milani war der leutseligste, netteste und gemütlichste Gastgeber, den man sich vorstellen kann. Er sass gern mit uns zusammen und rauchte eine Zigarette bis… seine Frau Hannelore von ihrem Deutschlandurlaub zurückkehrte. Dann war allerdings fertig lustig mit der Gemütlichkeit. Es wehte nicht nur ein anderer Wind – er musste auch im Geheimen rauchen…
    Ob Alex Milani heute noch Gastgeber im Castello ist?

  2. weil ich gerade unter Entzug leide,suchte ich ein Bild vom Castello zur Erinnerung und landetete hier
    Ich erlebte dort 5 mal schöne Sommerferienwoche mit Musik, Alex und Hannelore, guten Essen und “trinken”. (Das letzte Mal im 2006)
    Alex musste aus gesundheitlichen Gründen im 2007/08 das Castello abgeben, wohnt aber im Dorf unten und frönt nun ganz seinem Hobby der Bildhauerei.
    Nach Renovationsarbeiten wird es weiter als Gästehaus benutzt.

    Hannelore hat sich in Bern niedergelassen.

  3. Wahnsinn, durch Zufall bin ich hier gelandet. Weil ich jemandem erzählte wie gut es mir in der Toskana gefallen hat und plötzlich alte Erinnerungen wach wurden.
    Ich habe die Anfänge vom Castello erlebt, da ich 8 Jahre in der Contexta gearbeitet hatte (mitte siebziger bis mitte Achtziger) . Ursprünglich eingestellt als Sekretärin von Alex und dann wurde ich Assistentin von Friz und Heinz.
    DAS waren Zeiten *schwelg”…wir waren oft da von der Agentur aus da unten im Schloss und ich habe auch zusätzlich Ferien da verbracht. Da war es noch ganz einfach, das letzte was ich an Renovationen miterlebt hatte, war die Wohnung unter der Terrase für Heinz…das Bad *schwärm*
    Irgendwie wird mir jetzt grad melancholisch und ich muss unbedingt wieder mal dahin!!!

    Der Blog gefällt mir übrigens, gute Schreibe und schön durchtränkt von Liebe zu unserem wunderbaren Bern. Kompliment!

  4. Ja genau, den “Fressbeizen-Führer” müsste ich bei einem neuerlichen Besuch ganz bestimmt wieder haben.

    Ich weiss nicht mehr wie die eine Beiz hiess, ich sehe sie, rieche sie aber als stünde ich davor.

    Eine einfache Gartenlaube wo man sitzen konnte und die Spezialität des Hauses gegrillte Steinpilzhüte waren.
    Der Kellner kam mit einem Cachot frischer Steinpilze (Riesendinger direkt aus den Bergen) an den Tisch und man konnte sich einen aussuchen, der dann zubereitet wurde.
    Den Goût dieser mit etwas Knoblauch gewürzten Riesenteile habe ich heute noch im Gaumen.
    Ich weiss nur noch dass diese Beiz in dem bekannten Tal war, wo auch Schnittblumen gezogen wurden (eine Art kleines Holland).

    Ebenso geht mir nicht aus dem Sinn, die kleine Badi ob dem Castello in den Hügeln. Ich habe selten mehr mit so “Cachet” gebadet und gesünnelet und spätestens wenn Umberto Tozzi “Gloria” schmettert, den ich an diese wunderschöne Zeit da, lief doch dieses Lied in der Badi fast nonstop.
    Die selbstgemachte Pizza der Nonna da (hauchdünn und fast nur Tomate), das Stück für 50 Lire?? kommt mir beim Pizzaessen auch immer regelmässig in den Sinn 🙂

  5. Ja, genau in diese Richtung gehen meine Erinnerungen. Selbst als 16jähriger fand ich die ruhigen Toscana-Herbststimmungen wunderbar, die frühe Oktoberdämmerung in den Dörfern, das schummrige Licht in den Beizen. Diese zwei Wochen haben meine späteren Reisevorlieben sicher ein wenig mitgeprägt.

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