Bibelgschmäus raus aus Schulbüchern

Haben Sie gewusst, dass Schnee in Tat und Wahrheit eine Materie namens “Pamaglutto” ist, die von den Lichtwesen des Planeten “Orx” mit dem Transporter “Gugi Garlamba” alljährlich zur Erde verfrachtet und hier feinsäuberlich verteilt wird? Und dass ein akuter Mangel an Pamaglutto-Rohmaterial (“Oxoli” genannt) letztes Jahr den schneearmen Winter in den Alpen verursacht hat?

Nein? Wieso steht davon nichts in den Lehrmitteln des Berner Schulverlages?

Das ist schlimm! Immerhin ist in einem neuen Lehrmittel dieses Verlages auch eine andere amüsante Erfindung prominent erwähnt: Die biblische Schöpfungsgeschichte. Sie wird mit Darwins Evolutionstheorie verglichen.

Die Diskussion ist eigentlich absurd: Die Worte “Bibel” oder “Gott” haben in einem Biologiebuch nichts verloren. Was ist das für eine verfehlte Verneigung gegenüber dem Aberglauben, dass man glaubt, nette Märchen in offiziellen Lehrmitteln abdrucken zu müssen? Mit dem gleichen Recht verlange ich, dass endlich die Lichtwesen von Orx – die uns immerhin Pamaglutto in Form von Schnee bringen, der die Grundlage des Wintertourismus ist – gebührend ihren Niederschlag im Unterricht finden.

Wer käme auf die Idee, in einem Lehrmittel über Religionen zu schreiben, dass die Existenz übersinnlicher Wesen wissenschaftlich nicht erwiesen und die Wahrscheinlichkeit sehr gross ist, dass es keine Götter gibt? Wäre irgendwie genau so daneben. Passt nicht dahin.

Christus der Dummkopf: Anhänger von Richard Dawkins an der Mäss? (Oktober 2007)Gut – dieser verkappte Anhänger von Richard Dawkins an der Basler Herbstmesse übertreibts ein wenig… die biblische Schöpfungsgeschichte hat gewissermassen als Teil der Volkskultur sicher ihre Berechtigung – wie “Hänsel und Gretel” oder “Rotkäppchen” auch. Basiswissen rund um Religionen soll im Unterricht vermittelt werden. Aber was soll diese Vermischung von religiösem Schmus und Wissenschaft?

Gegen geistesgestörte Kreationisten-Fanatiker hilft nur etwas: Ihre seltsamen Machenschaften aufdecken, wie es die “NZZ am Sonntag” begann – und sie von jeglichen Stellen freihalten, die es ihnen ermöglichen, ihren Mist breit zu streuen.

6 Kommentare

  1. Nachdem die Lichtwesen von Orx in den Bergen viel Pulver-Pamaglutto abgeladen haben, haben evangelikale Fundis auch viel primitive Schmähpost bei Regierungsrat Pulver abgeladen: Einmal mehr ein Beweis, dass irgend jemand diese gefährlichen Jungs und Mädels kontrollieren muss. Gegen Rassismus gibt es in der Schweiz Gesetze – gegen irre Evangelikale und ihre Aussagen noch nicht.

    Wieso nicht? Wieso herrscht in der Schweiz ein Klima, das es Bibeltreuen erlaubt, z.B. ungehindert zig Leserbriefe zu schreiben, in denen sie allen Ernstes die Schöpfungsgeschichte als valable Alternative vorschlagen und WissenschaftlerInnen in die Ecke der ErfinderInnen stellen? Dummheit allenthalben. Oder Verblendung? Naivität? Zum Glück gibts Patrick Imhasly und This Wachter, die im “Bund” vom 9. November Klartext sprechen.

    Wo liegt das Problem? Schliesslich hat man den Kindern immer schon erzählt, dass der liebe Gott es war, der die Welt erschaffen hat, und trotzdem haben wohl die meisten unter uns kein Problem damit, die Evolutionstheorie als Erklärung für die Entstehung des Lebens und der Vielfalt der Arten anzuerkennen. Allerdings: Solche Vorstellungen sind früher im Religionsunterricht vermittelt worden – genau dort gehören sie auch hin und nicht in ein Lehrmittel, das den Schülern das Verhältnis vom Menschen zur Natur näher bringen will.

    «Schöpfung ist ein Mythos» , hat der Berner Physiker und Philosoph Eduard Kaeser vor ein paar Jahren im «Kleinen Bund» geschrieben. Die Kreationisten – und insbesondere die Anhänger des intelligenten Designs – haben noch nie ein Forschungsprogramm auf die Beine gestellt oder Prognosen gemacht, die sich wissenschaftlich überprüfen liessen. Die Evolutionsbiologen hingegen produzieren seit 150 Jahren ständig Hypothesen, deren Vorhersagen sich meistens als richtig erwiesen haben.

    In Tat und Wahrheit geht es den Kreationisten nicht darum, die «Schöpfungstheorie» als Denk-Möglichkeit gleich zu behandeln wie die Evolutionstheorie. Was sie anstreben, ist, die Grenze zwischen Wissenschaft und Religion aufzuheben. Das kommt einem intellektuellen Rückfall ins Mittelalter gleich. Denn die Idee des göttlichen Designs ist, wie Kaeser schreibt «vormodern, voraufklärerisch. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Tradition der natürlichen Religion.» Damals versuchten die Theologen, den Glauben nicht nur durch Offenbarungen, sondern auch durch wissenschaftliche Entdeckungen zu stützen.

    Vereine wie Pro Genesis mögen zwar breite Resonanz in freikirchlichen Kreisen und gar Einfluss bis ins Bundesparlament haben (der Berner EVP-Nationalrat Walter Donzé sitzt im Patronatskomitee von Pro Genesis), doch die Lobby wäre zu schwach, fielen ihre Forderungen nicht auf den fruchtbaren Boden des Zeitgeistes. In falsch verstandener Toleranz spriessen darauf alle Weltanschauungen nebeneinander. Die wissenschaftliche Methodik wird zur Option unter vielen, ihr Bezug zur Aufklärung als Emanzipation der Vernunft geht vergessen. Die Gesellschaft entfremdet sich von der Wissenschaft. Ideen, Überzeugungen, Glaube, Wissen vermischen sich zu einem unscharfen Argumentationsknäuel. Wissenschaft wird als Religion ewig gestriger – wissenschaftsgläubiger – Rationalisten diskreditiert. Klar, dass sich diese Haltung auch in der Schule niederschlägt.

    (…) Wenn man die Argumentation der grundsätzlichen Wissenschaftskritiker weiterdreht, gibt es keinen Grund, in der Schule nicht auch Astrologie, Homöopathie, Grafologie oder Magie zu unterrichten. Im wertfreien Fächerkanon könnten die Kinder und Jugendlichen dann das aussuchen, was ihnen Spass macht oder einleuchtet.

    Zum Beispiel die Lichtwesen von Orx! Ist doch ne schöne Geschichte – ab in die Schulbücher, bitteeeeee…. stimmt, im Fall! Echt!

    Einmal mehr frage ich mich, warum Religion und Staat nicht endlich sauber getrennt werden und wieso der Staat immer noch Steuern für undemokratische Organisationen einkassiert, die irgendwelche Erfindungen in die Welt setzen und grosse Teile der Menschheit damit erfolgreich indoktrinieren.

    Wenn man solche erschreckenden Aussagen eines Bischofs liest, fragt man sich, ob man zumindest die katholische Kirche nicht gleich verbieten will.

  2. Bischof Koch macht heute munter weiter und liefert einen aus der beliebten Reihe “Jetzt spinnt er!”: “Ich muss diesen Gerichtsentscheid als für mich und meine kirchliche Verantwortung irrelevant und mich in keiner Weise bindend zurückweisen.” – Der Tagi sagt dazu, er “drohe” mit der Trennung von Kirche und Staat.

    Was heisst da “Drohung”? Wie mehrfach erwähnt: Dafür ist es höchste Zeit – zumal damit auch die Selbstauflösung der katholischen Kirche beschleunigt würde. Perfekt! Eine Organisation, die dermassen auf Demokratie pfeift, müsste ohnehin schon lange vom Staat tüchtig gerüffelt worden sein (stattessen werden weiterhin fröhlich Steuern für diese weltfremden Aberglaubenjungs eingezogen).

    Und wenn der Rüffel dazu führt, dass man den Staat als Autoriät noch schärfer in Frage stellt als Faschos und Autonome, ists höchste Zeit, dass der Staat einen Riegel schiebt.

    Weitere Aussagen Kochs gefällig? Aus dem Tagi: “Er könne nicht akzeptieren, dass ein staatliches Gericht das Recht habe, sich in derart gravierender Weise in kirchliche Angelegenheiten einzumischen.”

    Yeah – weiter so, Herr Bischof… Sie geben sich endgültig der Lächerlichkeit preis. Danke, danke, danke!

    Halt – es geht noch weiter! “Besonders scharf rügt Koch die Feststellung des Gerichts, Sabo habe den innerkirchlichen Rechtsweg nicht beschreiten müssen, weil dieser den Anforderungen eines Rechtstaates nicht genüge. «Angesichts dieses totalen Affronts des Kantonsgerichts Basel-Landschaft habe ich mich verpflichtet gefühlt, den Apostolischen Stuhl in Rom über diese öffentliche Disqualifizierung seiner Rechtsordnung zu informieren», schreibt der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz.”

    Katholiken? Rechtsordnung? Höö?

    “Es gehe keinesfalls an, dass der Staat für sich eine Oberaufsicht über die Kirche beanspruche.” – Ja was denn… ach so, dann darf ich also auch für mich beanspruchen, dass ich mal ein wenig mache, was ich will, auch wenns dem Staat nicht passt. Cool! Dann fahre ich ab sofort schwarz, gebe mein GA zurück und berufe mich auf meine Geschichte als Bahnfahrer und Verteidiger dieser umeltfreundlichen Fortbewegungsart. Yeah!

    Also, Herr Koch: Koffer packen und nach Rom auswandern. Ich war diesen Herbst im Petersdom, ist recht imposant, wird Ihnen gefallen, ehrlich. Tschüss!

    (Wer das lieber etwas gemässigter hat, lese den Tagi-Kommentar.)

  3. Lass den Kreationismus mal beiseite. Die Evolutionstheorie klingt zwar sehr plausibel und viele Indizien weisen darauf hin, dass es so gelaufen sein könnte. Ganz wesentliche Kernpunkte sind aber bis heute(!) nicht beweisbar. Ganze Evolutionsschritte, die eigentlich da sein müssten (vom Wasser auf’s Land), lassen sich nicht beweisen. Wir haben Beweise von ganz am Anfang und dann plötzlich von einer viel späteren Stufe. Und dazwischen? Ich denke mal, die sind nicht mit dem Gugi Garlamba unterwegs gewesen. Der olle Darwin war sich an seinem Lebensende übrigens gar nicht mehr so sicher, was er da so verzapft hat. Und jene, die nach ihm gekommen sind, haben da noch eine Menge Arbeit vor sich.

  4. Du bist mir ja ein kleiner Wissenschaftler, Du… wer allen ernstes die Evolutionstheorie in wesentlichen Punkten in Frage stellt, hat schlicht und ergreifend irgendwo einige Schrauben locker, das ist das einzige Faktum, das mir dazu einfällt.

    Natürlich liegt noch einiges an Arbeit vor uns. Das wird so sein, so lange es Menschen gibt. Aber woher all die uralten Dinge im Boden kommen, die u.a. die Zwischenschritte dokumentieren – dazu fällt Evolutionskritikern sicher auch irgend ein süsses Märchen ein…

    Und NEIN, bitte verschon mich nun mit Links zu “wissenschaftlichen” Websites, die uns was anderes weismachen wollen.

  5. Ich bin in der Ausbildung zur Lehrerin und ich muss gerade einen Leistungsnachweis in der Form einer Stundenpräperation zum Thema Christentum vorbereiten. Wahnsinn, dass ich all diesen Quatsch, der in der Bibel steht nur schon selbst lesen soll, geschweige denn meinen zukünftigen Schülern vermitteln müsste!!!!!!
    Aber gleich noch eine schlechte Nachricht: etwa ein viertel meiner Studienkollegiennen an der Pädagogischen Hochschule sind felsenfest der Überzeugung, dass die Entstehung der Erde in 7 Tagen von statten ging!!!! Freikirchenvolk… Was vermitteln diese wohl einmal ihren Schülern….
    Die Wissenschaft forscht wohl im Blauen und erfindet jeden Tag Neues, um die Menschen zu veräppeln, oder????

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