200 Tage iPad: Erfahrungen, Tipps, Tricks, Datenabo

Das Leben des Online-Nomaden hat sich seit Ende April verändert: Das Notebook ist kaum mehr je im Rucksack, auch wenns nur 1.3kg wiegt. Tagesschaugucken geht neu auch beim Kochen ganz einfach. Zeitunglesen im öV ist auf einem Tablet wesentlich einfacher als auf Papier.

Kundenmails sind schneller beantwortet. Interessante Doksendungen kann man auch im Garten oder im Bett bequem noch nach Monaten nachgucken. Zudem ertappe ich mich öfters beim Mulitasken, z.B. beim Besurfen des Wikipedia-Eintrages eines Spielfilms noch während der Film läuft.

Tablets? – Am Anfang dachte der Blöker wie so oft: “Unnütz, dieses Zwischendingsformat.” Inzwischen schätzt er sein iPad2 ungemein.

Was gibts sonst aus den ersten 200 Tablet-Tagen des Lebens zu berichten?

Unangenehm sind vermehrte Schmerzen im Unterarm, die von den vielen Swipe-Bewegungen kommen und an einen Tennisarm oder eine Sehnenscheidenentzündung erinnern. Vielleicht gibts ja bald einen IDC-10-Code M65.10 für “Swipe-Arm”, “Tabletitis” oder “iPad-Syndrom”. Gegenmittel: Auch mal mit dem ganzen Arm “aus der Schulter heraus” swipen.

Die zu geringe maximale Lautstärke für den Kopfhöreranschluss ist ein Witz, auch wenn sie mit iOS5 5 leicht verbessert wurde. Aber ein vergnüglicher Musikgenuss ist das nicht angesichts des Minipfupfs, der da aus der Jack-Buchse kommt. Ein Jailbreak würde da helfen.

Über die Autokorrektur, deren Einträge man nicht einmal selbst bearbeiten kann, zuviel Zeilen zu vergeuden, ist sinnlos: Sie taugt bestenfalls für Humorwebsites und ist drum längst abgeschaltet.

Schön wären etwas mehr Schalter für klassische Alltagssituationen wie “Mobile Daten an / WLAN aus” oder “Flugmodus on-off”. Oder als Minimalvariante müsste man solcherlei im Homescreen ablegen können. Immer wieder in die Einstellungen runter zu gehen, ist mühsam. Edit 16.11.11: Das mit der Homescreen-Ablage klappt!

Browser und Apps

Safari ist auch mit iOS 5 nicht viel besser geworden. Doch die CHF 2.20 für “iCab mobile” waren das allerbeste je ausgegebene App-Geld! DAS ist ein Browser. Speichert alle Arten von Passwörtern, unterstützt seit Beginn an Tabs, bietet aller nur erdenklicken Sonderfunktionen in den Settings und kann mit eigenen Gesten ausgestattet werden, z.B. gehts bei mir mit einem Zwei-Finger-Tippen zurück, mit drei vorwärts – so macht Surfen Spass!

Andere zwingende Apps aus meiner bescheidenen Sicht: GoodReader (PDFs luxuriös lesen / Dokumente, Bilder und Filme ohne iTunes aufs iPad bringen), SF, Radio DRS, Zattoo HD, Opera Mini, SBB Mobile, NZZ ePaper, TripAdvisor, GPS-Tracks (Landeskarten 1:25’000 gratis!), OffMaps und zum Spielen Georific und Airport Madness.

Im Liegen und Sitzen

Fast unmöglich ist vernünftiges iPaddeln im Bett – hier fehlt ein Ständer, in den man das iPad reinklicken und auch mal nach unten klappen kann, wenn man im Bett liegt, “Tablet über Kopf” sozusagen. Hier ist mir diese Tablet-Halterung samt Schwenkarm im Katalog eines Onlinehändlers aufgefallen. Anfangs dachte ich daran, einen Radiostudio-Mikrofonständer mit einem iPad-Halter zu kombinieren, allerdings wars eine Frage der Zeit, bis jemand ein Produkt gegen die brennenden Arme oder klamme Finger bei der Tablet-Benutzung im Sitzen oder Liegen auf den Markt bringen würde.

Datenabo

Beim Datenabo habe ich mich für ein Sunrise-Prepay-Angebot entschieden, das eigentlich gratis ist, für 7.50 im Monat (Option “surf”) gibts aber 250MB dazu. Es hat sich erwiesen, dass das für die sporadischen Momente ohne WLAN bei weitem genügt. Selbst ohne Komprimierung (z.B. vie Opera Mini) komme ich kaum je auf über 200 MB monatlich.

Bei Swisscom gibts für die gelegentliche Nutzung “Natel data easy flex“: 300 MB für 19 Franken, nutzbar innert eines Monates. Das ist viel teurer als bei Sunrise, die Swisscom bietet aber die bessere UMTS-Netzabdeckung, was zentral ist – iPad-Surfen übers GSM-Netz (EDGE) ist wahnsinnig langsam.

Auf dem Sunrise-Netz wechselt selbst auf der Paradebahnstrecke zwischen Bern und Zürich das iPad ständig zwischen 3G (UMTS) und E (GSM/EDGE) hin und her; oftmals hat man nur schleppend langsamen oder gar keinen Datenempfang.

Zweite SIM-Karte oder Tethering?

Leider ist es bei keinem Mobilanbieter möglich, eine zweite SIM-Karte für Tablets zu lösen, die auf die selbe Nummer lautet – so könnte man von allfälligen Datenflatrates profitieren. Zwei Karten auf die selbe Nummer können aber nicht parallel im Netz sein, was die entsprechenden Angebote für die meisten TablettiererInnen verunmöglicht.

Es gibt aber natürlich den WLAN-Trick: Sunrise hat empfohlen, ein Smartphone als Tethering-Gerät zu benützen und so ins mobile Datennetz zu gelangen. Dann wäre auch das “Anbrauchen” einer Daten-Flatrate des Haupt-Mobilfunk-Abonnementes möglich. Die Funktion heisst beim iPhone “persönlicher Hotspot“.

Allerdings schliesst Sunrise die Verwendung auf diese Weise in den AGB gleich selbst aus: “Mobiles Internet mit einem Mobilabo oder einer Zusatzoption ist auf Datenverbindungen ohne VoIP mit einem einzigen Mobiltelefon beschränkt ohne Nutzung mit daran angeschlossenen Geräten, Modems oder Geräten mit eingebautem Modem.”

Der Anbieter schreibt JacoBlök dazu: “Sunrise hat diese Einschränkung vorgenommen, da sie die Qualität beim Tethering nicht gewährleisten kann: Tethering wird den Sunrise Kunden nicht empfohlen.”

Das tönt nach Ausrede – es geht wohl eher um die Angst, dass alle über Skype, Facetime, Viber & Co. telefonieren statt übers Sunrise-Netz.

Aber: Viele Menschen sind (vorerst noch) konservativ und wählen lieber eine Nummer auf dem Handy anstatt eine App zu starten und zu gucken, ob das Gegenüber online ist. Das Ziel der meisten KundInnen ist es, Informationen aus dem Internet über ihr offiziell gelöstes Datenabo abzurufen und nicht stundenlang Video zu gucken oder zu Facetimen.

Für Sunrise ist es daher unerheblich, ob dies über das Gerät mit der SIM-Karte geschieht oder über ein damit drahtlos verbundenes Zweitgerät, mit dem der Abruf der gesuchten Information einfach bequemer ist; die geladene Datenmenge z.B. einer einzelnen Website bleibt genau die selbe, und der Abruf geschieht im Rahmen einer abonnierten und somit bezahlten Datenmenge.

Sunrise tut bei “Extremsurfern” ja auch das einzig richtige: “Bei Kunden, welche die verfügbare Flatrate missbrauchen, reduziert Sunrise die Bandbreite. Sunrise will so verhindern, dass eine sehr kleine Minderheit von äusserst aktiven Surfern die Bandbreite für sich monopolisiert und damit das Surfen für andere Kunden verlangsamt. 2 GB pro Monat ist für den Internet-Zugang übers Handy eine grosse Datenmenge. Sie kann praktisch nur mit andauernd hohem Konsum von Multimedia-Inhalten erreicht werden oder allenfalls mit einer extrem intensiven gewerblichen Nutzung.”

Wieso also der kundenunfreundliche Passus in den AGB? – Egal! Die frohe Kunde, die erst auf Nachhaken hin mitgeteilt wird, lautet: Sunrise plane weder jetzt oder in Zukunft, das Tethering technisch zu unterbinden.

5 Kommentare

  1. Kann die Sunriselösung für 7.50/250 MB auch empfehlen. Ist auch heute noch die günstigste Option für Leute, welche wenig surfen. Von wegen Lesen im Bett: Dazu kann ich den Tablet Halter (siehe Webseite) empfehlen. Damit kann man auch prima im Liegen lesen (vorausgesetzt man kann ihn z.B. am Nachttischchen befestigen) und Filme schauen ohne dass man das iPad halten muss. Dann fehlt eigentlich nur noch eine Fernbedienung um die Seiten umzublättern 🙂

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