21.04.2012

Wo bleibt René Schmieds Gewissen?

“Bund”-Schlagzeile von gestern:

Bernmobil-Direktor René Schmied war auf dem Absprung. Dank 12 Prozent mehr Lohn bleibt er in Bern. Dafür öffnet sich die Lohnschere bei den Topkadern der Stadt. Die Politik ist machtlos.

Laut dem Artikel verdiente Schmied knapp 245’000 Franken, rund 26’000 Franken mehr als im Vorjahr.

Besitzt René Schmied so etwas wie ein Gewissen? Macht er seinen Job wirklich gern und mit Herzblut oder geht es ihm einfach um soviel Kohle wie möglich?

245’000 im Jahr sind rund 20’400 im Monat – ob Brutto oder Netto, ob durch 12 oder 13 spielt gar keine Rolle: Es ist schlicht astronomisch viel. 245’000 Franken wären für mich DER Lottogewinn, ich wäre für Jahre saniert. Und der bekommt das JEDES Jahr!

Hallo?!

Meine bestbezahlten Freundinnen und Freunde verdienen so um die 10’000 monatlich. Ich habe schon bei diesem Betrag keine Ahnung, was ich mit so viel Geld machen würde. Von mir aus ist alles, was über 12’000 im Monat ist, vollkommen überrissen und durch nichts zu rechtfertigen. Das ist etwa die Grenze, was ich für einen erfolgreichen Wahnsinns-Chrampfer oder eine topmotivierte Arbeiterin mit Superergebnissen als oberste angemessene Grenze sehe – egal ob auf einem Kaderposten oder als schwitzender Büezer auf einer Baustelle.

Da kommt also René Schmied schon mit einem Wahnsinns-Zapfen daherspaziert, erhält offenbar “ein sehr attraktives Angebot” eines “Unternehmens aus der Verkehrsbranche”, was Bernmobil-Verwaltungsrat und Gemeinderat veranlasst, noch 12 Prozent drauf zu geben anstatt Charakter und Motivation des Direktors ernsthaft zu hinterfragen.

“Branchenüblicher Schnitt” sei das.
Sind die eigentlich völlig von Sinnen?

Eine Ohrfeige ins Gesicht jeder ehrlichen Arbeiterin, jedes motivierten Angestellten, der halbwegs einen Bezug dazu hat, mit wie viel Geld die meisten Menschen sich ein gutes Leben zu schaffen versuchen. Schämen sollte sich Herr Schmied ob seiner Frechheit.

Schon bei Gemeinderats-Lohndiskussionen lüpfte es mir regelmässig den Hut: Man bekomme halt nicht die fähigsten Top-Leute, wenn man keine so hohen Saläre zahlen könne, sagt man dann achselzuckend.

Völlig irr.

Holt verdammt nochmal Leute, denen nicht die Dollarzeichen in den Augen leuchten wie Dagobert Duck, sondern die ihren Job darum machen, weil sie ihn lieben, weil sie etwas können und weil sie sich mit ganzer Kraft einsetzen – und denen es Wurscht ist, ob sie Ende Monat 9000 oder 22’000 auf der Lohnabrechnung stehen haben.

Schmied wollte gehen?
Lasst ihn ziehen!

Offenbar verdient er lieber etwas mehr als dass er mit ganzem Herzen bei seiner Stelle in Bern bleibt. Angeblich mache er einen guten Job – schön, das freut mich als öV-Benutzer. Doch einer, der schon fast 20’000 monatlich aufs Konto bekommt und nur bleibt, wenn er NOCH mehr bekommt, ist schlicht und ergreifend nicht genug motiviert.

Egal ob er einen guten Job macht: Einen CEO mit dieser Attitüde würde ich als VR-Mitglied hochkant rausschmeissen.

Find’ ich gut. (16 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

[…] Vorlage über die Erhöhung der Gehälter in der Stadt Bern nur so viel: Was für René Schmied gilt, trifft selbstverständlich auch für Poltikerinnen, Politiker und Verwaltungsangestellte […]

[…] Wo bleibt René Schmieds Gewissen? – weil mich die Dollarzeichen-in-den-Augen-Attitüde vieler Führungskräfte nervt. Und weil es ärgerlich ist, dass viele Linke sie auch noch unterstützen. […]

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