8.02.2010

MGB: Unfähig, den Fahrplan einzuhalten

Offenbar ist die Matterhorn Gotthard Bahn tatsächlich nicht in der Lage, den Fahrplan einzuhalten. Langsam werden die Zustände cisalpinomässig. Auf die MGB ist kein Verlass – am besten plant man für die Reise mindestens eine Stunde zusätzlich ein oder verbringt seine Ferien dort, wo man nicht auf die MGB angewiesen ist.

Wir haben im Dezember schon berichtet, was Reisende besonders im Winter längst als Dauer-Übel kennen: Die MGB-Züge sind auch bei gutem Wetter notorisch verspätet, der Kundendienst ist teils grottenschlecht.

Auch gestern Sonntag wieder: Der 12.31-Zug Sedrun-Andermatt hatte bereits 12 Minuten Abgangsverspätung. In Andermatt angekommen, war der Zug nach Brig weg… das heisst dann über 5 Stunden Reise anstatt 4 Stunden und 19 Minuten. Und auch hier wieder – keine Infos im Bahnhof Andermatt, keine Entschuldigung.

Wie wäre es langsam aber sicher mit Sorry-Gutscheinen nach Anschlussbrüchen? Vermutlich tut die MGB das nicht, da sie sonst schnell pleite wäre. Das kann aber nicht der einzige Grund sein; offenbar gab es nicht einmal nach dem Lawinenunfall vom Dezember am Oberalppass irgendwelche Gutscheine (hoffentlich wenigstens im Nachhinein).

Warum gibts in den Stosszeiten (Weihnachtstage, Februar) kein Zusatzpersonal an den Bahnhöfen, das die zugegebenermassen auch manchmal etwas lahmen Leute etwas schneller ein- und aussteigen lässt? Ein paar höfliche, aber bestimmte Rufe „bitte beeilen Sie sich, wir verpassen sonst den Anschluss“ wären motivierend. Aber eben, wenn man’s lieber gemütlich nimmt…

Offensichtlich hat sich die MGB mit dem aktuellen Fahplan übernommen; er ist insbesondere in der Hochsaison schlicht nicht einzuhalten. „Normalsterblichen“ wäre schon gedient, wenn das Unternehmen in der Hochsaison ein paar „Glacier-Express“-Züge weniger fahren lassen würde, sodass etwas weniger oft gekreuzt werden muss. So entgehen der MGB zwar womöglich ein paar vermögende Gäste von irgendwo, aber wenigstens hat die Stammkundschaft endlich etwas weniger Ärger beim Reisen.

Ich kann die hier mitlesenden Journalistinnen und Journalisten nur bitten, das Thema nächstens einmal aufzunehmen – denn wenn die MGB so weiter vor sich hin bastelt, suchen sich manche auf einen funktionierenden öV angewiesene Feriengäste bald einmal andere Feriengegenden, wo die Züge pünktlich fahren.

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Kommentare

Nun, wir mussten gestern an der Haltestelle Schwarzwasserbrücke auch sehr lange auf den Zug von Schwarzenburg nach Köniz warten, aber die Information war perfekt. Klare Lautsprecherstimme, klare Begründung (Ausfall des Zuges wegen Lokomotivschaden).

Ja, das könnte man von der MGB auch erwarten – da hab ich aber ausser den Standardansagen ab Band noch nie was gehört, das nach Bedauern o.ä. klingen würde. Heute wieder: Der Zug 15.31 ab Sedrun hatte 15 Minuten Verspätung, bei schönstem Wetter…

Wie wäre es langsam aber sicher mit Sorry-Gutscheinen nach Anschussbrüchen?

ANSCHUSSBRUECHEN? wird jetzt schon geschossen auf die Reisenden? und dann gäbs ja keine Brüche, sondern Wunden… dann müsste es doch Anschuss-Wunden heissen…

ei ei ei

Au Backe. Danke. Ist korrigiert.

Hatte wohl zuviel Schokolande. Womöglich müsste ich auch mal eine Frau ausrauchen, um zu neuen orthographischen Kräften zu kommen.

[…] die MGB hatte abends für die Rückfahrt nach Bern natürlich wieder Verspätung. Bekommt die Matterhorn Gotthard Bahn amänd einen Bonus für möglichst kreative […]

Ich bin erschüttert ! Ich dachte, Verspätungen gibt es nur bei der Deutschen Bahn ! ))
Grüsse in die schöne Schweiz, bin bald wieder da !

Seit dem Januar hat sich leider nichts verbessert. Iim Gegenteil. Hier einige Erlebnisse der letzten Wochen.

Ich hatte gestern zwischen Disentis und Chur – nach erneuten 20 Minuten Verspätung auf einem MGB-Zug – ein interessantes Gespräch mit einem RhB-Zugbegleiter. Ich fragte ihn, wieviel der MGB-Züge aus Andermatt denn auf seinen Touren Verspätung hätten.

Seine Antwort lässt tief Blicken. Er schmunzelt, seufzt tief und sagt: „Offen und ehrlich: Alle. Hundert Prozent. Seit ich diese Tour fahre, war noch nie ein MGB-Zug pünktlich, wir müssen fahren deswegen fast immer mit einigen Minuten in Disentis Verspätung ab oder können den Zug nicht abwarten.“

Den RhB-Zug nach Chur erwischten wir übrigens nur knapp – der MGB-Zugbegleiter konnte uns auch erst im letzten Augenblick (zwischen Segnas und Acla) zusichern, dass der Zug warten würde… ansonsten wären wir eine Stunde in Disentis hängen geblieben.

Letzten Dienstag war ich auch mit der MGB unterwegs: Der Zug 14.17 ab Sedrun nach Disentis hatte 17 Minuten Verspätung, wie man hier sieht – bis zur Abfahrt dauerte es nochmals drei Minuten…

Mal ehrlich: Wir reden hier von über einer Viertelstunde, nicht von zwei, drei Minuten, was völlig akzeptabel wäre. Von meinen letzten zehn Fahrten waren neun verspätet, fünf über 15 Minuten und zwei so sehr, dass es zu Anschlussbrüchen kam.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es früher derart schlimm gewesen ist. Allerdings fuhren früher auch deutlich weniger Glaciers und es gab demnach weniger Kreuzungen… die MGB schrieb mir, die Glacier-Express-Züge seien eines der wichtigsten Angebote von MGB und RhB, und touristisch extrem wichtig.

Schön. Wenn die zusätzlichen Glaciers erst gefahren wären, wenn 4-5 Kreuzungsstellen zusätzlich zur Verfügung gestanden wären, hätte ich nichts gesagt. Aber das bestehende Schienennetz ist offenbar schlicht am, nein, über dem Anschlag.

Und dass Touristen, die einmal im Leben diese Fahrt machen, gegenüber GA-Besitzern und anderen Dauer-Nutzern bevorteilt werden, die sich gegen das Auto und für den öV entscheiden, das sehe ich nun wirklich nicht ein.

Es ist mühsam, wenn man zum Bahnhof stresst und dann fast jedesmal 10-20 Minuten wartet. Ein SMS-Dienst „heute nur 10 Minuten zu spät!“ wäre sehr praktisch. Dann könnte man sich wenigstens besser einrichten. Denn MGB-Züge ohne Verspätung scheint es schlicht nicht zu geben, ausser zu Randzeiten vielleicht?

Die Hochsaison ist jedenfalls vorbei, sowohl am Dienstag wie auch gestern war nicht allzuviel los. Die MGB ist also leider nicht nur, wie der Kundendienst in einer Antwort behauptete, an Hochsaisontagen zu spät unterwegs, sondern fast immer.

Das lässt doch schon tief blicken und ist ein ziemlicher Gegensatz zur Aussage „die MGB setzt alles dafür ein, dass sich die Situation verbessert und die Anschlüsse auch in der Hochsaison erreicht werden können.“

Und noch zu den unsäglichen Schikanen-Schranken in Andermatt…

… da behauptet die MGB in einem Mail, das müsse so sein, um die Einnahmen gegenüber den Bergbahnen nachweisen zu können. Wieso gibts denn in Sedrun keine solchen Schranken? Auch da müsste die MGB doch die Skipass-Einnahmen abrechnen. Wie wohl auf der anderen Seite des Passes der Anteil an der Gebühren berechnet wird?

Kleines Erlebnis dazu: Die in einem Mail vom Januar versprochene Verbesserung des Zutritts in Andermatt klappt in keiner Weise – das letzte Mal (vor etwa zwei Wochen) fuhr der Zug nach Disentis natürlich zu spät ein, der Glacier, der vorher fuhr, hatte (o Wunder!) 12 Minuten Verspätung (siehe Foto oben).

Anstatt dass die Zugbegleiterin umgehend nach Bereitstellung des Zuges das Schrankenhäuschen besetzte, machte sie zuerst alles andere – erst nach einer Nachfrage von mir bequemte sie sich, die Schranke zu öffnen (als Saisonkarteninhaber könnte ich an sich einfach passieren, das Kreuz ist aber unverständlicherweise zu…). Das macht bei -8 Grad keinen Spass.

Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die Zugbegleiter bei massiven Verspätungen sich vermehrt dafür einsetzen, dass alles etwas schneller geht.

Mit anderen Worten: Leider keine Besserung seit Januar, in keiner der kritisierten Sparten.

Die Glaciers sind nur eine faule Ausrede. Dass diese für den Tourismus wichtig sind ist klar, aber das hat mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun. Es ist allermeist schlichte Schlamperei! Das sieht man schon an der Arbeitsweise eines Teils des Personals. Auch die Glaciers bleiben oft stehen! Vielleicht müsste bei der MGB die Begriffe „Arbeitsmoral“ und „Flexibilität“ eingeführt werden und z. B. eine Kreuzung auch einfach einmal kurzfristig verlegt werden. Aber auch „Kreuzungen“ sind oft nur eine Ausrede.
(In der Schöllenen fahren übrigens keine Glaciers und auch dort schlampt’s. Da kann das Signal auf „grün“ sein, da wird vom Fahrer noch ein Brötchen gegessen oder draussen geschwätzt).

@RhB-Fan: Kannst du das belegen, bist du ev. vom Fach? Es wäre sicher vorteilhaft, wenn man mit handfesten „Beweisen“ (Zeiten, Zeugen, Fotos) käme.

Kreuzungen werden schon verlegt – das habe ich mehrfach erlebt, zB von Mompé nach Sedrun. Nur hat dann meistens der verspätete Zug danach noch mehr Verspätung, immerhin bleibt einer einigermassen pünktlich.

Ich kann es nicht belegen, da ich jeweils nichts festgehalten habe, sondern mich nur geärgert.
Und- ich bin nicht direkt „Eisenbähnler“, sondern nur Mathematiker …

Ich habe den Fahrplan der MGB natürlich nicht auf theoretische Richtigkeit (Konsistenz) geprüft. Aber rein logisch lässt sich trotzdem klar folgern:

1. Entweder ist der Fahrplan prinzipiell falsch, oder

2. Es wird geschlampt

Begründung:

Wenn die Züge regelmässig Verspätung haben [RhB-Disentis lässt z. B. grüssen] und dies wird z. B.(!) mit „Kreuzungen/Glacier usw.“ begründet, dann ist entweder der Fahrplan falsch (Kreuzungen müssten einberechnet sein), oder: es wird nicht zeitgerecht gefahren, also (meist) geschlampt (was denn sonst?).
Wenn ich die „Arbeitsmoral“ auf MGB Bahnhöfen (speziell Andermatt(!) oder auch etwa Göschenen) beobachte, neige ich zur Ansicht, dass das zweite der Fall ist.
Und wenn auch nur ein Zug „beschlampt“ würde, hätte es eben Folgen für viele andere Züge. Die MGB betreibt permanenten „Dienst nach Vorschrift“, bei anderen Unternehmen ist dies eine Vorstufe zum Streik.

Eine dritte Möglichkeit sind singuläre Ereignisse (Sturm, Lawinen), aber das fällt hier ausser betracht.

Das Grundproblem:
Die MGB „wirtschaftet“ in einer „geschützten Werkstatt mit Defizitgarantie, versteckt in den Alpen“ und ist zwangsläufig ein „Auffangbecken für viele Leute, die in der Privatwirtschaft durchfallen würden“. So gesehen ist sie wenigstens eine soziale Institution 😉

[…] und Einheimische entlang der MGB-Strecken wissen aber nicht erst seit diesem und diesem Beitrag: Das ist […]

Die MGB ist unbelehrbar – auch wenn sehr viele Menschen bei ihren Reisen mit dieser Gesellschaft immer das Gegenteil davon erlebe, erfrecht sich die MGB in einer Medienmitteilung zu schreiben: „Auch hat die Untersuchung mit Testfahrten gezeigt, dass die Fahrpläne eingehalten werden können und dass die Lokführer zu keinem Zeitpunkt angewiesen wurden, zu schnell zu fahren. Das Ausmass der Verspätungen auf dem Netz der Matterhorn Gotthard Bahn entspricht dem Durchschnitt der Schweizer Bahnen.“

Alle, die vor allem in der Hochsaison regelmässig mit der MGB fahren, können bestätigen, dass das nicht stimmt. Über die Festtage entsprach die „Rekordpünktlichkeit“ 6 Minuten Verspätung. Von rund 10 Fahrten mit der MGB war keine einzige pünktlich. Auf dem Oberalppass sieht man auch immer schön vom Skilift aus, wie pünktlich die Züge sind. Geschätzte 20% waren pünktlich, der Rest teils massiv verspätet.

Immerhin hat man den Eindruck, das Zugpersonal dränge die Passagiere etwas mehr zu raschem Einsteigen – man könnte aber noch sehr viel mehr tun.

Die unnötigen Gatter-Schikanen in Andermatt bestehen weiterhin.

Weiter schreibt die MGB: „Unmittelbare Massnahmen haben sich als Resultat aus der internen Aufarbeitung jedoch nicht als notwendig erwiesen.“ – Klar, es geht hier um das tragische Unglück. Aber als ganz gewöhnlicher Bahnbenützer fordere ich von der MGB einmal mehr, bis zum Bau von zusätzlichen Kreuzungsstellen massiv weniger Glacier-Express-Züge fahren zu lassen. Diese sind nämlich das grosse Problem, das zur Überlastung des Netzes führt.

Aber eben: Einheimische und Wochen- bzw. Tagestouristen sind der MGB offensichtlich egal – Hauptsache, man kann mit dem Glacier Express schön viel Geld verdienen und Leute beglücken, die vermutlich einmal im Leben die Schweiz besuchen. Die Alltagsgäste und regelmässigen ins Wallis und Graubünden Reisenden sind ja nicht so wichtig.

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