23.02.2009

Bankgeheimnis: Wozu Kriminelle schützen?

Kann mir bitte jemand erklären, was in aller Welt die Bankgeheimnisfreaks genau wollen? Unter dem Strich gehts ihnen doch darum, Leute zu schützen, die betrügen – im aktuellen UBS-Fall dem Staat mutmasslich Millionen entziehen, die sie ihm rechtmässig schulden würden, ergo: kriminell sind.

Wieso wollen rechtschaffene Vertreter sogenannt staatstragender Parteien illegale Machenschaften unterstützen? Verdächtig, verdächtig.

Sauber wärs, zu sagen: „Dieses schmutzige Geld wollen wir nicht.“ Gegenteilige Aussagen gemahnen fatal an die fröhliche Geschäftlimacherei im Zweiten Weltkrieg. Stattdessen aber werden wie wild Facebook-Gruppen gegründet, ein Sturm der Entrüstung fegt durchs Land, Bürgerliche laufen Amok… als ob die das je getan hätten, als es um lebenswichtigere Dinge ging. Welch ein Hohn.

Auch die Unterscheidung zwischen „Steuerbetrug“ und „Steuerhinterziehung“ erinnert an die Differenz zwischen „ein bisschen schwanger“ und „schwanger“.

Nehmen wir mal an, ich hätte – schön wärs – viel Geld, und ich würde das im Ausland „parkieren“ wollen. Wieso sollten denn die Berner Steuerbehörden nicht das Recht haben, den Stutz, den ich zu versteuern habe, genau unter die Lupe zu nehmen? Was ist daran so abstrus?

Selbstredend müsste genau abgeklärt werden, ob ich wirklich Dreck am Stecken habe. Was aber – nebenbei gesagt – irgendwie sehr wahrscheinlich ist, wenn ich das Geld *irgendwo* platziere statt bei der Bank um die Ecke. Wenn das aber partout seine Gründe hat, gilt natürlich die alte Maxime „wer nichts zu verbergen hat, soll auch nichts zu befürchten haben“.

Die Abschaffung dieses alten Geheimniskrämereizopfs nicht primär eine Frage der Gesetzgebung, sondern vorab der Ethik. Mögen Eichel, Steinbrück & Co. einen langen Atem haben.

Kommentare

Find ich auch. Die Unterscheidung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung ist völlig lächerlich und wird die nächsten Jahre nicht überleben.

Genau. Und wo waren die, die jetzt die Angriffe aufs Bankgeheimnis beklagen, als die nun derart beklagenswerten Bankchefs und deren Aktionäre Milliardengewinne scheffelten? Noch nicht lange her, da galt es schon beinahe als anrüchig, auch nur zu fragen, ob dabei alles mit rechten Dingen zugehe – es hätten sich ja dahinter irgenwelche längst widerlegten (linken, staatsgläubigen, sozialistischen…) Positionen verstecken können…

Und was meinte die ach so bemitleitenswerte Trauerfamilie der legalen Steuerhinterziehung in den Parteizentralen und den Kommentarspalten vor zwei Jahren als die Geschäftsberichte noch wunderbar glänzten?
Statt am Lack zu kratzen und zu fragen, woher die horrenden Gewinne kommen, wurden wir monatelang mit Lobpreisungen der Konjunktur und Scheindebatten über Managerlöhne unterhalten.
Da ist das aktuelle Erpressungsgejammer ja nur noch zum Lachen.

Und falls die Geschichte dazu führt, dass wir uns die Gürtel enger schnallen müssen: Unangenehm wäre es schon, aber nichts als recht.

„Die Schweiz das kleine Stachelschwein, das nehm`n wir auf dem Rückweg ein!“ Wann emanzipiert sich die Schweiz ?!?
Mit Vehemenz muss sich die schweizerische Regierung gegen jeglichen Druck aus Europa und USA wehren und die schweizerischen Banken mit allen nur erdenklichen Mitteln schützen.
Wieso immer klein beigeben und nicht mit Stolz allen zum Trotzt verkünden: „Der souveräne Staat Schweiz macht, in Rahmen unserer Rechtsbefindung, was er will!“
Die USA und die EU mögen wohl eine andere Weltanschauung haben, wir Schweizer haben unsere und müssen niemandem Rechenschaft ablegen. Die schweizerische Regierung müsste souverän antworten: “Je mehr ihr uns unter Druck setzt und bedroht, desto mehr werden wir unsere Banken schützen. Was können die USA schon machen? Oder wollen die Amerikaner im Zuge Ihrer Kolonisation nun auch die Schweiz bombardieren?
Man muss Mann genug sein und sich nicht erpressen lassen! Im Gegenteil!
Der Nutzen der ein einzelner aus dem Bankgeheimnis zieht, ist ihm alleine überlassen!
Ist ein Waffenhersteller ein Mörder? Nein!

@Daniele: So ein Humbug. Hier gehts nicht um Emanzipation (ohnehin das völlig krumme Wort in diesem Zusammenhang), sondern darum, Kriminelle effizient zur Rechenschaft zu ziehen.

Deine Reduit-Igelmentalität wäre vielleicht vor 60 Jahren gut angekommen. Heute ist sie nur noch lächerlich und saudumm. Zum Glück sterben aber solche Meinungen in den kommenden Jahren immer mehr aus – ganz automatisch.

Selbstredend sind Waffenhersteller indirekt auch Mörder. Wenn es diesen sinnlosen Industriezweig nicht gäbe, existierten automatisch auch keine Möglichkeiten, Leute möglichst einfach um die Ecke zu bringen. Mit einer Keule ist es sehr viel schwieriger als mit Streubomben oder einer Knarre.

Notabene hab ich immer gern geschossen, sei’s mit dem Luftgewehr oder auch dem Stgw 57 – und das erst noch gut. Nur: Es wäre vollkommen egal, wenn ich das nicht mehr tun könnte oder nie hätte nun können. Denn der Hauptweck der meisten Waffen ist und bleibt es, zu töten.

Lass uns nicht persönlich und gleich beleidigend sein.
Erster Punkt:
Meine Provokation mit dem Waffenhersteller, zeigt mir bei Deiner Antwort zum Teil, was Du für ein ‚Mensch‘ bist…

Wieso machen wir dann in der Schweiz nicht ein Gesetzt , das das Herstellen von Waffen in der Schweiz verbietet. Schliessen wir doch die Sig!
Wieso nur die Schweiz? Die ganze Welt sollte zusammen kommen und ein solches Gesetz verabschieden…wäre doch toll…dann gibts keine Mörder mehr…dann haben wir das Böse aus dieser Welt geschaffen…ganz einfach!

Das Instrument ist nicht etisch oder unetisch, sondern der was man damit machen will.

‚In dubio pro reo‘ … weil ich meine Bankdaten nicht öffentlich (automatischer Datentransfer) machen will, heisst das nicht, dass ich etwas Illegales mache! Etisch bzw. unetisch ist was ich aus dem Bankgeheimnis mache, nicht das Bankgeheimnis per se.

Zweiter Punkt:
Emanzipiert hat folgende Synonyme: selbständig,befreit,frei,eigenständig,
gleichberechtigt,unabhängig… und das genau meine ich!
Selbstständig/Eigenständig..und zwar:
nicht wie die ganze (vor allem angelsächsiche) Finanz-Welt einem ‚Trend‘ hinterher rennen, sondern entschlossen seinen eigenen Weg gehen.
Frei/Befreit… und zwar:
Stolz Schweizer zu sein und sich nicht dem Druck Dritter zu beugen.
Unabhängig… und zwar: Sich alter schweizerischen Tugenden (über 60 Jahre alt) wieder besinnen wie Präsizion,Fachwissen und Entschlossenheit!

Stelle dir vor die UBS hätte all dies gemacht, und nicht jedem angelsächsiche ‚Finanz-Trend‘ Hinterher gelaufen, Die UBS würde jetzt die Finanz-Welt dominieren! Die einzige Grossbank die noch felsenfest da steht!

So sieht es aus mein Lieber Blöker!

Als Lösung für den Finanzplatz Schweiz sehe ich nur eine Lösung:
Eine fundamentale Regel einhalten: Begebe dich nie in Situationen, in denen du dich erpressen lassen kannst:
Die UBS muss raus aus den USA! Und die Schweiz und die schweizerischen Banken müssen sich emanzipieren.

Jaja, so sieht es aus mein lieber Daniele… solche Leute wie du sind mir bestenfalls unheimlich, und ich erachte es als zwecklos, mit Menschen, die Nationalstolz, Abschottung und solchen Quark propagieren, weiter zu diskutieren.

Die Schweiz gibt im Falle des Bankgeheimnisses wieder mal ein dankbares Opfer in der internationalen Gemeinschaft ab.

Insofern bin ich der gleichen Meinung wie Blöker.

Warum soll eigentlich die Schweiz den Kopf hinhalten wenn fremde Staatsbürger (sehr wahrscheinlich auch eigene Staatsbürger, welche vehement das Bankgeheimnis verteidigen) ihr Land um erhebliche Geldwerte betrügen.

Es macht geradezu den Anschein, als ob die Banken etwas zu verbergen hätten so wie sie diesen alten Zopf verteidigen. Aber ich sage lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Ich glaube des Weiteren, dass das Geld dieser Steuerbetrüger (und -hinterzieher) etlichen Staaten sehr willkommen wäre um die serbelnde Konjunktur zu stützen.

Sollen doch die Leute die Suppe auslöffeln die sie uns eingebrockt haben. Die Banken.

[…] den aktuellen Diskussionen rund ums Bankgeheimnis (siehe auch hier) fällt vor allem eines auf: Offensichtlich haben vor allem Bürgerliche massiv Steuern […]

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