11.09.2008

Wieviel versteht der Tagi vom Internet?

Ich will keine x-te Debatte darüber vom Zaun reissen, wie böse oder nett Google ist. Diese Diskussionen werden – berechtigterweise – intensiv andernorts zur Genüge geführt. Aber das Beispiel, von dem hier hier die Rede sein soll, ist garantiert der falsche Ansatz: Offenbar hat ein Praktikant (oder so) beim Newsnetz den Auftrag erhalten, „etwas zu Google“ zu machen.

Die an sich gute Idee: Alternativen zu Google finden. Das ist dabei herausgekommen.

Cuil leide „noch an Kinderkrankheiten“, habe „aber Potenzial“. – Wer regelmässig mit Suchmaschinen arbeitet, weiss: Man kehrt am Schluss fast immer wieder zu Google zurück. Und dass Cuil vollkommen unbrauchbar ist, hat sich längst herumgesprochen.

Wer reist und Unterkünfte oder bestimmte Firmen sucht, schätzt Google Maps oder Google Earth immens – Datensammelwut sei Dank! Klick, klick… Distanz 5.7 Kilometer, Fahrzeit 18 Minuten, der nächste Bus fährt in 7 Minuten. Aha, so sieht das da aus – super. Open Street Map dagegen? Nett und unterstützenswert, aber noch mehr als in den Kinderschuhen. map.search.ch als gute Alternative für die Schweiz hingegen schon mal gehört?

Hotmail und Bluewin als Alternative zu GMail empfehlen? Uff.

Tipp: Für wenig Geld können sich alle eine eigene Domain reservieren und bei einem Hosting Provider unterbringen. Je nach Qualität kostet das total zwischen 40 und 150 Franken pro Jahr – nebst Mail und Website hat man auch noch einen schier unbegrenzten und überall verfügbaren Datenspeicher. Aber das weiss der Praktikant wohl nicht.

Mit Google kritisch umgehen ist völlig in Ordnung. Wie sich aber derzeit viele Medien in die ach so böse Firma verbeissen, ist oftmals irritierend; das hilft niemandem. Zentral ist imho: Google ist zunächst mal einfach verdammt gut und schnell in vielen Dingen. Die Dienste weisen eine hohe Qualität, Verfügbarkeit und Usability auf; Sicherheitslücken hat nicht nur Chrome, sondern schlicht jede webbasierte Anwendung. Wieviele Daten wer auswertet, muss diskutiert werden – das geschieht auch; wenn auch hier in den USA beispielsweise viel zu zahm.

Aber: Wer sonst könnte zum Beispiel ein für Recherchen extrem wertvolles und zeitsparendes Archiv aufbauen und Millionen von Zeitungsseiten scannen? Wer sorgt dafür, dass ich das seltene Buch aus der Bibliothek X online angucken kann?

Offenbar pennt die Konkurrenz – weshalb? Dem könnte man zum Beispiel auf den Grund gehen. Aber dann auch noch Hotmail als „Browser“ bezeichnen – mit Verlaub, uns allen passieren Fehler… aber „geits no?“ Mehrfach qualitativ minderwertige Dienste als Alternative empfehlen? Gelächter im Saal.

Und kann jemand sagen, was dieses Video (eine Ansammlung von ungeschnittenem Rohmaterial) genau soll? Können SchweizerInnen nun alle Japanisch?

„Die japanischen Behörden erklärten, das Beben der Stärke 7,0 habe sein Zentrum am Morgen vor der Ostküste der Insel Hokkaido gehabt.“ – Und dann ist es nach Westen gezogen? Schurnalismus oder wie?

Newsnetz: Nachsitzen.

Kommentare

nun nun nun… ich bin erfreut, dass der blöker auch endlich den inhalt des neuen tagi-portales unter die lupe nimmt. dass der tagi-online ein lausiges lektorat hat, haben die meisten mittlerweilen auch bemerkt (darunter verbuche ich den verschreiber hotmail == browser, denn unter dem kapitel browser ist alles richtig).

aber sein google-rehabilitierungs-blogbeitrag verkennt leider den grundgedanke hinter dem tagi-artikel: ein google-dienst für sich ist noch kein problem, problematisch ist nur die konzentration der dienste. daher ist es löblich, wenn der tagi auf email-alternativen hinweist (auch wenn sie hotmail oder bluewin heissen). google wird nur dann zum problem wenn man alle seine dienste so unkritisch verwendet wie dies der blöker zu tun scheint. erst dann liefert man google den persönlichen datenpool der nicht nur vom tagi als bedenklich eingestuft wird.

chrome wurde nicht wegen den ’sicherheitslücken‘ kritisiert, sondern weil es google erlaubt personalisierte web-bewegungsprofile jedes chrome nutzers zu erstellen. google gibt das unumwunden zu und will damit erreichen, dass man usern ‚personalisierte werbung‘ zustellen kann. ich nehme an, dies findet auch der betreiber eine ‚konsumblogs‘ nicht ganz so löblich?

Mein lieber sultan, bitte lesen:

Ich will keine x-te Debatte darüber vom Zaun reissen, wie böse oder nett Google ist. Diese Diskussionen werden – berechtigterweise – intensiv andernorts zur Genüge geführt.

Es geht hier nur um die Qualität der Berichterstattung. Hotmail ist bekanntermassen nicht benutzerfreundlich und löscht bei ausbleibenden Logins nach wenigen Monaten alle Mails – und Bluewin ist praktisch nur für Swisscom-Internetkunden verfügbar.

Also: Schlecht recherchiert – oder schlicht kein Fachwissen vorhanden. Ich würde auch nicht zur Geschichte des Ledersattels nur so schnell mal nen Text schreiben… weil ich davon schlicht keine Ahnung habe. Oder mir dann viel Zeit nehmen. Oder den Text von einer Fachperson gegenlesen lassen.

Aber wenn Du unbedingt auch noch eine Antwort darauf willst – zwischen „Werbung zustellen“ (=“mailen“, zum Beispiel) und „Werbung einblenden“ (meistens Textwerbung) ists ein himmelweiter Unterschied.

Solche Dinge können und sollen unbedingt diskutiert werden. Es bringt aber nichts, wenn hier im Kleinstrahmen die 159’921’665te Google-Kritik-Diskussion stattfindet.

Ich wollte vor allem sagen: Medienschaffende, die offenbar keine Ahnung vom Thema haben, sollten sich raushalten. Das Thema „Google“ ist zu heiss – da sollen bitte Profis ran, die sich fundiert dazu äussern, selbst wenns „nur“ um Alternativen geht.

Wenn aber jemand ernsthaft Hotmail oder Bluewin als Maildienste anpreist, dann glaub ich diesem Blatt sicher beim nächsten Google-Artikel nur noch die Hälfte.

Aber ist es denn so abwegig aufgrund des blog-eintrages eine inhaltliche diskussion führen zu wollen?

Ich sagte nur, dass ich es löblich fand, dass der tagi alternativen zu gmail anbot, weil eben genau diese unreflektierte monokultur des pudels kern ist. Dass er dabei bluewin / hotmail erwähnte muss nicht unbedingt von mangelnder kompetenz des autors zeugen (immerhin hat er das neue sunrise-mail nicht genannt, auch gratis, aber eben auch aus gugels-küche – das zeugt immerhin von gewissem know-how). Und wenn wir dabei sind: virtual earth wurde ebensowenig erwähnt wie mapquest: beide haben als routenplaner in den usa höhere marktanteile als google maps, stammen aber beide aus grossen kritisierbaren schmieden (msn und aol). Ich erkenne im tagi-artikel darum nicht gerade die ict-banausen story, aber immerhin der versuch otto-normaluser auf alternativen aufmerksam zu machen und so die gefahr der daten aggregation an einem ort zu minimieren.

Abwegig ist die Diskussion nicht, aber nicht sinnvoll an dieser Stelle.

Natürlich lässt es sich nicht vollkommen trennen (z.B. wegen der Relevanz des Google-Topics, das eigentlich gebietet, dass Profis ran sollten) – aber mir gings hier wirklich um die ICT-Banausen-Story… was es klar ist: Wer Hotmail als Browser bezeichnet, völlig unzulängliche Suchmaschinen anpreist, einen Mailsdienst empfiehlt, der lächerliche 100 MB Speicherplatz anbietet (und an anderer Stelle Agenturrohmaterial als Video anbietet oder Sätze mit Anfängerstilblüten verfasst bzw. unbesehen von der Agentur übernimmt), hat das Prädikat „Banause“ leider verdient. Sowas dürfte dem Tagi an sich nicht passieren.

Nichtsdestotrotz sei erwähnt, dass es überall Banausen gibt – der „Idaho Statesman“ bezeichnete (in einer Meldung des „New Work Times News Service“) letzte Woche Chrome als Suchmaschine…

Chrome als Suchmaschine...? (Aus dem Idaho Statesman)

Grundsätzlich ist es schade, dass nicht mehr Know How zu solch brisanten Themen vorhanden ist – oder dann eben nicht „eingekauft“ wird, nicht mal als Qualitätssicherung. Fachleute in diesem Bereich gibts nun echt genug!

Die merken dann auch, wo die wirklichen Gefahren von Google Maps liegen!

Aber lieber Blöker: der Idaho Statesman (schade kriegt man den Artikel nicht etwas grösser zu sehen um zu verstehen ob er sich tatsächlich verhauen hat) hat gar nicht so unrecht. Den Chrome hat schon so was wie eine Suchmaschine integriert. Wenn man Chrome installiert, stellt man fest, dass die typische Google-Suchmaske fehlt. Es gibt nur noch das Eingabefeld für die URL (die ‚omnibox‘). Dieses Eingabefeld ist das Suchfeld für einige lustige Dinge (man könnte das tatsächlich ’smart features‘ nennen):

– Es wird die History durchsucht (kennt man von FF)
– Es wird Google durchsucht
– Die Omnibox merkt sich die interne Suchfunktion von besuchten Websites und berücksichtigt diese in ihren Resultaten ebenfalls

Ob sich das omnibox-Konzept durchsetzen wird, ist eine andere Frage, aber Chrome mutiert damit schon ein wenig zu Suchmaschine mit eingebauter Intelligenz.

Eine Referenz auf den Tagi-Artikel kann ich mir trotzdem nicht verkneifen: Cuil mag nicht über alle Zweifel erhaben sein, aber das Konzept hinter Cuil ist eben schon erwähnenswert. Und als Gegenkonzept zu Google taugt Cuil sehr wohl (hier hat der Tagi-Artikel recht):

– Cuil wurde von ehemaligen Google-Mitarbeiter gebaut
– Cuil baut auf einem semantischen Suchalgorithmus auf (funktioniert leider nicht immer zufriedenstellend, aber kann auch erstaunlich gute (qualitativ) Suchresultate präsentieren)
– Cuil sammelt explizit *keine* Profile übers Surfverhalten (ganz im Gegensatz zu Google, dort gehört das zum erklärten Geschäftsmodell).

Das der Blöker am Ende noch die wirklichen Gefahren von Google-Maps anhand eines spassigen Bildchens sieht, zeigt doch auch, dass die spannendste Diskussion auch am Blöker vorbeigdriftet ist: wer macht das Rennen in Sachen Datenschutz? Google wohl kaum, denn dort wird Datenschutz als eher lästige Pflicht angeschaut und so hat Google auch nur 1 (einen) Datenschutzbeauftragen (MS hat deren 40).

Nice try. Nochmals: Hier gehts im den Tagi-Artikel betreffend Alternativen. Wenn Du mich unbedingt an einem Scherz im Schlusssatz aufhängen willst – bitte.

Ich glaube, ich habe sehr wohl über die im Tagi-Artikel vorgestellten Alternativen geschrieben, habe ich nicht?

Ja, aber das spielt eigentlich keine Rolle, solange Cuil nicht brauchbare Resultate liefert.

Du kannst auch nicht einem SBB-Lokführer, der in 57 Minuten von BE nach ZH fahren will, eine Ae 4/7 vorsetzen und die wunderbaren Features dieser alten Kiste hervorheben (ich weiss, die Metapher ist nicht ganz korrekt, aber hier ists auch zwanzig vor vier morgens).

Der Lokführer will zuerst mal schnell von A nach B. Drum ist es völlig verfehlt, *Alltagssurfern* (nicht IT-Profis und Geeks!) Cuil als valable Alternative vorzuschlagen.

Immerhin haben die altgedienten Profis beim Tagi inzwischen erblickt, dass Cuil unbrauchbar ist… bei Walter Niederberger weiss man wenigstens, was man hat.

Schade, dass im neuen Newsnetz-Tagi Praktikanten-Anfängerfehler sich mit dem guten Stoff der Print-RedaktorInnen auf der selben Seite mischen. Fehler wie „Pendler Sitzplatzfrust“ (3.10.), „Fallschirmspringer stürzt auf Fussballfeld und tötet sich und zwei Jugendliche“ (wenn nur ein Jugendlicher gestorben ist; 3.10.), „Aeroflot Maschine stürzte auf Bahngleis“ (14.9.), „Alitalia- Mitarbeiter“ (13.9.) brauch ich einfach wirklich nicht.

Zieht die Praktikanten bitte von der Front ab oder führt eine Qualitätssicherung ein, die diesen Namen verdient, verd… ihr seid der Tagi, und nicht irgend ein Käseblatt!

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