Berner Vergleichsbilder 1925-2012

Vergleichsbilder im Abstand von einigen Jahren haben mich schon immer fasziniert, ob von Menschen oder Landschaften.

Gestern brachte der älteste Bewohner der Strasse anlässlich unseres Quartierfestes die Fotos mit, um die ich ihn vor einem Jahr gebeten hatte – wunderbare Zeugnisse dieser Berner Ecke aus den 1920er- und 1930er-Jahren, als er hier aufgewachsen ist. Dokumente aus dem Online-Burgerarchiv vervollständigen die Eindrücke.

Diesen Sonntagnachmittag verbrachte ich damit, jene Stellen ausfindig zu machen, wo die Fotos damals entstanden waren, und die heutige Entsprechung aufzunehmen.

Das war gar nicht so einfach; Neubauten und Bäume versperren oft die Sicht, und teils sind die Orte nicht mehr öffentlich zugänglich. In fremde Gärten eindringen wollte ich nicht – aber ich lernte auf der kleinen Tour zum Beispiel eine nette Familie kennen, die mich bereitwillig von ihrem Grundstück aus fotografieren liess. Danke auf diesem Weg!

Alle Bilder kann man mit einem Klick vergrössern.

Vergleichsfoto Bern 1925-2012, Knüslihubel vom Heckenweg aus (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Nichts ausser dem Elternhaus des Fotolieferanten erinnert mehr an die Szene aus dem Jahre 1925: Der vordere Teil des Knüslihubels, aufgenommen vom heutigen Zieglerspital-Fussgängerstreifen beim Heckenweg.

Vergleichsfoto Bern 1925-2012, Aussicht vom Knüslihubel übers Morillongut nach Bern (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Die Aussicht von ebendiesem Hause: Vor lauter Häusern und Bäumen sieht man heute nicht einmal mehr bis zur Gürbetal-Bahnlinie, die 1925 noch nicht elektrifiziert war.

Vergleichsfoto Bern ca. 1925-2012, Morillonstrasse/Bahnübergang (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Der Scan stammt aus einem Privatarchiv, dasselbe Bild existiert aber auch in der Burgerbibliothek und ist online verfügbar. Es trägt den Titel “Ulme beim Morillon-Gut. Morillonstrasse mit Blick nach Süden, im Hintergrund der Bahnübergang der Gürbetalbahn”. Kulturhistorisch interessant ist die wohl absichtlich aufgerauhte Strasse zu Beginn des 20. Jahrhunderts und rechts die Sprayereien. Ob der heutige Baum auch eine Ulme ist, entzieht sich meinen bescheidenen botanischen Kenntnissen.

Die Burgerbibliothek Bern legt nach dem Fund dieses Blogbeitrages Wert auf die Feststellung, dass die Bilder aus ihrem Online-Archivkatalog ausschliesslich über die Burgerbibliothek bezogen und nicht kommerziell verwendet werden dürfen. Der Autor dieses Beitrages möchte seinerseits bemerken, dass auf der Bildersuch-Resultate-Seite der Burgerbibliothek die folgenden Aussagen zu den hier verwendeten Bildern standen: “Erforderliche Bewilligung: Keine, Physische Benützbarkeit: Uneingeschränkt, Zugänglichkeit: Öffentlich”.

Vergleichsfoto Bern 1925-2012, Knüslihubel von der Bellevuestrasse aus gesehen (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Für das heutige Bild durfte ich spontan auf ein Privatgrundstück vorstossen – leider merkte ich erst daheim, dass ich mich etwa 100m zu weit rechts befand. An sich müsste die Hasenmatt im Jura viel weiter links sein. Aber immerhin sieht man oben den höchsten Punkt der Gletschermoräne des Knüslihubels noch kahl als Gemüsegarten, dahinter ein heute noch stehendes Dreifamilienhaus, das aber inzwischen von u.a. der höchsten Tanne des Quartiers verdeckt ist.

Vergleichsfoto Bern 1935-2012, Gurtenbühl, Knüslihubel, Weissenbühl (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Für dieses Foto musste ich heute nur einen Stacheldraht- und Stromzaun überklettern, aber einem echten Nostalgiker ist ein gutes Bild schon einen kleinen Landfriedensbruch auf eine leere Kuhwiese am Gürtenbüel Wert. Das Original stammt aus der Burgerbibliothek und dürfte in den 1930er-Jahren aufgenommen worden sein. Unser Knüslihubel war damals noch als Gletschermoränen-Hubel erkennbar, heute ist er dicht überwachsen und rundherum zugebaut.

Die Burgerbibliothek Bern legt Wert auf die Feststellung, dass die Bilder aus ihrem Online-Archivkatalog ausschliesslich über die Burgerbibliothek bezogen und nicht kommerziell verwendet werden dürfen.

Vergleichsfoto Bern 1935-2012, Wabern und Bern (Klicken zum Vergrössern)

(oben) Standort und Brennweite stimmen nicht ganz mit dem Original überein, aber es war das Beste, was ich rausholen konnte: Die Bahn-Unterführung befindet sich immer noch am gleichen Ort, aber in den 1930ern versperrten noch keine hässlichen Blöcke die Sicht ins Kirchenfeld.

Die Burgerbibliothek Bern legt Wert auf die Feststellung, dass die Bilder aus ihrem Online-Archivkatalog ausschliesslich über die Burgerbibliothek bezogen und nicht kommerziell verwendet werden dürfen.

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Knüslihubel/Bern aus dem Liebefeld, ca. 1940 (Klicken zum Vergrössern)

Edit vom Folgetag: Soeben kam ein anderer Nachbar und brachte diesen Blick vom Liebefeld über den Knüslihubel nach Bern (ca. 1940) vorbei. Das Feld im Vordergrund ist heute mit den Mehrfamilienhäusern an der Hildegard- und Gabhartstrasse überbaut.

Eine Archivsuche-Kettenreaktion…? Ich hoffe es! Weitere Bilder sind höchst willkommen.

4 Kommentare

  1. Befremdend, in welchem Tempo wir unser Land zubauen.

    Beeindruckend , welche Mühe du dir gemacht hast.

    Tröstend, dass wenigstens noch der eine oder andere Prachtsbaum die Zeit überstanden hat.

  2. Hoi Andi
    Tüchtige Nachforschungen!

    Ich sehe mir auch immer solche Bilder im Anzeiger an und sammle ab und zu eines, das ich dann in einen Bildband (Fotobuch) lege, dessen Titel ich nicht grad weiss, irgendwie “Bern einst und heute”, oder so, ca. 20 Jahre altes Buch, mit Fotos der Stadt von zum Teil mehr als 100 Jahren und dazu Bildern aus den 90ern.

    “Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder”. Als Kind hatte ich einen dieser Bildbände, jetzt leider nicht mehr.
    Role

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