3.12.2012

Vom Jugendessiönler zum Regierungsrat – Radio-Nostalgie aus den 1990ern

Zum 30-jährigen Jubiläum von Radio Raurach sammeln die beiden Mitbegründer des Vorgängers von Energy Basel und Radio Basel und Radio Basel One und Radio Edelweiss (gabs einen anderen Sender in der Schweiz mit mehr Namen?) – Bobby Bösiger und Jürg Schneider – Anekdoten und Material der früheren Teammitglieder.

Da bin ich auch wieder mal ins Archiv gestiegen und habe entdeckt, dass kürzlich einer in die Basler Regierung gewählt wurde, den ich anno 1994 als Jugendparlamentarier vor dem Mikrofon hatte:

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Interessanterweise wurde der heutige Regierungsrat Baschi Dürr, damals angesagt als “17-jähriger Gymeler”, wenig später Mitarbeiter des Senders.

Wenn wir da grad noch so am Nostalgisieren und im Raurach-Archiv herumkramen sind: Was war vor zwei Jahrezehnten? Hier ein “Nachtbulletin” (die 23-Uhr-News) vom Sommer 1992: Dänemark wird Fussball-Europameister, Schiri des Finals war offenbar ein Schweizer. Jakob Hlasek, Ivan Lendl, Stefan Edberg und Marc Rosset spielten ebenso noch Tennis wie Martina Navratilova und Monica Seles. So tönten Lokalradionachrichten vor 20 Jahren:

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Ein anderes Beispiel vom Sommer 1992 mit Marcel Allemann und Isabelle Wilhelm, morgens um 10 vor 7:

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War ein gutes Gefühl, diese Analogzeit – wer beim Anfang des Nachtbulletins genau hinhört, nimmt wahr, dass ich während des Lesens einen Cart (eine Variante der 8-Spur-Endloscassette) austauschen muss. Da während des Bulletins mehr als drei Signete zum Einsatz kamen, aber nur drei Abspielgeräte zur Verfügung standen, war es durchaus üblich, gleichzeitig vom Blatt zu lesen und blind die Cartridges zu tauschen. Manchmal fiel halt eine runter – oder die klapprigen Dinger gaben lustige Geräusche von sich.

Beim nächsten Knopfdruck musste man auch genau wissen, in welchem Gerät nun das Sport- und in welchem das Wettersignet steckte. Die drei Maschinen und die meistverwendeten Bänder sind rechts im Bild:

Live-Studio von Radio Raurach in Sissach, 1989

Auch wenn man am Bildschirm heute sehr viel schneller einen Beitrag zusammengeschnitten hat: das Gefühl der Bandmaschinen (es lebe die PR99!), Plattenspieler, Jinglemaschinen und CD-Player möchte ich keinesfalls verpasst haben. Das war noch richtige Handarbeit im vordigitalen Zeitalter.

Beiträge schneiden und Signete produzieren in den frühen 1990ern

Für die vielen Atmos im folgenden Minifeature musste man vor 17 Jahren lange überlegen, auf welches Medium welcher Ton kommt; selbst das gute alte Cassettli kam in diesem Beitrag zur Eröffnung des SBB-Grauholztunnels anno 1995 zum Einsatz:

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Kaum war ich wieder ein wenig im Radiogroove, kam letzte Nacht prompt auch der gute alte Albtraum wieder zurück, den ich schon lange nicht mehr hatte: Eine Livesendung fahren und alles geht schief – in den Nachrichten ein einziges Gestammel (da der Redaktor die Nachrichten unleserlich von Hand hingekritzelt hatte), Mik während der Musik offen gelassen, Versprecher an Versprecher, die LP hängt, während man auf dem Klo sitzt, die Platte ist fertig und dann folgt nur noch Stille, weil keine bereit liegt… sämtliche Worst-und-noch-worster-Case-Szenarios einer Livesendung innert einer Stunde. Das zehrt an den Nerven.

Schweissgebadet wachte ich erleichtert auf und musste eingestehen: Auch wenn es das schönste Gefühl der Welt war, immer gegen die Uhr zu arbeiten und Beiträge in die Bandmaschine einzuspannen, während der Redaktor schon den Lead dazu las, wäre ich heute vielleicht schon zu alt für diese Adrenalin-Spielchen.

Aber es war die perfekte Lebensschule, in brenzligen Situationen cool zu bleiben und konzentriert mindestens drei Sachen gleichzeitig zu tun – heute nennt man das Multitasking.

Und wie durch ein Wunder klappte es am Schluss immer, ganz ohne Compi.

Find’ ich gut. (11 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

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