9.10.2011

Sedruner Gletschervergleiche 1983-2011: Eis ade

Dass es in Sedrun derzeit so aussieht…

Winter in Sedrun, 9. Oktober 2011

… darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gletscher im Tujetsch wie fast überall langsam am verschwinden sind.

Bei der Durchsicht von Diascans aus den frühen 1980er-Jahren fiel uns auf, dass wir die fast identischen Bilder von 2011 besitzen, teils mit einem Zwischenschritt von 1994. Wir haben dieses Wochenende ein paar Gletscher-Direkt-Vergleichsbilder daraus gebastelt.

Besonders dramatisch ist die Lage im Val Nalps. Der Glatscher da Nalps, ein Firnfeld zuhinterst im Tal an der Tessiner Grenze, ist seit 1983 praktisch ganz verschwunden:

Gletschervergleich Nalps 1983-2011

Auch der Gletscher am Piz Gannaretsch ist in den letzten 28 Jahren massiv zurückgegangen:

Gletschervergleich Gannaretsch 1983-2011 - klicken für grosse Fassung

Die folgenden Bilder wurden vom Piz Badus aus gemacht. Von 2011 haben wir leider kein Bild vom Maighelser Gletscher, aber schon der Vergleich 1983-2006 spricht Bände:

Gletschervergleich Glatscher da Maighels 1983-2006

Auch am Oberalpstock (links) ist kaum mehr was vom Gletscher zu sehen, am Tödi (Bildmitte) sind die Eismassen arg geschmolzen:

Gletschervergleich Oberalpstock und Tödi 1983-2011 - klicken für grosse Fassung

Am schlimmsten siehts aber am Medelser Gletscher aus, hier eine Bildserie 1983-1994-2011 (im Vordergrund der Glatscher da Gannaretsch, dessen Abschmelzen vom Badus aus ebenfalls gut erkennbar ist):

Gletschervergleich Glatscher da Medel und Gannaretsch vom Badus aus, 1983-1994-2011 - klicken für grosse Fassung

Mehr Bilder und grössere Fassungen hier.

Trauriges Fazit: Schätzungsweise sind die meisten Tujetscher Gletscher anno 2030 und die letzten etwa im Jahre 2050 ganz verschwunden, was auch gravierende Auswirkungen auf die Wasserkraftnutzung haben wird.

Schlecht! Sehr schlecht.

Ich würde nun gerne die an dieser Stelle übliche Floskel schreiben: „Sie haben es in der Hand, am 23. Oktober Parteien zu wählen, die sich für den Klimaschutz einsetzen.“ Aber seien wir realistisch – die meisten Schweizer Gletscher sind endgültig dem Tode geweiht, völlig egal, wen wir in den kommenden Jahren wählen. Da habe ich schlicht resgniert und geniesse das, was von ihnen noch da ist, solange es noch da ist.

Das einzige, was die Gletscher je wieder zurückbringen kann, ist eine erneute Eiszeit. Im Gegensatz zum Abschmelzen des letzten Eisfeldes im Gotthardmassiv werden wir das aber leider nicht mehr miterleben.

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Kommentare

nun denn – ich pflege in ähnlichen fällen jeweils zu sagen: trinken wir noch maienfelder, solange es noch hat.

Schöne bildli, aber als wissenschaftlich angehauchter Geograf fehlt mir leider die wichtigste Angabe zu den Fotos: Datum der Aufnahmen?

Möchte dem Blöker ja nichts unterstellen, aber ohne Aufnahmedatum beider Vergleichsbilder kann ich den schlimmsten Gletscherschwund dokumentieren. Auso: damit das wirklich einen Klimablök gibt sollten die jeweiligen Bilderpaare plus minus zum selben Datum aufgenommen worden sein.

Keine Sorge, das haben wir natürlich beachtet: die Bilder stammen alle aus der letzten Septemberwoche 2011 und der ersten Oktoberwoche 1983. Die Bilder von 1994 sind von Anfang August, das Foto von 2006 müsste ich familienintern nochmals checken, die lassen wir wohl mal aus dem Spiel – aber auf den Aufnahmen von 1983 und 2011 ist die Gegend mehr oder weniger ausgeapert und es gab keine nennenswerten Schneefälle kurz zuvor. Dieses Jahr wären solche Bilder nicht mehr möglich nach den bis zu 70cm Neuschnee.

Ich denke, auch das wenig geübte Auge kann gut zwischen dem spärlich vorhandenen hellen Altschnee und allfälligen kleinen Mengen Neuschnee sowie dem eher grau erscheinenden Eis unterscheiden.

Am Glatscher da Medel bräuchte es zudem ca. 20m Schnee – oder mehr – um den Stand von 1983 zu erreichen… dies wird uns die kühnste Frau Holle kaum je bringen, vor allem nicht im Sommer und Frühherbst.

[…] Vergleichsbilder im Abstand von einigen Jahren haben mich schon immer fasziniert, ob von Menschen oder Landschaften. […]

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