16.01.2014

Travel Cash: zuviel Abzocke, nicht zu empfehlen

Früher nahm ich auf Reisen in die USA nebst einem kleinen Grundstock Bargeld stets American Express Travelers Cheques mit. Beim Kauf wurde eine Kommission für die Versicherung berechnet – und das war’s dann auch schon mit Gebühren. Wären die Checks einmal geklaut worden, hätte sie Amex laut Eigenwerbung innert 24 Stunden ersetzt.

An der Tankstelle konnte man dann einen Fünfziger kommissionsfrei wie Bargeld abgeben und bekam das Wechselgeld von rund 30 Dollar in bar – so hatte man dann für Kleinsteinkäufe wieder genug Cash.

Leider gibt es in der Schweiz diese Checks nicht mehr. Swiss Bankers wirbt mit dem Satz: „Mit der Travel Cash Karte bieten wir Kunden, die bisher mit Travelers Cheques gereist sind, eine hervorragende Alternative an.“

Leider ist diese Alternative alles andere als hervorragend, wie ich auf der Reise im letzten Herbst (Westen, New York, New England) feststellen musste.

Travel Cash: zu hohe GebührenDie Travel-Cash-Karte ist im Prinzip nichts anderes als eine Prepay-Debitkarte von MasterCard, die wie eine Kreditkarte benutzt werden kann. Nach den Erfahrungen muss ich das Produkt aber klar in die Kategorie „vereinte Bankenabzockerei“ einordnen und kann sie leider nicht empfehlen. (Update August 2014: Gemäss diesem Beitrag von SRF ist Travel Cash inzwischen eine Kreditkarte.)

Wieso? – Schön der Reihe nach.

Auch bei TravelCash (in der gewünschten Währung – z.B. US$ – ausgestellt) bezahlt man für die Grundaufladung ein Prozent Kommission, die den Betrag automatisch gegen Verlust versichert. Im Gegensatz zu den Cheques, die in der Regel keine Einlösegebühren mehr verursachten, kommen bei TravelCash zur Grundkommission noch teils horrende Automatengebühren dazu, die jede Bank selbst festlegt. Ich habe in den USA zwischen 3 und 7 Dollar alles erlebt, dazu kommen noch 5 Dollar Gebühr von TravelCash selbst.

Das läuft dann drauf hinaus, dass man von Bank zu Bank springt und diejenige mit den tiefsten Gebühren sucht – keine nette Ferienbeschäftigung.

Sobald der geneigte Reisende das System mit den hohen „ATM fees“ begriffen hat, beginnt er natürlich damit, mehr Cash zu ziehen, um die Pro-Bezug-Kommissionen zu vermeiden – was dann wiederum die Gefahr erhöht, dass man bei einem Diebstahl viel Geld abschreiben kann, da ja nur der Betrag auf der Karte versichert ist.

Damit ist der einzige wirkliche Vorteil der Karte dahin. Zudem beschränken einige Banken jeden Bezug auf 200 Dollar, und in den meisten Mini-Automaten in Geschäften funktionierte die Karte gar nicht erst.

Was kostet das nun konkret? Viel! – Rechnen wir einmal mit 1000 Dollar Aufladung. Die Karte wird mit dem vollen Betrag geladen; das CH-Bankkonto wird in CHF zum Tageskurs (und inklusive Kommission) belastet.

Ich beziehe in den USA sodann 10mal 100US$ an Automaten und bezahle dafür im Extremfall je 10 Dollar Gebühren. Am Ende kann ich also statt 1000$ nur 900$ frei benutzen, der Rest waren Bankgebühren und Kommissionen. (Das ist zwar eine Maximalrechnung, meistens bezahlte ich pro Bargeldbezug allerdings nur ein kleines bisschen weniger: 8 Dollar.)

Screenshot aus der Travel-Cash-App eines typischen Bancomatbezugs in den USA: 140 Dollar bezogen, 8 Dollar Gebühr bezahltAm Ende drücke ich also 70-100 Dollar nur für Gebühren ab. Für dieses Geld gehe ich lieber ein paar Steaks essen oder zahle einen Jahrespass für Nationalparks als dass ich sie gierigen Bankinstituten in den Schlund stopfe.

Praktisch an TravelCash sind allenfalls die Übersicht über das Konto via Web oder Smartphone-App sowie die Möglichkeit des berührungsfreien Zahlens (PayPass, sofern die Stamm-Kreditkarte dies nicht schon unterstützt) aber auch hier wird mit einem Dollar pro Einkauf – im Verhältnis zu den meist kleinen Beträgen – viel zu viel Kommission abgezwackt.

Zudem bleibt auf der Karte nach der Reise oft ein minimaler Restbetrag (bei mir z.B. 2.89$), um den sich vermutlich nur die wenigsten noch bemühen (laut Swiss Bankers kann man sich diese Beträge aber zurück überweisen lassen, natürlich wieder mit einem Kursverlust).

Für jede Aufladung der Karte musste ich zudem stets meine Bank kontaktieren. Das ist kompliziert und müsste heutzutage über eine Überweisung oder online möglich sein.

Im Vergleich zu Cheques, die man (nach einer einzigen Kommission beim Kauf) wie Bargeld benützen konnte, ist TravelCash somit punkto Handling und Gebühren ein klarer Rückschritt. Die Karte ist nur etwas für Menschen, die zu viel Geld haben und nicht auf die Ausgaben achten müssen.

Angesichts der Tatsache, dass man auf Reisen ohnehin meist nicht ausgeraubt wird, werde ich das nächste Mal genügend Dollar in Cash mitnehmen und notfalls halt am Automaten mit der EC-Karte Geld zupfen (Automat auf Skimming-Geräte prüfen und Code verdeckt eingeben) – so fallen zwar die erwähnten Bezugsgebühren auch an, aber ohne Kommission und in geringerem Ausmass. Selbst zwei Diebstähle von ein paar hundert Dollars im Leben sind unter dem Strich günstiger als die horrenden Travel-Cash-Gebühren.

Es ist also wie bei der Haftungsreduktion, die einem Autovermieter stets andrehen wollen: Über ein Leben gesehen sind selbst mehrere Unfälle mit dem höheren Selbstbehalt immer noch günstiger als die viele unnütz an Versicherungen überwiesene Kohle.

Ich bin allerdings vollkommen selbstverschuldet in die Travel-Cash-Falle getappt. Schon 2008 schrieb ein User bei BloggingTom: „Wer es als Besitzer einer solchen Karte noch nicht gemerkt hat, dass er nach Strich und Faden beschissen wird, ist selber schuld.“ Wie recht er hat.

Wie die HandelZeitung in einem bisweilen nach PR duftenden Artikel schreibt, sind solche Karten vor allem ein Geschäft mit der Angst der Kundinnen und Kunden.

Travel Cash kann man also getrost abschreiben. Die Variante „Kreditkarte als Basis; genug Bargeld für Kleinstbeträge; EC-Karte/Postcard für Notfall-Cashbezüge“ ist – über Jahre gerechnet – mit Abstand am günstigsten.

Find‘ ich gut. (28 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Weder die Maestro-Karten noch die PostFinance Karte können die Travel Cash Karte vollständig ersetzen. Im Gegensatz zur Travel Cash Karte werden Maestro-Karten in der Regel nicht ins Ausland versendet. Das bedeutet, dass man bei Verlust oder Diebstahl keine Ersatzkarte bekommt. Auch in Bezug auf die Gebühren sind die Angaben im Artikel nicht ganz korrekt. Die Gebühren betragen 1% Kommission auf den Ladebetrag, nicht des Bezugsbetrag. Bis zum 19. Juli 2009 kann man die Travel Cash Karte sogar kommissionsfrei laden.

Die Travel Cash Karte kennt zudem keine Tages- bzw. Monatslimiten. Bezogen werden kann das gesamte geladene Guthaben –> Auch höhere Hotelrechnungen können problemlos beglichen werden. Die Ladelimite beträgt 10’000 CHF/EUR/USD je Karte. Es gilt zu erwähnen, dass man mehrere Karten haben kann und die Karte im Gegensatz zu den Maestro-Karten kostenlos ist –> keine Jahresgebühr. Bei Verlust oder Diebstahl ist sowohl das Sperren der Karte sowie der Ersatz inkl. Guthaben kostenlos.

Im Gegensatz zu normalen Maestro-Karten und der PostFinance Karte hat die Karte keinen direkten Bezug zu einem Konto –> Das Kontoguthaben kann von Betrügern nicht angetastet werden. Ein weiteres Plus ist, dass es die Karte neben CHF auch in EUR und USD gibt. Wer in ein Land mit der Währung EUR oder USD reist, kann das Ferienbudget bereits vor Abreise zum vorteilhaften Devisenkurs beim Laden der Karte wechseln.

Wer die Wechselkurse etwas beobachtet kann davon profitieren, dass er die Ladung dann vollzieht, wenn der Wechselkurs günstig ist. Bei den Travelers Cheques ist zu erwähnen, dass nur Travelers Cheques in CHF (Travelers Cheques von Swiss Bankers) vom Markt genommen werden. Travelers Cheques in Fremdwährung (USD, EUR, AUD, CAD, JPY, GBP) werden weiterhin durch American Express angeboten. Gerade für Reisen in Nordamerika sind Travelers Cheques eine gute und sichere Ergänzung zu Bargeld und Karten.

Netter Werbespot…

Kartenersatz im Ausland: Wie geschrieben erachte ich diesen Vorteil aufgrund des geringen Risikos als vernachlässigbar. Irgend eine Möglichkeit gibt es immer (zB Nachsenden per Kurier durch Familie). Kommt einmal im Leben immer noch billiger als all die Gebühren.

Aufladekommission: War im Artikel von Beginn an korrekt drin.

Wechselkursschwankungen beim Laden: Der Zins beim Belassen des Geldes auf einem Sparkonto dürfte in den meisten Fällen höher sein als der Währungsgewinn. Auf der Karte trägt das Geld keinen Zins.

Gesamter Betrag immer verfügbar: Gilt an vielen Bancomaten / ATM nicht.

Im August 2014 berichtete auch die Konsumsendung „Espresso“ von SRF über die Abzockerei bei Travel Cash – wie hier nachzuhören ist, gibt es noch viel mehr Nachteile als in meinem Beitrag. Im zweiten Teil kommen auch zwei Statements von mir vor. Im neuen Blogbeitrag lege ich dar, dass Travel Cash schlicht nichts mit Cash zu tun hat, sondern dass wohl nur Marketingüberlegungen im Spiel waren, als man diese unsägliche Karte als Nachfolgeprodukt der Traveler’s Cheques positionierte.

Ich kann die Beurteilung von Blöker voll und ganz bestätigen. Ich habe 2014 zum ersten mal seit über 10 Jahren die Travel Cash Karte anstatt die Taveler Cheques für meine Ferien in Thailand verwendet. Welch Horror. Ich habe mir Ende Ferien die Gesamtbelastung an Gebühren sowie die z.T. massiv schlechteren Kurse gegenüber EC und Kreditkarte ausgerechnet. Die Karte wurde mit Fr. 5000 geladen und gegenüber den Traveler Cheques habe ich sage und schreibe Fr. 480.00 mehr verloren. Wenn das mal keine Abzocke ist, Vorteile gegenüber EC und Kreditkarte fast gleich Null. Habe diese Sch…Karte nach den Ferien gleich vernichtet. In Zukunft mache ich es so, dass ich mir ein Ferienkonto einrichte und dafür eine EC-Karte mitnehme. Dazu ganz sicher die VISA. Falls nötig per Onlinebanking Geld von einem Konto an das Ferienkonto überweisen. Übrigens war der günstigste und vom Kurs her beste Bargeldbezug immer mit der VISA kreditkarte, also zu empfehlen.

die Karte ist gut solange mann nicht am Automten Geld holt , beim zahlen in Hotels und Flugticket bestens geeignet
da die Karte keine Limits hat , und mann
hat keine Jahresgebühren also gute Karte für Reisen . . .
mann kann die Karte durchaus per Online Bankieng aufladen

Berlin den
26.07.2017

MfG
Thomas Pillusch

Hallo Herr Pillusch

Da muss ich Ihnen widersprechen. Gemäss den aktuellen Bedingungen beträgt (Stand Juli 2017) die Gebühr für jede Transaktion nach wie vor 1 CHF/EUR/USD. Wenn Sie also 10x für 10 Euro im Laden oder online einkaufen, zahlen Sie dafür horrende 10 Euro Gebühren drauf.

Nach wie vor macht Swiss Bankers zudem in der Übersicht nicht darauf aufmerksam, dass zu den Gebühren der Karte beim Bargeldbezug noch Gebühren der Bank dazu kommen.

Alles in allem also immer noch Schrott.

Aufladen via eBanking geht zumindest bei meiner Bank nach wie vor nicht. Bei welcher sind Sie denn?

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