Auch der Blöker ist durchaus lernfähig. Nachdem ich mich heute morgen wieder über die unsäglich tiefe Usability von iTunes genervt hatte und etwa eine Stunde damit verbrachte, via CD-Brenner aus den ollen m4a- und m4p-Dateien normale mp3 zu machen, kam mir heute zufällig ein iPhone in die Finger.

Ich war ja bis anhin ein Oberskeptiker. Aber was mir der Apple-Mitarbeiter da zum Spielen anerbot, war cool – und vor allem punkto Haptik Liebe auf den ersten Griff.
Wie kams dazu? – Ich hatte mich zufällig entschieden, im Starbucks am Waisenhausplatz noch kurz eine Premium Hot Chocolate reinzuziehen und den “Bund” zu lesen, bevor ich daheim auf den Schnee warten und Kundenwebsites fertigstellen würde. Die Platzwahl erwies sich als Glücksgriff: Plötzlich erspähte ich auf dem Tisch vor mir Zeitungsinserate-Entwürfe von Swisscom, auf denen es hiess “Das iPhone, ab Frühling 2008 exklusiv bei Swisscom”.
Die auf Standby schlummernden Schurni-Instinkte witterten einen Primeur, selbst das Herz eines Windöwslers schlug da schneller – doch was ist das? Auf dem zweiten Blatt steht “Das iPhone, jetzt bei Orange”… und was bitte hält der junge Mann da in seinen Händen? Einen “iPod Touch”? Nee, da steht was von “Telefon”!
Des Rätsels Lösung: Der freundliche Herr war ein Apfel-Mitarbeiter, ein sichtlich stolzer. Die Providerwahl sei – und das sind alles nicht nachgeprüfte Aussagen – noch unbekannt. Chefsache. Steve werde das gelegentlich entscheiden (dass Carsten Schloter kürzlich einige Tage an der Westcoast verbracht hat, dürfte ein interessantes Indiz sein). Und die Inserate? – Man bereite sich bei Apple einfach auf alle möglichen Varianten vor. Sein iPhone sei ein legal freigeschaltetes Testgerät für Apple-MitarbeiterInnen, er habe extrem Freude daran, ob ich auch mal wolle…
Und ob!

So kam der First Contact heraus wie der erste Flug ins All für einen frischgebackenen Astronauten – für einen Gadgetfreak wars wie der erste Video-2000-Recorder, die erste Digicam, die erste selbstgebrutzelte CD, das erste Handy mit Farbbildschirm: Ein grosser Moment, selbst für einen iPhone-Kritiker und Nicht-Apfelbeisser.
Nee, UMTS, MMS und Videoaufnahmen gibts noch immer nicht, der Speicher ist mit 8MB mickrig – doch mich interessierte vor allem Surfen im Internet via WLAN. Und siehe da – die Zoom-Fingerbewegungen kennt man ja aus zahlreichen YouTube-Videos, das klappt vom ersten Griff an perfekt. Scrollen: Easy. Google Maps: Whow.
Das Gerät fühlt sich sehr gut an. Schick! Der Monitor dreht sich (meistens) brav um 90 Grad, wenn man das iPhone anders positioniert. Die Bildschirmtastatur ist etwas klein geraten, aber gerade noch OK, ich vertippe mich nur selten.
Fazit: Auch wenn mir (wie anderen auch schon) während des Tests frech “sunrise” aus dem Display entgegen blinzelte… zumal Swisscom wohl den Zuschlag erhalten wird – alles andere wäre ein Wunder -, kommt das iPhone für mich ohnehin aus ideologischen Gründen nicht in Frage. Allenfalls unlocked? Oder vielleicht ein “iPod Touch”?
Kaum – das Suchtpotential ist schlicht zu gross. Mir reicht die Handy-Abhängigkeit schon vollkommen. Und für ein schönes (ja, schön ist es!) überteuertes Spielzeug bin ich grad zu knapp bei Kasse: Der Spätherbst ist die Zeit der Ski-Saisonabos und des GA.
Drum reicht eigentlich für unterwegs vorerst auch das gute alte Nokia 6233 mit Opera Mini. Das hält den ewigen Surfdrang zumindest etwas im Zaum – und lässt noch etwas Raum für den Zeitungskonsum.

Find’ ich gut.