3.01.2007

Kannibalen in der Surselva

Was mich an meinem Heimattal immer wieder schockiert ist die Tatsache, dass offenbar Einheimische – aber nur Männer – zu Salsiz verarbeitet werden, wie diese Bezeichnung auf der Verpackung suggeriert:

Salsiz aus Bündnern oder Bündner Salsiz? (Sedrun, Januar 2007)

In Tat und Wahrheit handelt dieser Beitrag natürlich vom mehr und mehr verludernden Gebrauch des Bindestriches, der bisweilen kannibalische Ausmasse erreicht: „Bündner-Salsiz“ ist Salsiz aus Bündnern. „Bündner Salsiz“ wäre Salsiz aus Graubünden.

Bündnerfleisch aus dem Val Tujetsch (Sedrun, Metzgerei Curschellas, Januar 2007)Interessanterweise klappts aber beim Bündnerfleisch schon – das wird nicht aus Tujetscherinnen und Tujetschern hergestellt. Andere Produkte hingegen doch wieder. Ist ein wenig wie sonst in der sich verabschiedenden Sprachkultur: Das mit dem Bindestrich haben immer weniger Leute drauf – Unsinn wie „Service Mitarbeiter“ (einer zu wenig) oder „Baselbieter-Kirsch“ (einer zu viel; Kirsch aus Baselbietern eben) häuft sich in E-Mails und auf Websites.

Aber egal: Hauptsache, die Sedruner Metzgerei Curschellas (Disclaimer: wie fast alle Sedruner ist die Familie Curschellas mit mir verwandt, der heutige Geschäftsleiter Diego ist mein Coucousin) stellt die besten Würste und Fleischwaren der Welt her. John what Henry bzw. Hans was Heiri, wie sie beschriftet sind. Schon als Bub plangte ich darauf, dass Carli einen neuen Rohschinken zur Tatta rüber spediert, die praktischerweise gleich neben der Mazlaria wohnte. Der tgarn piertg hing dann wochenlang hinten in der Kammer – bei Bedarf schnitt man ein Stück zum Zvieri ab.

Heute gehören das Hirschtrockenfleisch und Hirschmostbröckli zu meinen Favoriten, doch auch Andutgels (die mit Knoblauch) und Hirschwürste (die ungeräuchten) sind Highlights der fleischlichen Gelüste. Mal was anderes gefällig? Es gibt auch Gems-, Geiss- und Kartoffelwürste (die mit Lammfleisch sind am besten). Und die Hauswurst „Liongia Naira“, mit etwas Leber, ist himmlisch.

Nur schade, dass es keinen Onlineshop gibt (edit Juli 2009: ich durfte soeben die neue Website der Metzgerei Curschellas fertigstellen) – das hat Reto mit seiner Bäckerei Schmid besser gelöst und sich gleich die Domain conditoria.ch unter den Nagel gerissen. Im Café Dulezi (einer der ersten Begriffe in meinem Wortschatz) gibts zudem ein breites Angebot an Kaffeespezialitäten – davon können die meisten Cafés im Unterland nur träumen.

Find‘ ich gut. (Eine weitere Person findet diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Hauptsache es schmeckt. Was drinn ist, ist Wurscht.

Wir haben schon oft genau darüber geschmunzelt! 😉

Aber Diego findets anscheinend richtig so…. 😉

Die Bauernbratwürste sind im Fall auch der Hit, die darf man nicht vergessen!

… und natürlich die Hirschwürste zum kochen!

Who cares?

… falls sich jemand fragt, was dieser Jaschke für ein konstruktiver Zeitgenosse ist: Hier hat er auch markiert.

[…] Kannibalismus nicht nur in der Surselva, sondern auch in Liestal – da gibts Fleisch von Fahrenden… oder von Geissen? Oder weder noch? […]

[…] den Kannibalen in der Surselva nun auch Kannibalen im Berner Oberland? Wenn man diesen Kleber ernst nimmt, werden nebst Tieren […]

[…] sofort kann man den Online-Shop (der ist allerdings nicht von mir) nutzen. Wie auch schon erwähnt an dieser Stelle – die Curschellas-Spezialitäten sind köstlich… und stammen aus einem sympathischen […]

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