19.02.2019

Vintage-Skifahren, Teil 39: Fischenthal

Das Zürcher Oberland stand schon lange auf meiner To Do List. Nachdem beschlossen war, dass der Vierjährige meiner besten Freundin aus Zürich heuer auf die Ski soll, war für mich auch klar, wohin es am Freitag geht: Nach Fischenthal!

Denn bei diesem Skilift – bekannt durch die Snowboard-Olympiasieger, die Gebrüder Schoch als Söhne der Betreiberfamilie – hat es einen Ponylift, zudem eine Skivermietung direkt bei der Talstation, sehr praktisch…

… und im Gegensatz zu den anderen Liften in der unmittelbaren Umgebung (Oberholz bei Wald, Steg) ist hier auch an Wochentagen ab 9 Uhr Vollbetrieb (in Steg macht der grosse Lift derzeit ebenfalls schon am Morgen auf).

So konnte der Kleine am Übungshang den ersten Skitag seines Lebens verbringen, und ich genoss nebst dem Dasein als Hilfsskilehrer meine ersten Skistunden im ZüriOberland. Der Skilift aus dem Jahre 1963 wurde hier (im Gegensatz zu Steg, wo die alten SL7-Gehänge von Städeli im Einsatz stehen; da muss ich unbedingt hin) anno 1998 auf Doppelmayr-Selbstbedienungsbügel umgebaut.

Wie fast alle Anlagen in der Umgebung (und da gibt’s einige – nebst den genannten auch noch Bäretswil, Ghöch, Atzmännig usw.) stammt der Skilift natürlich von Städeli; die WSO-Maschinenfabrik stand schliesslich gleich in der Nähe. Anno 1985 führte der Patron höchstpersönlich einen skiliftbegeisterten 13-Jährigen durch seine Fabrik und erwähnte, dass er sich im Oberland für so manche Anlage eingesetzt habe. Auf dem Weg fährt man am Ortsschild „Oewtil am See“ vorbei, das Skiliftfans das Herz höher schlagen lässt. In der Gegend gibt es mit Gommiswald leider auch Städeli-LSAP zu beklagen (für Nicht-Liftfreaks bedeutet das: ein Gebiet mit Städeli-Liften wurde stillgelegt).

Im WSO-Archiv haben wir vor einigen Jahren auch einige Konstruktionspläne der US-120-Anlage (also des „schwerstmöglichen“ Typs) in Fischenthal gefunden:

Der ins Seilbahninventar eingetragene Lift führt von einem Bauernhof bei der Unteraurüti auf die 1050m hoch gelegene Egg. Er führt u.a. über eine Brücke, bei der es auch ein urchiges Beizli mit günstigen Preisen hat.

Von der Bergstation aus geniesst man eine wunderbare Aussicht auf die Alpen (bis weit in die Berner Alpen hinein), die Vogesen und den Schwarzwald. Am Freitag gab es im Zoom (hinter dem auf dem Hügel im Vordergrund sichtbaren Skilift Ghöch) sogar Luftspiegelungen zu beobachten aufgrund der Inversionslage.

Im Seilbahninventar ist die Anlage wie folgt gewürdigt:

Der Skilift Brand-Oberegg in Fischenthal ist eine repräsentative Städeli-Anlage der frühen 1960er-Jahre mit charakteristischem Brückenantrieb und typischen „schweren Fachwerk-Portalstützen“, die auf die Technik von Theodor Brunner zurückgehen. Walter Städeli, der in Oetwil am See eine mechanische Werkstätte betrieb, begann in den 1950er-Jahren in Arbeitsgemeinschaft und mit dem Know how des Ingenieurs Theodor Brunner mit der Konstruktion von Skiliften. In den frühen 1960er-Jahren, nach dem Ausscheiden Brunners aus Städelis Werkstätte, stieg Städeli, auf der Basis von Brunners Entwicklungen, gross ins Skilift- respektive Seilbahngeschäft ein. Aus dieser Phase des Übergangs stammt der in einem ansehnlichen Masse original überlieferte Skilift in Fischenthal. Der Skilift, der auf die Initiative eines einheimischen Landwirts und auch auf das grosse Engagements des Liftfabrikanten Städeli zurückgeht, ist einer der frühesten Lifte im Zürcher Oberland und zählt zum attraktiven, familienfreundlichen und per Strasse sowie Eisenbahn gut erschlossenen Wintersportangebot im oberen Tösstal.

Die Thematik „Brunner vs. Städeli“ haben wir z.B. in diesem PDF bereits behandelt.

Zurück zum Skilift Fischenthal: Kurz vor einem ansehnlichen Steilhang wurde ein Niederhalter offenbar vor nicht langer Zeit durch eine modernere Stütze ersetzt.

Schon Ende der 1980er schaffte man hier Schneekanonen an, was einen relativ sicheren Betrieb ermöglicht. Am Freitag lag allerdings auch im Talboden mehr als genug Naturschnee, wie man auf den Fotos sieht. Die Pisten sind sehr angenehm coupierte ideale Carvingpisten zwischen rot und blau; zuoberst gibt es einen (am Freitag nicht präparierten) schwarzen Steilhang.

Die Landschaft des oberen Tösstals erinnert Bernerinnen und Berner entfernt ans Emmental – sanfte Hügel, aber auch steilere Abhänge zwischen rund 700 und 1200 Metern über Meer.

Hat mir alles extrem gut gefallen – ich komme wieder… und rundherum gibt es noch viel mehr zu entdecken. Alle Bilder vom 15.2.2019 in dieser Galerie.

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier Crêt du Puy / Chuderhüsi und Linden / Grenchenberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont) / Col de Rousset (Drôme, Frankreich) / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Ste-Croix Les Rasses / Blumenstein

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