22.01.2018

Schneestatistik Sedrun 1968 bis heute: Interessante Winter-Vergleiche

Noch nie (seit Messbeginn 1968) lag an einem 22. Januar so viel Schnee in Sedrun wie heute. Am Morgen mass Nina Levy, die seit 1976 die Schneehöhe für das SLF Davos manuell misst, 155cm. Und noch nie hatten wir auf unserer Webcam-Seite sedruncam.ch so viele Besucherinnen und Besucher wie heute (über 2200 mit 4500 Seitenaufrufen). Der Schnee bewegt!

Hier eines unserer Webcamfotos vom Montagmorgen mit einer so mächtigen Schneedecke auf dem Nachbarsdach, wie sie diese Cam noch nie aufgenommen hat:

Auf Dumeni Cavegns Wetter-Website wetter-sedrun.ch kann man sich mit wenigen Klicks die Schneekurven der letzten 40 Winter anzeigen lassen und vergleichensehr interessant, wenn man dazu die jeweiligen Maximalwerte einblendet.

So sieht man zum Beispiel, dass Mitte Januar 1968, 1981 und 2012 ähnlich viel Schnee lag wie momentan. 1981 war mit 133cm der bisherige Rekordhalter für den 22. Januar:

Verglichen mit dem legendären Winter 1998/99 – man erinnere sich auch an das Berner Aare-Hochwasser vom Mai 1999 – stehen wir derzeit deutlich über den damaligen Tujetscher Januar-Schneewerten:

Wenn es allerdings kommt wie 1981, muss man sich keine Sorgen machen: Nach dem 6. März gab es vor 37 Jahren kaum mehr Schnee, der gute Meter war innert eines Monates bis Anfang April komplett geschmolzen.

Auch der dem aktuellen Winter bislang nicht unähnlich verlaufende 2011/12 – verglichen hier mit dem statistischen Mittelwert – endete ziemlich durchschnittlich:

Jeder Winter spicht seine eigene Sprache: Mal kommt der Schnee extrem spät, dafür in rauhen Mengen. Mal liegt konstant viel oder wenig Schnee. Mal hat es im Oktober viel von der weissen Pracht und danach kaum mehr was. Mal kommt der grosse Schnee erst im April.

Auch interessant sind die absoluten Minimalwerte: Es gab tatsächlich schon 22. Januare mit Null Zentimetern Schnee! Normalerweise liegt aber zwischen dem 3. Januar und 15. März fast immer mindestens 1cm:

Bemerkenswert ist der Winter 1974/75, als ab Ende November fast durchgehend über ein Meter Schnee lag. Am 19. März 1975 gab es nochmals einen halben Meter Neuschnee. Das war aber noch gar nichts: Der absolute Rekord wurde erst nach Ostern erreicht. Am 7. April hatte es 2.7 Meter Schnee in Sedrun. Innerhalb von vier Tagen fielen damals wiederum zwei Meter. Einheimische erinnern sich noch an die Lawinenkatastrophe von Acla (Medel) mit drei Toten am 6. April 1975. Noch am 30. April hatte es in Sedrun fast einen Meter Schnee, ab 1. Mai fehlen aber offenbar die Werte:

(Quellen aller Grafiken: wetter-sedrun.ch)

Und noch ein aktueller Hinweis vom 22. Januar 2018: Eine Lawine hat in den letzten Tagen die MGB-Fahrleitung am Oberalppass zerstört – die Züge werden wohl leider einige Zeit nicht mehr über den Pass fahren.

Das wiederum erinnert an die von Sturm Vivian umgewehten Züge 1990 oder die Schnemassen von 1999, als man den Skilift Alpsu regelrecht ausgraben musste. Gemäss dem aktuellen Webcambild von der Ustria Alpsu werden aber Regula und ihr Team auch heuer tüchtig schaufeln müssen, sobald sie hoch können.

Hier ein paar Erinnerungen an 1990 und 1999:

(Bilder von skiliftfotos.ch / Archiv Baseli)

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Kommentare

Noch interessanter sind die Wettervergleiche, die stärker in die Vergangenheit reingehen.

Was die wenigsten wissen, ist, daß es im Mittelalter weitaus wärmer war in Europa als heute.

Neulich besuchte ich eine Vorlesung, in der berichtet wurde, daß die Flurnamen des Domleschg (inkl. Talseite Heinzenberg) auf Weinbau hinweisen. Früher war das Domleschg großflächiges Weinbaugebiet.

Beim Tourismus, namentlich Wintersport dürfte sich hingegen einiges ändern. Anders als Sedrun oder das Engadin liegt das Domleschg tiefer und es fragt sich, wieweit die Skigebiete Mutten, Feldis, Tschappina und Sarn noch Zukunft haben.

Es dürfte – sofern die aktuelle Klimaveränderung so weitergeht – wohl dazu führen, daß solche Skigebiete in tieferen Lagen ihr Konzept umstellen müssen.

Außer, sie wollen – was weder beliebt, noch ökologisch sinnvoll ist – alles künstlich beschneien.

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