26.02.2013

Vintage-Skifahren, Teil 20: La Berra

Schwarzsee schafft es wegen zu neuer Anlagen nicht in den illustren Katalog der Vintage-Ski-Stationen, La Berra wird auch nur noch kurze Zeit drin figurieren – darum ist es allerhöchste Eisen… öh, Seilbahn für einen Besuch im Freiburger Skigebiet.

La Berra ist skilifthistorisch ein absolut heisses Pflaster: Hier zog sage und schreibe schon anno 1935 der erste Skilift Menschen den Berg hoch – und damit praktisch zeitgleich mit dem ersten bekannten Bügelskilift der Schweiz im mondänen Davos, dem Bolgenlift.

Der in La Berra verwendete Lifttyp wurde später als „Oehler-Gurtenlift“ bekannt und war in den Anfängen DIE Alternative zu den noch wenig verbreiteten Bügelliften von Ernst Constam. Den ersten solchen Lift erstellte allerdings Beda Hefti, und dies ausgerechnet in La Berra, was allerdings bei Lichte betrachtet wenig verwunderlich ist: Der gebürtige Walenstädter zog in den 1920ern nach Fribourg und gründete 1928 den dortigen Skiclub.

Die Aarauer Firma Oehler (siehe auch beim Salzagg-Skilift) warf schnell ein Auge auf das neuartige System und kam in den Besitz der Lizenz zum Bau der Gurtenlifte, die sich aber schliesslich doch nicht durchsetzten.

Noch bis Ende dieser Saison 2012/13 lassen sich zudem weitere traumhafte Anlagen fahren, die in den 1970ern entstanden sind: Die Highlights sind eine fixgeklemmte Städeli-Sesselbahn (wegen eines Erdrutsches später verkürzt, die Strecke bis Gîte du Commun übernimmt heute ein Poma-Tellerlift)…

La Berra, 18. Februar 2013

… sowie der steile Küpfer-Skilift „Gormanda“, der bis fast auf den Gipfel hoch führt und Anfang letzte Woche durch einen perfekten Rauhreif-Zauberwald führte:

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

Beide Anlagen sollen in diesem Sommer abgebrochen und durch eine Kombi-Anlage (Sessel/Gondeln) ersetzt werden. Gewisse Stimmen munkelten letzte Woche zwar, dass das Geld fehle – spätestens 2014 läuft allerdings die Konzession der WSO-Sesselbahn aus und ein Ersatz muss her.

Die neue Linienführung wird den Charakter des Skigebietes massgeblich ändern. Wer La Berra im alten Zustand erleben möchte, muss es also bald tun.

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

Dazu kommen Dinge, die andernorts Aufsehen erregen würden, hier aber in der Masse der wunderbaren Nostlgie-Liftsubstanz untergehen: Eine Bachmannkurve sowie zwei schöne kleine Städeli-Skilifte im Gebiet Aillères.

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

Bachmann, Poma, Städeli, Küpfer und früher Oehler in einem einzigen Gebiet? Mit Kurven, Langbügeln, Kurzbügel, Tellerbügeln? – Doch, das gibt es tatsächlich: in La Berra.

Auch wer nicht auf altes, ratterndes Eisen steht, bekommt hier – nebst perfekten Waldabfahrten – wunderbare Aussichten: Auf der einen Seite das Genferseebecken, hinter dem Lac de Gruyère und dem Gibloux mit seiner markanten Antenne der Jura… der Blick schweift weiter zur Stadt Freiburg, hinter dem Neuenburger See thront wie immer der Chasseral, das erstaunlicherweise zum Greifen nahe Guggershörnli lässt erahnen, dass dahinter irgendwo Bern liegen muss (weiter hinten grüsst die unvermeidliche Gösgener Dampffahne), es folgen die Alpen vom Pilatus über die Berner und Waadtländer Alpen (mit Einblicke tief ins Wallis und zuvor ins Gantrischgebiet), der Mont Blanc – und mit den Freiburgen Alpen rund um den Moléson mit dem Greyerzerland schliesst sich der Kreis. Umwerfend!

La Berra, 18. Februar 2013

La Berra, 18. Februar 2013

Am Schluss des Skitages lohnt es sich, bis zum Triangulationspunkt auf dem La-Berra-Gipfel hochzusteigen – und auf der Heimfahrt natürlich eine deftige Ladung Doppelrahm mit Meringues sowie Greyerzerkäse in einer lokalen Käserei mitlaufen zu lassen.

La Berra, 18. Februar 2013

Ein weiterer bebilderter Bericht zu La Berra ist hier zu lesen, mehr eigene Bilder vom 18. Februar hat es hier. Und natürlich kennen wir auch den Film-Modus unseres iPhones – hier ist „La Berra à l’ancienne“ in HD:

Video der Anlagen in La Berra (18. Februar 2013). Mehr Bilder dieses Tages hier.

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F)

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Kommentare

Hey, einmal mehr ein fantastischer Bericht! Informative Einleitung und super Bilder mit Text! Habe als Ostschweizer dieses Skigebiet nicht gekannt! Diese kleinen Skigebiete sind häufig interessanter als die ganz grossen welche sich bezüglich Massentransportanlagen, Infrastruktur und Pisten alle sich mehr und mehr gleichen! Schade dass der WSO 2er Sessellift ersetzt wird…

Danke für die Blumen! Ich wollte an sich diese Woche noch in die Ostschweiz kommen und diverse Skigebiete bei euch abklappern, aber die Hochsaison scheint vorbei und der Schnee wird auch langsam knapp. Schade – aber nächsten Winter hoffentlich!

[…] Luzernischen also eine ähnliche Geschichte ab wie beim “Heimspiel” von Beda Hefti in La Berra (FR): pioniermässig früh in den Skisport einsteigen, dem Gurtenlift einen Bügellift folgen lassen, um […]

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