13.01.2020

Vintage-Skifahren, Teil 42: Gspon

Wer in Visp mit Skis in die roten Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Süden steigt, hat in aller Regel Zermatt oder Grächen als Ziel. Kaum jemand verlässt den Zug in Stalden-Saas.

Ausser Freundinnen und Freunde von Kleinstskigebieten natürlich: Die wollen nach Gspon!

Dahin – auf immerhin 1900m – führt eine anno 2018 erneuerte Seilbahn. Leider gibt  es also keine Nostalgiepunkte mehr für die alte Zubringerbahn, Jahrgang 1951, die z.B. hier dokumentiert ist. Immerhin ist der Hersteller speziell; die Vorarlberger Firma Steurer hat seit 2009 auch eine Niederlassung in Glarus.

Die Seilbahn für jeweils 25 Personen weist zwei Sektionen auf; in Staldenried muss man umsteigen. Bis hier gilt übrigens das GA; danach gilt dieses als Halbtax. Das Skiticket kann man bereits hier erstehen (Halbtageskarte 30 Franken inkl. Seilbahn).

Im Miniskigebiet auf der Sonnenterrasse Gspon geht es sehr gemütlich zu und her: Nur gerade zwei Skilifte surren hier oben.

Der kürzere von beiden, der einen flachen Hang erschliesst, ist aus skilifthistorischer Sicht wenig spektakulär – es ist eine klassische Küpfer-Anlage von 1984, die ich anlässlich einer Wanderung im Sommer 1989 schon einmal besucht habe:

Als Gehänge kommen die altbekannten Borer-BSG-77 zum Einsatz.

Schade, dass nicht mehr der Original-Schlepper von 1959 hier steht.

Ein lifttechnisches Kleinod hingegen ist der 1973 erbaute Skilift Waldegg, den man nur über einen Piste mitten durchs Dorf und einen kleinen Aufstieg erreicht:

Die Von-Roll-Bühler Anlage erschliesst einen ansehnlichen Hang zwischen Lärchenwäldern und ist fast im Original erhalten, einzig die Metallseile bei den Original-WBB-Röhrs-Einzugsapparaten fehlen aufgrund entsprechender Gesetze (an die sich andere Liftbetreiber allerdings zum Glück nicht halten). Dazu gehört auch ein bärbeissiger Liftmann, den man als Üsserschwiizer kaum versteht.

Das Startstück auf 220m ist schön steil, die Pisten waren perfekt hergerichtet – von hier aus erreicht man übrigens auch schöne Skitourengebiete wie das Ochsenhorn.

Man nimmt es ernst mit dem Skigebiet – für einen sicheren Betrieb ist eine Beschneiungsanlage vorhanden. Allerdings ist die Ausgangslage für so ein Gebiet natürlich schwierig; unterstützen kann man die Skilifte Gspon z.B. als Mitglied des 100er-Clubs.

Gemütliche Verpflegung (das Cordon Bleu war super, die Pommes exzellent gewürzt) bot das Restaurant Alpenblick.

Zum Abschluss des Tages – nach Stalden-Saas gelangt man nur mit der Seilbahn – gab es sogar noch ein wenig Abendrot.

In Zeiten wie diesen, wo rund um Bern oder Im Jura kein einziges Skilift offen ist, lohnt sie die nicht einmal zweistündige Anreise (Gspon ab Bern 1h40) in all diese Oberwalliser Kleingebiete wie Gspon, Visperterminen oder Rothwald selbst für einen halben Skitag. Mehr Fotos in dieser Galerie!

Und wer dann wieder einmal einfach nur sinnlos carvend daherbrettern muss, findet etwas weiter hinten im Tall mit Hohsaas das perfekte Gebiet dafür. Ich war zwei Tage nach Gspon dort; den Bericht können die geneigten Leserinnen und Leser im Alpinforum lesen.

Das Video aus Gspon vom 8. Januar 2020:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier Crêt du Puy / Chuderhüsi und Linden / Grenchenberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont) / Col de Rousset (Drôme, Frankreich) / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Ste-Croix Les Rasses / Blumenstein / Fischenthal / Schwanden-Sigriswil / Rothwald

Nach Regionen

Aus Bern innert einer Stunde zu erreichen: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Engstligenalp / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / Rüschegg-Eywald / La Berra / Heiligkreuz / Elsigenalp / Eriz / Chuderhüsi und Linden / Ottenleuebad / Homberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Blumenstein / Schwanden-Sigriswil

Wallis: Eischoll-Unterbäch / Lauchernalp / Rothwald

Westschweiz und Jura:  Les Breuleux und Tramelan / Grandval / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Dent de Vaulion / La Berra / Vallée de Joux / Le Pâquier Crêt du Puy / Grenchenberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Ste-Croix Les Rasses

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Kommentare

… und für den Aufstieg ab Skilift Richtung Wyssgrat und Ochsenhorn am besten subito die Harscheisen benutzen. (Habe gelitten…)

Coole Serie. Empfehlenswert auch Skigebiet Jeizinen oberhalb Gampel VS

Danke! – Jeizinen ist bereits seit Jahren gefilmt und fotografiert – nur der Report ist noch nicht produziert

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