20.03.2017

Vintage-Skifahren, Teil 32: Lauchernalp (noch bis 23.4.2017)

An sich hätte ich diesen Beitrag schon vor Jahren schreiben sollen und nicht erst einen Monat vor dem grossen Lichterlöschen. Désolé!

Im Lötschental – genauer gesagt auf der Lauchernalp – stehen zwei wichtige Zeugnisse schweizerischer Seilbahngeschichte. Allerdings nur noch bis zum 23. April 2017 – dann ist Saisonschluss. Die beiden Anlagen werden abgerissen und durch eine – was sonst – kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt, wie es sie in den Alpen zu Hunderten gibt.

Doch was sind das für Anlagen?

Der Skilift rechts ist 53 Jahre alt. Er wurde von Theo Brunner erbaut, dessen Produkte unter dem Namen „Tebru“ bekannt sind.

Wie inzwischen bekannt ist, basiert die gesamte Skilifttechnik der Zürcher Oberländer Städeli Lift AG (Oetwil am See) auf Theo Brunners Erfindungen – Brunner verliess um 1960 Walter Städelis Maschinenfabrik im Streit. Städeli baute die Tebru-Konstruktionen unter eigenem Namen weiter.

Derweil war die Lauchernalp zu Beginn der 1960er noch unerschlossen.Es gab allerdings Anlagen ab Kippel via Haispiel nach Hockenalp, die hier diskutiert wurden und die auch in diesem Buch erwähnt sind. Auf bergbahnen.org sind Baujahre um 1960 vermerkt.

Dauerhaft Erfolg hatte dann aber erst die Erschliessung der Lauchernalp via Wiler. Erste Offerten für den Skilift Lauchernalp sind von 1962 erhalten. Brunner arbeitete damals für die Zürcher Firma „Skima“ eines gewissen Herrn von Arx (mehr zu Skima-Projekten u.a. hier).

Im April 1963 offerierte Skima gar zwei Lifte auf der Lauchern:

Doch auch mit von Arx kam es zum Zerwürfnis. So sind jene Offerten, die dann tatsächlich zum Bau des Lauchernalp-Liftes führten, wiederum mit jenem Namen überschrieben, den er schon in den 1950ern verwendete: „Tebru“.

Mitte 1964 waren die Walliser dann offenbar so weit; Brunner schickte nochmals eine konkrete Offerte (mit dem seltsamen Argument, dass sie „nur“ 7% höher läge als bei diejenigen, die er noch bei Skima gemacht hatte)…

… und berechnete – nach einer mutmasslichen Rückfrage, ob es nicht etwas günstiger ginge – die Anlage im September 1964 neu.

 

Auf der Karte von ca. 1964 hatte Brunner feinsäuberlich seine Ideen für Skilifte auf der Alp eingezeichnet. Sichtbar sind darauf links auch die bestehenden Anlagen ab Kippel:

Mehr Tebru-Dokumente befinden sich in diesem Album.

Alsbald wurde der Schlepplift gebaut, er ging wohl 1965 in Betrieb, und bis 1982 (als die parallele Sesselbahn erstellt wurde) sah es auf der Lauchernalp so aus (Postkarte aus dem Archiv von Jakob Schuler):

Mit Städeli wie auch mit Skima lieferte sich Brunner übrigens einen jahrelangen Rechtsstreit um Konstruktionspläne und Geld. Zuguterletzt betrieb er eine Velowerkstatt in Illnau-Effretikon, war aber weiterhin als Berater im Seilbahnbereich tätig, u.a. auch im Bereich Pistenmaschinen. Zudem erfand er einen Glace-Portionierer.

So schwierig seine Persönlichkeit gewesen sein mag – er muss ein hochinteressanter Kerl und Tüftler gewesen sein, die Schweizer Seilbahnbranche verdankt Brunner viel. Schade, dass er heute weitgehend unbekannt ist. Brunners Sohn Peter hat Jakob Schuler und mir vor einigen Jahren freundlicherweise diverses Material aus dem Tebru-Nachlass vermacht. Darunter waren auch die hier abgebildeten Dokumente und viele Briefe, von denen einige in diesem PDF erhalten sind (es geht hier primär um das Verhältnis zu Städelis Firma) – zwischen den Zeilen spürt man trotz aller Verbitterung einen grossen Schalk.

Eine etwas leichtere Tebru-Anlage bleibt übrigens in La Corbatière NE weiterhin in Betrieb.

Die Sesselbahn des Steffisburger Herstellers Küpfer – dessen Skilift Homberg wir im Januar besucht haben – stammt aus dem Jahre 1982. Sie ist ein klassischer langsamer 2er-Sesselilift mit gelben Plastik-Querbalken-Sitzen. In Eischoll steht dasselbe Modell – und auch diese Bahn wird heuer abgerissen.

Küpfer wurde – wie 1990 übrigens auch die Städeli Lift AG – anno 1987 von Garaventa übernommen. Die Innerschweizer Firma fusionierte ihrerseits mit Doppelmayr zum grössten Seilbahnhersteller der Welt.

In der Schweiz baut aber auch die Flumser Bartholet AG recht viele Bahnen; der Seniorchef kennt Theo Brunner noch aus der gemeinsamen Zeit bei Walter Städeli. Man kann also sagen, dass in fast allen hierzulande aufgestellten Bahnen noch ein wenig Tebru drin steckt.

Ohnehin ist die Erschliessung der Lauchernalp eine spannende Geschichte. Nachdem die Anlagen von Kippel her abgerissen wurden, fanden 1970 (bis Märwig) und 1973 (Gandegg) Erweiterungen bis 2700m statt (Habegger-Lifte). 1972 wurde (laut dem Lötschentaler Museum „mit englischem Kapital“) die erste Pendelbahn Wiler-Lauchernalp erstellt. 1986 wurde die Anlage Stafel-Märwig durch eine heute nur noch selten vorhandene kuppelbare 3er-Sesselbahn ersetzt und bis Gandegg hinauf gezogen.

2003 war der Milibachgletscher dann so weit zurückgegangen, dass man für die letzte Gebietserweiterung auf den eisfrei gewordenen Felsen die Masten einer Gondelbahn auf den Hockenhorngrat (3111m) setzen konnte. Das macht die Lauchernalp zum siebthöchsten Skigebiet der Schweiz (nach Zermatt, Saas-Fee, Verbier, St. Moritz, Saas-Grund und der Belalp).

Das Video der beiden alten Lifte Lauchernalp-Stafel vom letzten Donnerstag:

Derzeit herrschen übrigens traumhafte Schneeverhältnisse – ein Ausflug auf die Lauchernalp sei nicht nur Seilbahnnostalgikern wärmstens empfohlen. Aber man darf ruhig noch einmal in die altehrwürdige Tebru-Talstation mit viel Holz und dem charakteristischen Geruch hineinschauen.

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden / Grencheberg / Ottenleuebad / Homberg

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