28.01.2017

Vintage-Skifahren, Teil 31: Homberg

Ich habe mich am Montag anlässlich des Göttimeitschi-Weihnachtsgeschenks für Homberg entschieden, da ich noch nie hier war und da ich Sophie an sich gerne langsam einmal alleine auf dem Bügel hinauffahren gesehen hätte (seit diesen Zeiten sind nun zum Glück doch ein paar Jährchen ins Land gezogen). Das kann man hier ideal lernen.

Und man kann hier die Kleinen auch mal eine Abfahrt alleine fahren lassen, ohne dass man sich aus den Augen verliert. Zum Beispiel, um das Gebiet zu dokumentieren. Hand aufs Herz: Kannten Sie den Skilift Homberg, in kürzester Reichweite von Thun, Bern und Umgebung?

Die selbe Idee hatten zum Wochenstart auch zahlreiche Mütter und Väter, die sich mit ihren Kids hier die Zeit vertrieben, dazu Senioren und Teenies aus der Gegend.

Die Hochnebelgrenze lag relativ tief, kurz vor Homberg kamen wir aus dem Nebel, der nur leicht ins Zulgtal hinein ragte.

Einen Hügelzug weiter – gleich gegenüber – wäre der Skilift Heimenschwand, der aber nach einigen Januar-Betriebstagen „auf mehr Schnee wartet“, wie es im Netz heisst. Und ganz hinten im Tal liegt das längst abgeklapperte Skigebiet Eriz.

Nun, die Schneelage ist derzeit auch im Weiler Dreiligass der Gemeinde Homberg – gleich oberhalb von Steffisburg bei Thun – nicht gerade berauschend, auch wenn der Lift erst auf der immerhin 1100m hohen Winteregg endet.

Aber man gibt sich alle Mühe und karrt den Schnee sogar mit einem Traktor aus dem nahegelegenen Schattenhang heran. Vorbildlich!

Dennoch empfehle ich momentan (Januar 2017) auch hier nicht, die neuesten Skis mitzunehmen. Die Erdknollen und stellenweise auch Steinchen sind keine gute Belagspflege. Nach zwei Abfahrten weiss man aber, wo es besonders prekär ist – und es gibt durchaus problemlose Varianten.

Ein wenig Grasnarbe und Scholle gehört aber auch zu so einem Ort. Und meine federgewichtige 9-jährige Begleitung entdeckte sogar etliche Off-Piste-Varianten für sich. Stolz nannte sie die rund 25-30cm weisse Pracht „Tiefschnee“.

Die 600m lange Küpfer-Anlage von 1969 – hergestellt gleich im Nachbarsort – ist genau der Lift, den ich als Kind immer besitzen und betreiben wollte. Nahe an den Häusern und Gärten, nicht weit oben in den Bergen, in einem Holzhaus beginnend, mit viel Enthusiasmus gehegt und gepflegt.

Leider wurden die beinahe schon Antiken Röhrs-Gehänge mit Stahleinzugsseilen auf diesen Winter hin durch Habegger-HA75 mit quer stehenden Langbügeln ersetzt. Schade für uns Liftnostalgiker.

Drei Röhrsgehänge, eines davon mit Holzbügel, sind noch in der Talstation als Erinnerung archiviert.

Der Lift fährt zügig, die Masten röhren so richtig deftig vor sich hin, die Rollenbatterien rattern wunderschön. Es gibt Nachtskifahren und eine kleine Beiz. Man fährt zwischen Obstbäumen durch, an Bauernhöfen und Schafen vorbei. So muss ein Skilift sein.

Die Lift-Website hat übrigens sogar eine Webcam. Am Mittwoch war die Anlage zum Beispiel gänzlich in Nebel gehüllt.

Das Video vom Montag:

Der Film von Michael Meier mit mehr Schnee und den alten Bügeln (2013) ist hier abrufbar. Als ich mit der Kamera auftauchte, fragte mich der freundliche Bügelgeber als erstes: „Kennst du den, der fast jedes Schweizer Skigebiet dokumentiert? Der war vor ein paar Jahren hier.“ – Ich antwortete lächelnd: „Ja, der ist meistens vor mir da, aber ich bin auch genau so einer.“

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden / Grencheberg / Ottenleuebad

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