Wenn Software überladen wird

In regelmässigen Abständen gelangen neue Betriebssysteme und Software auf den Markt, die eigentlich niemand will.

Windows Vista ist das klassische Beispiel – ich kenne genau zwei Personen, die bei einem Neukauf bei Vista geblieben sind; alle anderen haben entweder sofort oder nach einer Woche entnervt auf das stabile und bewährte XP downgegraded.

Die sinnlose Jedes-Jahr-ne-neue-Version-Policy ist eine reine Geldmacherei, benötigt doch z.B. Vista meist einen neuen, sehr performanten Rechner. Hand aufs Herz: Wer braucht die neuen Funktionen wirklich? Wer nervt sich nicht über die bevormundenden, inflationär erscheinenden Warnfenster?

Oder wer hat sich nicht schon über die komplett neue Menuführung von Office 2007 geärgert, wo man nichts mehr findet? Eine bewährte Software dergestalt umzustellen und auch das Zurückschalten auf das alte “Look and Feel” zu verhindern… Horror – vermutlich der Usability-Supergau dieses Jahrzehnts. Immerhin machen viele Informatikdienste und Anwender nicht mehr mit bei diesem Spielchen und lassen das Upgrade sein – oder holen sich OpenOffice.

Neue Versionen von Software laden meist 100x langsamer, sind mit überflüssigen “Features” überfietschert und benötigen viel mehr Festplatten- und Arbeitsspeicher. Ich bin mit zum Beispiel mit Photoshop 6 und Office 97 nach wie vor völlig zufrieden. Ich brauche schlicht nicht mehr – den meisten wirds ähnlich gehen.

Ein weiterer Sünder: Das bisherige kostenlose Antivirus-Programm meiner Wahl, AVG Free, war bisher ein schlanker und unauffälliger Begleiter. Updates gingen rasant schnell vor sich, sie waren schlank und rank (einige KB). Vergleichen mit dem unsäglichen Norton, das jede Woche mehrere Megabytes auf die Harddisk schaufelte, war das eine Wohltat.

Bis zur Version 8 – dass die Kundschaft der Free Version nun vermehrt mit nervenaufreibenden Popups genervt wird, um sie zum Kauf der Vollversion zu bewegen, mag ja noch verständlich sein, auch wenns bisher anders ging.

Besonders stossend aber: Die Updates sind viel grösser geworden (manchmal im MB-Bereich) und benötigen plötzlich meist einen Neustart des Rechners, der ähnlich penetrant wie bei den Windows-Updates eingefordert wird. Mühsamst! Es wurde zudem unnötigerweise ein Linkscanner (“Safe Surf”, “Safe Search”) integriert, der sich im Browser einnistet und Ressourcen sowie Ladezeit frisst.

Und wer braucht bitte eine “AVG Security Toolbar” im Browser? Wieso hat jede Software das Gefühl, sie müsse die Geräte mit unnötigem Mist vollmüllen und auch noch weitere Software anpassen? Die Toolbar enthält unverständlicherweise auch noch eine Yahoo!-Searchbox, die nicht entfernt werden kann. Wozu?

Ein User in diesem Forum bringts auf den Punkt: “This is the key. Most AV users that had AVG in the past did a default install and had good results. Now they must customize the installation to have a usable system? Sorry, but that’s just wrong.”

Immerhin zählt AVG hier Möglichkeiten auf, die überflüssigen Funktionen gar nicht erst mitzuinstallieren. Werden sie bloss deaktiviert, erscheint ständig ein bevormundend warnendes Ausrufezeichen im AVG-Icon:

Nervige Popups und Ausrufezeichen im Icon (AVG 8, Mai 2008)

Dieses Forum bietet jedoch noch die bessere und komplettere Anleitung; so wird auch gleich die Werbung ausgeschaltet.

Ein Windows-Freak freut sich, doch ein Laie ist mit diesem Manual hoffnungslos überfordert – so lautet denn auch der Schlusskommentar des Tweakers: “These issues and steps are truly a poor reflection on the AVG folks – an installation should not be so hard!”

JacoBlök hats aber so gemacht – und es läuft. Mit diesen Anti-Werbung-und-unnötige-Funktionen-Tweaks ist AVG 8 fast wieder so brauchbar wie AVG 7.5.

19 Kommentare

  1. Drei, gehöre auch zu den Vista-Sündern. Ein paar Sachen abgestellt, läuft eigentlich ganz gut und auch ziemlich schnell. Hatte zwar keine Luste zum Wechseln, aber noch weniger, auf dem neuen Compi XP von vorne zu installieren.

    Als Antiviren-Programm benutze ich seit Jahren Avast (www.avast.de), läuft anstandslos, sogar unter XP… Keine Werbung, man muss nur jährlich die (Gratis-)Lizenz erneuern.

  2. vier: auch ich nutze seit einem halben jahr ganz zufrieden vista ultimate. die nervigen admin-fensterchen poppen nur am anfang auf, danach verhält sich vista viel freundlicher als windows xp. gerade was das arbeiten als gewöhnlicher user angeht: vista trennt hier sauberer zwischen administrator und normalem user als xp. was ich ebenfalls an vista sehr schätze: die file-indexierungsfunktion, der durchdachtere explorer, das bessere sicherhietskonzept…

    was avg angeht: hier hilft definitv lesen. bei der installation frägt einem avg sehr wohl, ob die yahoo-bar installiert werden soll. auch was die werbe pop-ups angeht, habe ich weder unter xp noch unter vista irgendwas anstössiges bemerkt. wie auch in avg 7.5 muss man auch im avg 8 alle störenden optionen ausschalten (mail meldung, zeitplan für scan und updates).

    aber jetzt hopp swiz

  3. Lustig, habe gerade dieses Wochenende nach etwa 5 jahren Mc Affee bezahlen auf AVG gewechselt und war von diesem Browser Gimmick eigentlich positiv angetan. Als Mc Affee (und früher Norton) geschädigter bin ich hellauf begeistern von der Schlankheit von AVG. Und bisher hatte ich auch kein einziges Popup. Die werbung im Browser habe ich schon beim installieren abgestellt. Mal schauen wie sich das Teil weiter bewährt.

  4. @sultan: Mag sein, dass AVG diverse Fragen stellt beim Installieren. Nur – und das weiss ich halt als PC-Pfleger diverser eher unbedarfter User in Bekanntschaft und Verwandschaft sehr gut – fehlt den meisten Leuten nur schon das Verständnis dafür, was eine “Toolbar” ist. Die Klicken da einfach “weiter” und denken sich nichts dabei bzw. sie können nicht wissen, dass das ihren PC verlangsamt, wichtige Pixel im Browser kostet usw.

    Ja, man kann sagen, dass man solche Leute schon gar nicht an einen Rechner lassen dürfte, aber so ist nun mal die Realität. Darum müssen die Hersteller solche unnötigen Gimmicks am besten weglassen – ich war kürzlich bei einem Freund, da waren zig unnötige Toolbars im Browser.

    OK, man kann dann mit Fug und Recht sagen, dass für solche Leute auch Tools wie “Safe Search” nicht schlecht sind, bevor sie auf versuchten Seiten landen 🙂 Aber für unsereiner sind solche Funktionen IMHO einfach nur nervig – und abgesehen ist es wie üblich nicht lieb, wenn eine Software das Look and Feel eines der wichtigsten Instrumente auf dem Compi (dem Browser) einfach so verändert.

    @Snook: AVG ist tatsächlich schlank, verglichen mit den “Grossen” – nur könnte es eben noch schlanker sein, und für Power User könnte man durchaus eine “customized version” ohne all den Toolbar-Suchmaschinen-Überwach-Schrott anbieten, ohne dass man weiss nicht was für Verrenkungen beim Installieren machen muss.

  5. Aber für unsereiner sind solche Funktionen IMHO einfach nur nervig – und abgesehen ist es wie üblich nicht lieb, wenn eine Software das Look and Feel eines der wichtigsten Instrumente auf dem Compi (dem Browser) einfach so verändert.

    Dann ist ja alles in Ordnung, denn ‘unsereiner’ wird sich ja wohl noch zu helfen wissen und kann schon beim Installieren die unnötigen Features ausschalten. Mir ging es jedenfalls so, ich hatte da keine Probleme damit (ist ja bei der Installation von z.B. Skype identisch)

  6. Ist eben nix in Ordnung… die Usability, diese Funktionen loszuwerden, könnte massiv verbessert werden. Das würde ich von einem Unternehmen, das eine an sich so coole Software anbietet, schon erwarten.

    Ich werde demnächst auf einem weiteren PC AVG 8 installieren; ich werde die Standardinstallation dann mit Screenshots dokumentierer und lass mich sonst gerne eines besseren belehren, wenn alles halb so schlimm sein sollte…

  7. Also… die Toolbar kann man tatsächlich “abbestellen” – aber wie gesagt, ein nicht versierter User wird da einfach durchklicken. Die für viele unnötigen Ballaststoffe wie SafeSearch und andere doofe Browserplugins kann man aber während einer normalen Installation NICHT beeinflussen.

    Zudem musste ich bei der Neuinstallation dreier PCs bei einer Kundin wieder mal feststellen, dass tonnenweise Dinge gegen seinen Willen geschehen: Wenn man den Flashplayer installiert, hat man auch gleich (ausser man hat das seeehr am Rand platzierte und standardmässig angekreuzte Feld entkreuzigt) die Google-Toolbar in der Brause.

    Wenn man den Adobe Reader installiert, muss man die Google Toolbar extra wegklicken – sonst hat man sie wieder. Nach dem Download prangt ein Adobe-Download-Shortcut auf dem Desktop.

    Leute… was soll der Seich? So ist eine frisch installierte Maschine umgehend wieder vollgemüllt, und wenn nicht Onkel Blöker am Werk wäre, die Kundin würde innert kürzester Zeit wieder in einem Chaos an Icons, Shortcuts und Toolbars versunken. Das ist doch Schrott sowas.

  8. das ist dann wohl das ewige dilemma aller brauchbarer software: präsentiere ich die option zum abstellen (und verwirre ich den nutzer) oder baue ich die funktion gar nicht ein, um dann später feststellen zu müssen, dass mein produkt als ‘unsicher’ bewertet wird, weil es bestimmte sicherheitsrelevante funktionen nicht aufweisst (safesearch ist für unbedarfte user ganz praktisch). so gesehen kann man es wieder niemandem recht machen.

  9. Gelesen und upgedated, ja…

    Hier ein weiteres Beispiel unsäglicher Penetranz eines eigentlich als “nett” bekannten Unternehmens: Nach dem Java-Update prangten plötzlich nie und nimmer bestellte Icons im Startmenu und auf dem Desktop meiner Freundin:

    Was soll der Scheiss?! Ich finde es unsäglich, dass mit Sicherheitspatches auch gleich Werbung an zwei Orten auf der Kiste verteilt wird. OpenOffice ist eine gute Sache – aber dass dafür so gespammt wird, ist ein Skandal.

  10. Seit wann ist Sun Microsystem ein ‘nettes’ Unternehmen? (Die Java Runtime Engine wird durch Sun produziert) Andersherum ist OpenOffice ein lohnenswertes Produkt, dass eben nur gratis zu haben ist weil Sun es finanziell unterstützt. Also umgekehrt wird hier ein Schuh draus: Nur weil es solche ‘mutigen’ Firmen wie Sun gibt, kann es so gute und freie Produkte wie OpenOffice geben. Da dürfte es bitz Werbung für die Sache durchaus auf fruchtbaren Boden fallen (hoffe des Blökers Freundin hat dann auch gleich OO installiert?)

  11. OO mag cool sein – aber ich mag Spam weder in den Inbox noch auf dem Desktop.

    Deine Aussage hiesse ja: Spam ist nicht schlimm… stell doch mal Deinen Mailfilter ab für einen Tag! Wenn jedes Proggi, das du updatest, auch noch Icons für weitere Produkte hinterlässt – viel Spass…

  12. 🙂 ich sage nicht ‘spam ist nicht schlimm’. Ich stelle nur fest, dass Sun sich zusammen mit MySQL finanziell für ein sehr gutes Projekt einsetzt, damit du und ich und deine Freundin dieses *gratis* benutzen können (ich hoffe, ihr tut das auch!).
    Das dir Sun bei der Installation eines weiteren ihrer Gratis-Produkte auch noch Werbung mitliefert, sollte dich eigentlich nicht gross stören. So viel ich weiss, hattest du auch mal Eudora eingesetzt gehabt, und da wurde man mit Werbung nur so zugepflastert (hast du deswegen konsequenterweise gleich Eudora von der Platte geputzt?).
    Auch wenn ich deinen Blog lese, so werde ich mit Sprüchen wie ‘Windows schneller machen’ und ‘Algarve- nette Fewos’ belästigt.
    Beide Male tolerieren wir offenbar die Werbung. Warum jetzt so gestreng mit Sun umspringen? Oder schaltest du auch bald die Google-Ad-Words auf deinem Blog aus?

  13. ich sage nicht “spam ist nicht schlimm”. Ich stelle nur fest, dass Sun sich zusammen mit MySQL finanziell für ein sehr gutes Projekt einsetzt, damit …

    Ja, genau. All die Pillen, Socken und Börsennotizen in der Mailbox sind auch echt super! Da kannst Du echt profitieren fürs Leben!

    Nee, so läuft das nicht.

    Niemand zwingt dich, auf meine Google Ads zu klicken; die verlangsamen auch das Laden der Seite kaum. Hingegen ist das Löschen eines Icons auf dem Desktop mühsam, und ein Laie schafft das Löschen eines Icons im Startmenu NICHT. Ich spreche aus Erfahrung.

    Vergleiche bitte nicht Äpfel und Birnen.

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