Vuvuzelas: Nä-ä!

Der Ball rollt, wunderbar! Wie so oft ist das Eröffnungsspiel unentschieden ausgegangen.

Alles andere als unentschieden bin ich zum monotonen Dauergetröte im Hintergrund, das schon bei der U17-WM in Nigeria irritierte. Inzwischen ist mir klar, das müssen nun diese Vuvidingsda sein. Ist man ein Rassist, wenn man sich über sie nervt und sich fragt, was man in Afrika daran wohl so toll findet? Oder sich schläfenkratzend fragt: Können billige Plastiktrompeten wirklich eine “Tradition” sein?

Nun denn – andere Kontinente, andere Sitten: Ich erinnere mich, dass auch an der vorletzten WM in Asien eigenartige Hintergrundgeräusche zu hören waren, wie etwa auch bei Skirennen in Japan – sie sind noch um einiges schriller als die afrikanischen Blasinstrumente. Wollen wir uns also hüten, zu richten. Offenbar ist die Rezeption solcher Töne je nach kulturellem Hintergrund einfach schlicht anders. Wie gewisse Essensgewohnheiten halt auch anders sind.

Zumal das Trötengeräusch konstant wie ein Bienenschwarm im Hintergrund summt, wäre es relativ einfach rauszufiltern: Anstatt die KonsumentInnen mit Aufnahmesperren zu schikanieren, könnte ja zumindest die Cablecom als grosse Anbieterin einen vuvuzelagefilterten WM-Sonderkanal aufschalten.

Und mein Bruder könnte für alle Satelliten- und Analogseher im letzten Jahr seiner Lehre als Multimediaelektroniker DIE schlagende Erfindung machen und reich werden: Bröser, bitte konstruiere einen einfach zwischen TV und Antennenbuchse zu steckenden Vuvuzela-Filter – ich bin überzeugt davon, dass er hierzulande ein Riesenerfolg wird.

Die Vuvuzelas werden auch andernorts als möglicher Stimmungskiller für Europäer identifiziert: In Facebook erschien kurz nach dem Anpfiff der erste Kommentar “Schon nach 13 Minuten nerven mich die Vuvuzelas”, allerdings gefolgt von einer Kollegin mit “bienenschwarmgeräusch im stadion – mich stört des ned! sounds like home to me! go south africa go!”

In einem deutschen Forum gehen die Reaktionen von “Angriff der Killerinsekten! Tinnitus! Ah!” bis “ich krieg ne Krise”. Jemand hat sich gar “vuvuzelas.org” reserviert und schreibt: “Wir wollen niemanden seine Kultur oder Tradition absprechen! Aber wir finden: 90 Minuten Tröten ist genauso unsportlich und unspannend, wie jeden Ballkontakt des Gegners auszupfeifen.”

Dann hoffen wir zweierlei: Dass die seltsamen Instrumente auf keinen Fall den Weg in die Schweizer Fasnachtsszene finden. Und vor allem, dass die Tröten in den nächsten vier Wochen nur von den Rängen summen und nicht auf dem Platz stehen. Auf spannende Spiele!

14 Kommentare

  1. Angeblich skandieren die Franzenfans derzeit den Namen “Henry” – nur, wegen den Vuvuzelas hört man das nicht.

    Das gesamte Spiel lang herrscht einfach ein monotones Trötsummen – Gesänge, Jubel, Stimmungsschwankungen im Publikum gehen im Vuvusumpf unter. Echt gute Stimmung, doch doch. Ächz.

  2. Dacht ichs doch: “The Vuvu’s are a recent creation that have no place in the rich cultural diversity known as South Africa! In fact the Vuvu is so disappointing, South Africans have such incredible rhythm and ability to create moving song it is sad that the culture has reverted to a mindless slaughtered goat wail instead!” (Quelle: Facebook-Gruppe “FIFA- BAN THE ANNOYING VUVUZELA (HORN) FROM THE SOUTH AFRICA WORLD CUP!“)

    Und auf spon: “Denn das Vuvuzela-Geblase ist nicht nur anstrengend fürs Trommelfell, sondern es verhindert auch jenes wunderbare Phänomen, das in Deutschland mit dem Bild vom überspringenden Funken beschrieben wird. In afrikanischen Stadien gibt es nur selten diese magische Wechselwirkung zwischen Sportlern und Publikum, weil Fußballspiele fast immer eingehüllt sind in ein monotones Getrommel und den ununterbrochenen Ton der Plastiktröte. (…) Denn jede Kritik an der Trompete wird am Kap sofort als europäischer Angriff auf die eigene Fußball-Kultur empfunden. Im Extremfall gelten Gegner des Geräts als verkappte Rassisten, die kein Verständnis für Afrikas kulturelle Eigenart hätten. Dabei ist die Vuvuzela (…) keineswegs ein Instrument mit langer Tradition. Weder in Form noch Lautstärke hat die Vuvuzela viel mit dem traditionellen Kudu-Horn zu tun, es ist daher absurd, eine vor ein paar Jahren aus Amerika importierte und erst seit kurzem industriell hergestellte Plastiktröte zum afrikanischen Kulturgut zu verklären.”

    Oder ein Kommentar bei “Fuck Vuvuzelas“: “I am an african. First WC in Africa and they had to come up with this fucking retarded aka “traditionnal” instrument that sounds like elefant sized mosquitoes. As I have read somewhere; cheering, chants, and fans reactions are part of the football match opera. And NOT that BUUUZZZZZZZZZZZZZZZZZ.”

    Aus lindwurms Blog: “Einen Rassismusvorwurf will ich übrigens nicht hören, denn ich bin Vater von zwei farbigen Töchtern und abgesehen davon sind diese beschissenen Vuvuzelas in den restlichen Ländern Afrikas unbekannt.”

    Kontrapunkt von amade: “aber jetzt mal im ernst: sind wir so verdammt kleinmütig, ignorant und dämlich, dass wir das bisschen echte südafrikanische fussballkultur auch noch verbieten müssen?”

    Lionel Messi scheint das Getröte auch nicht zu mögen.

  3. Wieder einmal hast du einen guten Riecher bewiesen und die Vivudingsdas thematisiert, bevor es die Onlineportale taten. Dass du damit sogar die Blogwerk-Blogs abgetrocknet hast, ist famos. Herzliche Gratulation zum 1. Platz.

    Apropos Vuvuzelas: Ich gucke mir am Nachmittag das ganze Spiel Argentinien – Nigeria an und fand das Getröte nicht störend- Ist schon ein Filter drin?

  4. Ich habe den Eindruck, SF (oder die Produktionsfirma in Südafrika?) experimentiere während des Spiels Holland-Dänemark mit gewissen Filtern; ab und zu tönt der Kommentator anders, zwischendurch verstummen die Fuckyouzelas für wenige Sekunden abrupt, wie wenn jemand einen Filter an- und abschalten würde.

    Und: Hoffnung besteht

  5. Lieber Vuvuzuelas alls saufende,randalierende Idioten die den Fussball als Ventil zum Frustabbau benützen.Uebrgens: Setz mal eine Bierflasche an und blas in die Vuvuzuela ! Daher besser das im Stadion statt Fackeln, Dosen etc

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