Vor 20 Jahren: Sek-Abschluss

Frühling 1988: Die obligatorische Schulzeit ist zu Ende, an der Sekundarschule Sissach findet eine rauschende Abschlussparty statt.

Am letzten Schultag fuhren wir als Blumenkinder verkleidet auf einem Traktor-Anhänger durch die Gegend, abends Sek-Abschluss im Westernlook: Sissach, Frühling 1988 (wie wir damals sagten, von links nach rechts: Tanner, Tschaggi, Charly und Fröschli - mit weissen Socken und Timberlands...)feierten wir im Western-Look. Und tanzten “geschlossen” (der Flyer mit der Band “The Courage” ist hier abrufbar). Dass ich bei Lisi nicht landen konnte, fuchste mich nur wenige Tage – doch dazu ein andermal.

Am 25. März berichtete ich am Lokalradio, wie die Vorbereitungen fürs Abschlussfest laufen. Was OK-Mitglied Nina (hier mit Neon-Skianzug) wohl so macht heute? Ihren Wunsch, Swissair-Flight-Attendant zu werden, erfüllte sie sich jedenfalls, wenn ich mich richtig erinnere.

(Downloaden / Im eigenen Player anhören – MP3, 8 MB)

In der Abschlussrede missbrauchte ich zugegebenermassen das Vertrauen des Rektors und fuhr (als Hippie verkleidet) eine Breitseite Die Sek-Abschlussrede in der Sissache Aula: Der Blöker im März 1988 als Hippiegegen einen unbeliebten Lehrer, der sehr gerne handgreiflich wurde und den wir in unserer Schülerzeitung deswegen (und auch wegen seinem Kettenraucherdasein) immer wieder ins Visier genommen hatten. Manchmal wundert es mich, wie frech und an der Grenze zur Beleidigung wir mit 14 schrieben und uns auch nicht durch Vorladungen aus der Ruhe bringen liessen. 1986 warfen wir “Lehrer XY”, wie wir ihn stets nannten, “verminderte Unzurechnungsfähigkeit” vor, was wohl selbst “XY” einen so süssen Fehler fand, dass er uns nicht wegen übler Nachrede verklagte.

Nun; die Chance auf den finalen Angriff zum Schulabschluss – nothing left to lose – liess sich Klein Blöker natürlich nicht entgehen. Ich bereue nach wie vor nicht, dass der Betroffene später seinen Job verlor, im Gegenteil: Er war der klassische frustrierte Pauker aus den 70ern, den man nie auf Kinder hätte loslassen dürfen.

Das Sek-Ende war zugleich der Schlusspunkt für die Schülerzeitung “FGOI” meines Kumpels Patrick und mir. Nach sechs Jahren, 411 Seiten und 50 Ausgaben beschlossen wir, mit der aufwändigen Zeitungsmacherei aufzuhören – Schreiben, auf 5.25″-Disks Speichern, auf einem Nadelprinter Ausdrucken, Setzen (Kleben hiess das damals), Matritzen Brennen, im Keller auf einer antiken Druckmaschine 150 Exemplare selbst Drucken und Bostitchen, Adressetiketten Aufkleben, Versand, Aboverwaltung (mit einem schnellen BASIC-Programm auf einem “Osborne One“)… das war nicht ganz ohne. Die Abschlussnummer ist hier als PDF abrufbar.

Themen: Der “Computerclub Oberes Baselbiet” (ein Mitglied berichtet von seinen Atari-Programmen), zum Nachdenken der Songtext von Rio Reisers “Blinder Passagier”, eine neue Beiz namens “Schickeria” in Sissach, die die Geister spaltet, ein Skiferienbericht samt Pommes-Frites-Test und Ski-Vergleich (“Rossignol 3G Abschluss nach sechs Jahren Schülerzeitung FGOI: Kumpel Tanner (rechts) und der Blöker feiern die grosse Freiheit (Frühling 1988 - Foto: Stefanie Jacomet)– wie ein fliegender Teppich”), Rückblicke auf unsere Redaktionszeit 1982-1988.

Und natürlich viel Schulnostalgie: Unsere Klassenlehrerin versetzt meinen Spickkollegen “Igi” unerbittlich auch in den letzten Prüfungen (er hat seinen Doktortitel später dennoch geschafft), die erwähnte Nina wird vom Mathelehrer zu einem Tennismatch eingeladen.

Interessant sind jeweils die Tabellen mit den Berufswünschen und Prophezeiungen auf Seite 17 – und die Situation 20 Jahre später: Nein, aus dem Blöker ist kein “Strassenputzer / Frauenarzt / Sexshopbesitzer” geworden. “Igi” wurde auch nicht Vibratorhersteller. “Luky” hingegen ist tatsächlich “etwas Bankiges“, wenn auch nicht “Börsenspek.”

Katja hat ihre Musikerinnenkarriere erfolgreich fortgesetzt und ist tatsächlich – wie vorhergesagt – Pianistin. Eine ebensolche Punktlandung machte Ursi als Physiotherapeutin. Oli wurde nicht Polarforscher – ist aber immerhin auf einem anderen Kontinent tätig und hat massgeblich an der neuen Tagi-Website mitgearbeitet -, Yves wurde nicht “Schissibutzer”, “Garph” nicht Journalistin. “Rüebli” (sorry, Thomas) ist ein geschätzter Hostingkunde, aber kein “Dipl. Jinglesucher”; mein Sek-Schwarm “Sidi” dafür – die sich 1988 immer nur für Pirmin und andere Walliser interessiert hat – ist tatsächlich Ärztin und… hat mit einem Walliser eine Familie gegründet.

Für letzte FGOI-Ausgabe hielten wir auch eine kleine Fotosession ab (siehe Schwarzweissbild oben) – gestern Abend versuchten wir die Bilder 1:1 nachzustellen. Die Zeit hat Spuren hinterlassen – hier sind die Vergleichsbilder

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