Vor 10 Jahren: Autsch

Der frische Bruch (oben) und die ersten Schrauben: Schienbeinkopfbruch vom 13.4.2001Eigentlich müsste ich ein künstliches Kniegelenk haben – so jedenfalls stellte ich mir das bibbernd in den Tagen nach dem Beinbruch vor, den ich mir heute vor genau zehn Jahren auf der Piste zugezogen habe. Der Sulzschneehaufen im Sedruner “Val Val” war stärker als meine Knochen.

Aber es kam alles viel besser: Zwar zwickt das Knie bei fast jedem Schritt, aber daran habe ich mich längst gewöhnt; seit der letzten Umstellungsoperation (insgesamt hat man das Beinchen bis 2007 sechsmal aufschneiden müssen) habe ich beinahe die ursprüngliche Funktionalität zurück. Joggen werde ich zwar nie mehr länger können als kurz auf den Zug, aber bis zu 60 Skitage pro Winter verträgt das lädierte Gelenk tipptopp, trotz fortgeschrittener Arthrose.

Seit dem Unfall an diesem (Kar-)Freitag, dem 13. April 2001, bin ich fast 365 Tage auf den Skiern gestanden – wenn mir das jemand am Spitalbett damals gesagt hätte, wärs mir zweifellos besser gegangen. Nachträglich tat’s eigentlich ganz gut, unvermittelt aus dem Alltag gerissen zu werden und vor völlig neue Situationen gestellt; das Leben wäre weniger spannend ohne solche Augenblicke. Und ich habe ganz neue Formen von Sadismus kennengelernt…

Das Wort “Blog” gabs damals noch nicht, aber mir hat’s extrem gut getan, mir die ganze Geschichte quasi vom Leib zu schreiben, auch wenn ich heute natürlich über vieles selbst den Kopf schüttle und wenn viele schon damals fanden, ich sei schonechli en Komische.

Ein wenig stolz bin ich auf das wohl nachhaltigste Derivat der ganzen Knie-und-Unterschenkelgeschichte, dem meines Wissens bisher einzigen spezifischen Tibiakopffraktur-Forum dieses Planeten.

Zunächst habe ich quasi im Alleingang andere “Beinbruch-Opfer” beraten, die meinen Erfahrungsbericht fanden, Reaktionen manuell per Mail gesammelt und aufgeschaltet – irgendwann Mitte des letzten Jahrzehnts gabs dann endlich brauchbare Forensoftware, um das ganze zu automatisieren.

Für Nichtbetroffene: Eine Tibiakopffraktur ist der Bruch des oberen Teils des Schienbeins, meist sind dabei Kniegelenk und auch Bänder betroffen. Mit dem Aufkommen der Carvingskis ist diese Verletzung (auch bei Skistars) sehr häufig geworden.

Das Forum von uns “Tibiaköpflern” ist inzwischen ein Selbstläufer geworden, man berät sich eifrig gegenseitig, die Stammgäste haben gar einen “Plauderstübchen”-Thread für Offtopic-Diskussionen eingerichtet; so manche Online-Freundschaft hat sich dort angebahnt, viele Frischbetroffene haben Trost in den Geschichten der bereits Genesenen gefunden und sich wertvolle Reha-Geheimtipps geholt.

Schön, wenn aus einem mühsamen Ereignis so etwas wachsen kann.

11 Kommentare

  1. 10 jahre – herzlichen glückwunsch lieber andi!!
    für all das erduldete, erreichte, deine stärke und auch fürs nicht aufgeben.

    du bist uns allen (betroffenen) ein riesen vorbild 😉
    danke für dein forum – aus dem tatsächlich ein ort geworden ist, wo man rückhalt findet.

    fühl dich gedrückt und weiterhin gute fahrt !
    Tina

  2. Hallo Andi,
    ganz liebe Grüße aus Nordhessen und ein dickes Dankeschön für dein Forum, es hat mir bereits vom 1. Tag an im Krankenhaus dank netbook ganz doll ,mich dort austauschen zu können.

    Zu Deinem Jubiliäum kann man wohl trotzdem gratulieren 🙂

    afri

  3. Hallo Andi,
    auch an dieser Stelle herzlichen Dank für dein “einziges” Tibiakopfforum, wie du oben schön geschrieben hast.
    Alles Gute weiterhin und Knie heil.

  4. Grias di Andi!
    Nette Grüsse aus Tirol, ich finde es super, dass du trotz einer so schweren Verletzung wieder soviele Skitage genießen konntest. Alles Gute.

  5. Hallo Andi,

    Grüße aus dem Saarland.
    Danke, daß du dieses Forum ins Leben gerufen hast. Es hilft mir im Moment sehr, macht Mut.

    Dir noch alles Gute und weiterhin viele schöne
    Skitage.

  6. Lieber Andi,

    Danke, dass du Deine Geschickte so genau aufgeschrieben hast. 2007 und 2008 musste ich beide Knie umstellen lassen. Damals habe ich oft in Deiner Geschichte gelesen. Das hat mir sehr geholfen. Besonders weil ich auch wieder Skifahren wollte.

    Ich wünsch Dir, dass Du auch die nächsten zehn Jahre weiterhin Deine 60 Skitage pro Winter hinbekommst und das Knie alles mitmacht.

    Alles Gute und Grüßle aus dem Schwabenländle

  7. Hallo Andi,

    Hätte ich Deine Geschicht schon am meinem 59. Geburtstag gekannt, hätte ich im Krankenhaus in Immenstadt am 13.4. noch ein Bier auf Dein Wohl getrunken. So widme ich Dir noch nachträglich eins.

    Wieso Krankenhaus? Tibiakopf-Impressionsbruch am 5.4.11 in Grasgehren.

    Bin jetzt wieder zuhause in einem kleinen Dorf am Rande des Naturpark Spessart und habe Zeit Deine Seiten zu studieren.

    Ich hoffe, Du nimmst mir das “Du” nicht übel, mache das nur bei mir symphatischen Leuten und es bestehen soweit ich mich informiert habe, 20 Jahre Altersunterschied.

    Wünsche Dir alles Gute und bitte, fahre für mich noch einige Abfahrten mit. Warum es bei mir aus gesundheitlichen Gründen vielleicht nicht mehr geht, erzähle ich vielleicht in einem eigenen Beitrag, wenn ich mich angemeldet habe und evtl. zugelassen werde.

    Viele Grüße

    Volker

  8. Hallo Volker

    Ich habe bisher noch keine Anmeldung gesehen fürs Forum, melde dich, wenn du Probleme hast (wegen immens vieler Spam-Anmeldungen aus der Ukraine und China musste ich die Hürden leider etwas höher setzen und eine spitzfindige Kontrollfrage einfügen).

    Weiterhin gute Genesung!

  9. Hallo Andi!

    Werde jetzt nur nicht neidisch! Habe auch so eine hübsche, nette Physio! Sie heist Teija und kommt aus Finnland. Sie quält mich aber nicht. Sie massiert und lockert fast zärtlich meine Kniescheibe, d.h. ich darf jetzt auch nichts negatives schreiben, habe ihr Deine Webseite verraten. Sie war ganz begeistert. Beim nächsten mal hat sie mich mit nach “Portes du Soleil” genommen!? Nein – nicht das in der Gegend vom Mont Blanc in der Schweiz. Balkontüre und raus in die Sonne! War so ein Psychotrick. Mindestens drei Nachbarinnen aussenrum konnten zuschauen, musste mich ganz schön anstrengen bei der Gymnastik, wollte mich doch nicht blamieren.

    Der “Verrat” Deiner Website war wohl ein großer Fehler von mir. Sie will mich nämlich spätestens Mitte Juli verlassen (heul). Ja sie möchte umziehen, dahin wo sie den Bergen näher ist. Hoffnung keimte in mir auf. Doch nicht ins schöne Allgäu, wo ich in letzter Zeit meine Urlaube verbrachte. Nein? Doch nicht in die Schweiz? Doch in die Schweiz, aber an den Zürichsee. Was mache ich bloß? Letztes Jahr im Juli zog auch eine Nachbarin mit ihrer Familie nach Gattikon. Ja die Männer hätten in Zürich gut bezahlte Jobs und es gefiele ihnen dort auch landschaftlich sehr gut. Mich will dort ja keiner mehr. Meine Frau sagt, ich läge seit sechs Jahren nur auf der faulen Haut und ab und zu auf OP-Tischen von Krankenhäusern rum und das wohl auch nur deshalb, weil, je schwerer die OP, desto jünger und schöner die Schwestern. (Stimmt schon). Wenn ich als “Rentner auf unbestimmte” Zeit nicht bald ein paar “Fränkli” im Lotto gewinne, bleibe ich wohl bis zum Ablauf dieser Zeit hier.

    Zum Trost bleibt mir jetzt nur: Ab nach “Portes du Soleil”! Aber wie ich jetzt sehe, scheint dort auch nicht immer die Sonne.

    Und Tschüss

  10. Hej Andi..

    Haben soeben deine Krankheitsgeschichte durchgelesen..und kann dir nur von Herzen Danke sagen..
    Deine Auf und Ab`s haben mich ernsthaft berührt..
    Ich habe mir dieses Jahr (21.05.11) beim Fussball spielen das Schienbein zwei mal und das Wadenbein einmal gebrochen..und hoffe das ich auch schon bald wieder Kicken, Skilehrern, Downhillbiken und Kitesurfen kann..aber erstmal “step by step”..deine Geschichte hat mir aufgezeigt das es sich lohnen wird dafür zu kämpfen..
    also geniese es zumindest diesen Winter auf den Pisten..und wer weis, vielleicht sieht man sich schon bald auf den Innerschweizer Hängen..

    lg aus Luzern
    marius

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