Vom Umgang der Post mit Adressdaten

Na super: Jetzt spammt auch noch die Post. Gestern kam ein unerwünschtes Mail von der Post, genau, von DER POST, vom Gelben Riesen, der die Einnahmen aus den überteuerten Tarifen nicht in den Erhalt des Poststellennetzes steckt, sondern in dümmliche Image-Werbespots, in denen Jimy Hofer seinen Lieblingspöstler loben kann (zumal ich ich der Nähe wohne, könnte es gar der gleiche sein – und der ist tatsächlich cool).

Zur Vorgeschichte: Ich habe mich im Sommer für einen recht lustigen Dienst namens “swisspostcard” registriert. Hier kann man Bilder und einen Text hochladen – die Post druckt das ganze als Postkarte aus und verschickt es. So weit so gut.

Gestern kam ein Mail, in dem die Post einen neuen Dienst namens “Sweet & Easy” anpreist. Hier kann man Schoggi verschicken – das kann ich nun grad gar nicht brauchen. Eine Rückfrage bei der Post ergab: “Sweet & Easy” wird vom selben Team wie “swisspostcard” betrieben. Also dachten sich die Leute da wohl “ha, super, wir haben ja da einen ganzen Satz Mailadressen – und die swisspostcard-Kunden interessieren sich ja sicher brennend für unsere neuen Dienste.”

Nicht genug, dass die Post es Papier-Spammern einfach ermöglicht, auch Haushalte mit Stopp-Kleber vollzumüllen (mittels seltsamer Adressierungen wie “an alle Bewohner der Schweiz”) – nein, auch sensiblen Kundendaten scheint die Post eher fahrlässig umzugehen. Natürlich sind die beiden erwähnten Dienste im weitesten Sinne verwandt. Aber Süssigkeiten zu versenden ist definitiv was anderes als eigene Bilder und Texte – es ist vor allem langweilig bis phantasielos.

Der freundliche Herr von “Sweet & Easy” teilte mir – in der guten alten Manier eines ertappten Spammers – mit: “Wir möchten jedoch betonen, dass es sich bei unserer Werbebotschaft nicht um Spam handelte. Als Spam wird eine elektronische Mitteilung bezeichnet, deren Absender nicht bekannt und nicht lokalisierbar ist.”

Quark: Wenn ich ein E-Mail von einschlägig bekannten Schweizer Spammern bekomme, weiss ich ja auch, von wem es ist, und seine Botschaft ist dennoch unerwünscht. Es ist schockierend, dass gerade die Post mit Mailadressen so fahrlässig umgeht – da ist der Schritt nicht mehr weit zum “hm, für dieses neue Superangebot nehmen wir doch gleich alle Mailadressen, die bei der Post gespeichert sind, da werden sich ja nur wenige nerven, und das Interessiert ja sicher alle”. Erinnert stark an eine Firma, die via Massenmailings mal für Socken, mal für Bettwäsche und dann für Swissairbesteck Werbung macht.

Wenn sich jemand bei einem Dienst mit seiner Mailadresse registriert, ist es in Ordnung, wenn die Firma ab und zu über Neuheiten des Produktes informiert, das gekauft wurde. Von mir aus darf mir eine Firma, bei der ich ein Notebook und eine Festplatte gekauft habe, auch gerne Infos zu anderen Informatikbereichen senden. Aber nicht zum Haushaltgeräte-Geschäft, die zufällig der selben Holding angehört.

In der Regel schätze ich es vor allem, wenn ich als mündiger Kunde schlicht in Ruhe gelassen werde. Bei so einer Firma kaufe ich dann auch gern wieder ein. Wenn ich aber alle zwei Monate irgendeinen Prospekt im Briefkasten habe – z.B. von der Dropa-Drogerie Burri in Bern (dessen feuerwerkophiler Besitzer besser als “Knallfred” bekannt ist) – bei dem man schon von vornherein “wirf mich grad ins Altpapier” draufdrucken könnte, kaufe ich dort garantiert nie etwas.

Ich überlege mir somit nun dreimal, ob ich mein Guthaben bei swisspostcards nochmals erneuere.

8 Kommentare

  1. mittels seltsamer Adressierungen wie “an alle Bewohner der Schweiz”

    Politische Propaganda fällt (zum Glück) nicht in die Rubrik “Werbung”. Dies ist daher völlig legal…

    Aber das andere find ich auch nicht ok… Und die Definition von Spam ist ja ziemlich glatt.

  2. Politische Propaganda ist ebenso unerwünscht – besonders aus der rechten Ecke. Drum schmeisse ich jeweils alles in ein unfrankiertes Couvert und schicke es an den Absender zurück, auf dass das Komitee am Strafporto zugrunde gehen möge. – Oder kann man die Annahme verweigern und so dem Strafporto entgehen? Wäre schade…

  3. Unfassbar, dass die Post so einen Mist macht… siehe Tagi von heute. Natürlich gehts um Geld: "(…) hält die Post bei den unadressierten Werbesendungen einen Marktanteil von rund 50 Prozent und erzielt einen jährlichen Umsatz von gut 120 Millionen Franken. Durch den Werbemissmut der Schweizer gehen ihr aber laut eigenen Berechnungen jährlich 2,5 Millionen Franken verloren."

    Werbemissmut? – Kann man die Post nicht irgendwie gesetzlich verpflichten, einfach das zu tun, wofür sie einmal da war – und sie zwingen, die Finger von Spamming zu lassen? Nicht genug, dass Schaltereinzahlungsgebühren immer noch nicht den Leuten belastet werden, die sie verursachen, sondern den unschuldigen GeldempfängerInnen – die Post spammt uns auch noch voll und verdient Millionen damit. Ich bezahle gerne 5 Rappen mehr für einen B-Post-Brief, wenn dafür der Werbemüll aufhört.

    Immerhin: "Es habe auch einige Reaktionen gegeben von Leuten, die sich durch die Post gestört fühlten." Silberstreifen am Horizont…

  4. Lieber Blöker
    durch Zufall bin ich auf Deinen Kommentar gestossen.
    Es geht Dir ja in erster Linie um die Spams von der Post. Und Dein Blog liegt schon eine Weile zurück. Aber Du erwähnst da die DROPA DROGERIE BURRI und KNALLFRED. Ich weiss zwar nicht, welche Prospektsendungen Du erhalten hast, aber wäre es vielleicht nicht besser, Du würdest Deinen Missmut darüber direkt dem “Verursacher”, d.h. der Dropa Drogerie Burri oder KnallFred melden, statt Dich öffentlich darüber zu ärgern. Damit könntest Du Deinem Ärger ein für alle Mal ein Ende setzen. Ich bin von KnallFred und habe nach dem Lesen gerade die Kundendatei durchgekämmt: es kommt darin kein Herr Jacomet vor.

    Zu Deinem neusten Blog: bei uns im Emmental heisst der Skilift von Eggiwil “SKILIFT IMMERGRÜN”.

    Liebe Grüsse, katrin

  5. Hoi Katrin

    Ja, das mit dem “Immergrün” hab ich auch schon vernommen 🙂

    Betreffend Spam: Ich denke, da bist Du – sorry – nicht ganz korrekt informiert. Die Dropa-Zeitung ist unadressiert und wird durch die Post zugestellt.

    Ich gebe drum auch gerne zu, dass “Knallfred” nicht der Schuldige ist – oder nur indirekt, weil er bei solchen verwerflichen Aktionen mitmacht.

    Ich nehme an, der Dropa-Verbund lässt einige lokale “Unterableger” der Zeitung drucken, mit Name und Adresse der nächsten Dropa-Filiale. Verteilen tut sie aber dann die Post – auch an Briefkästen, wo draufsteht “keine unadressierte Werbung”, und genau das ist der springende Punkt.

    Öffentlich den Missmut äussern bringt eben schon was: Nicht nur Du, sondern auch andere, werden (zB via Google) aufs Thema aufmerksam und berichten entweder auch darüber (zB Konsumentenmagazine) oder wehren sich ebenfalls (wir alle). Der geplante Effekt ist, dass die Post mit der Zeit einsieht, dass ihre Taktik, Streuwerbung zu verteilen, derart viele nervt, dass damit aufgehört wird. (Genau dasselbe gilt für Werbeschrott wie Telefonmarketing; Du findest in diesem Blog etliche Beispiele.)

    Burris sei also gesagt: Ihr macht sicher einen guten Job – aber ich würde nie und nimmer meinen Namen auf Erzeugnisse drucken lassen, der spamartig an alle Haushaltungen verteilt werden.

    Was cool wäre: Meldet euch als Kunde bei der Post – und sagt, dass ihr ein Imageproblem bekommt, wenn die Post auch Briefkästen mit STOPP-Klebern bedient. Bzw. meldet euch beim Dropa-Verbund, dass sie bei der Post vorstellig werden.

    Jede unerwünschte Drucksache im Briefkasten weniger ist schon ein erster kleiner Schritt in Richtung Befreiung von all dem Werbemist (und schont nebenbei auch die Umwelt, weil weniger Papier vergeudet wird).

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