Zweiradpuff am Bahnhof Bern: Her mit der Velostation Milchgässli!

Am Samstag habe ich mich wieder einmal gefragt, wofür ich eigentlich grün wähle, wenn man als Velofahrer derart verarscht wird.

Zum ersten Mal war die Velostation Bollwerk, wo ich meinen Drahtesel üblicherweise abstelle, fast voll belegt. Gut, das kann angesichts des Chaos infolge des Bahnhofplatzumbaus passieren – nur: Das System ist nicht ausgereift.

Samstagmittag: Uff, zwei Plätze hats noch – also wie immer Cash-Karte rein, Platz 88 beziehen. Dasselbe wollte an sich meine Begleitung tun – doch für das Veloparksystem rechnet “zwei minus eins gleich null”… nach meinem Einparken hiess es barsch “besetzt”. Obschon nachweislich mehr als ein Platz noch frei war.

Samstagabend – die Rückkehr: Die Station zeigt einen freien Platz an…

Verarschung der Velofahrer in Bern: 1 freier Platz? Pustekuchen... Schrottsystem! (April 2007)

… doch der Blick aus dem SBB-Schliessfachraum in die Velostation zeigt: Da hats mindestens acht freie Plätze (ausserhalb der Abo-Zone)! Eine gerade zu Zeiten wie jetzt mühsame Schikane für die Velofahrerinnen und -fahrer. Stephan Hirschi von der Velostation zu JacoBlök: “Das kann leider passieren. Wir müssen das System ab und zu wieder in den Nullzustand versetzen, um nicht bezogene, aber im System verbliebene Parkvorgänge zu löschen.” Hirschi gelobt Besserung – wie das gehen soll, wenn am Weekend niemand anwesend ist, steht in den Sternen.

An den Kopf gegriffen hat man sich wegen der alles andere als velofreundlichen Velopolitik schon mehrmals: Auch, weil die beiden Velostationen am Bahnhof nicht das gleiche Zutrittssystem haben. Die praktische Cash-Karte kann man auf der Schanzenbrücke nicht brauchen, was die Station für gelegentlichnutzende Spätheimkehrer unbrauchbar macht – der Komplex ist für Nichtabobesitzer nur bis 18 Uhr zugänglich.

Die Informationspolitik der Stadt ist ebenfalls alles andere als berauschend: Auf der Website der Berner Velostationen ist von der neuen Velostation Milchgässli keine Spur zu finden, obschon sie am 13. Mai eröffnet wird. Die Website ist auf dem Stand von 2004 stehen geblieben – fesch wird verkündet “es werden keine Abonnemente angeboten”, obschon seit geraumer Zeit die Hälfte der Station Bollwerk als Abozone deklariert ist.

Nebenbei bemerkt: Auch die unschlagbar günstigen Schliessfächer in der Velostation nützen nichts, wenn sie defekt sind. Und das sind sie oft.

Freuen wir uns also auf die neue Velostation Milchgässli! Heute war die Medienkonferenz der Stadt – in drei Wochen ist es endlich so weit; die Station beim Burgerspital wird einen fast direkten Zugang zu den Geleisen haben. Die Parkgebühr beträgt wie am Bollwerk einen Franken pro Tag, ein Jahresabonnement kostet 150 Franken. Regula Rytz kündigte auch eine Sonderaktion an: Die ersten 100 Abonnemente werden für 100 Franken verkauft.

Wo man die Abos aber erwerben kann, steht im Communiqué der Stadt nirgends. Auch die SDA war leider zu faul, nachzufragen. Ächz.

Zuguterletzt: Wer das Velo mangels sicheren (bezahlten) Plätzen am Bollwerk abstellen will, geht das Risiko ein, dass Teile des Zweirades zerstört werden. In den unpraktischen Ständern (ohne sie könnte man wohl doppelt so viele fahrbare Unterstätze abstellen) fallen die Velos allzu leicht um, und Teile der Mechanik betätigen sich als Velo-Shredder: Mein Schutzblech ist nun kaputt.

Herzlichen Dank dieser ach so velofreundlichen Regierung. Doppel-Ächz! Könnte man bitte das Milchgässli nicht schon heute eröffnen?

Velozerstörende Fahrradständer am Bollwerk: Wofür wähle ich eigtentlich rotgrün?! (April 2007)

19 Kommentare

  1. Ich wusste gar nicht dass Velofahren mit soviel Ärger verbunden sein kann. Aber ich hätte sonst einen Einstellhallenplatz zu vermieten. Halt einfach fast im Marzili aber für 120.- Franken im Monat Platz für 10 Velos mindestens.

  2. @leu: Da kann ich gleich zu Fuss zum HB spazieren 🙂

    Währenddessen ist klar, wo man sich für die hundert 100-Franken-statt-150-Jahresabos melden kann: In den bestehenden Velostationen selbst. Die bestellten Schlüssel sind zwar noch nicht da (ächz, wieder ein neuer Schlüssel am Bund), man kann sich aber auf eine Liste eintragen lassen. Da scheine ich nun also der erste von hundert zu sein, whow. Mit dem Schlüssel gibts Zugang zu allen drei Velostationen rund um den HB.

    Eher enttäuschend dagegen die Aussagen in der Velostation zu den freien Plätzen: Viele Ständer seien defekt – und reparieren wolle die niemand mehr, "alle warten aufs Milchgässli. Dir chöid ja mau em Tschäppät schrybe, die Stadt hat dieses System gewählt" – ein System, das offenbar pannenanfällig ist. Könnte da mal jemand von der Stadt auf den Tisch klopfen gehen?

    Immerhin wurde im HB vorhin um 23.30 Uhr schon fleissig gewerkelt – für die Station Milchgässli (die momentan innen wie ein Betonbunker aus dem kalten Krieg und noch gähnend leer ausschaut) werden Veloständer angeliefert.

    Arbeiten im HB an der Velostation Milchgässli (23. April 2007, 23.30 Uhr)

    Immerhin haben die Schurnis von “Bund” und “BZ” ihre Hausaufgaben gemacht und nachgefragt, wo die Abos zu kaufen sind. Beide Zeitungen weisen darauf hin, dass die “Junge Alternative JA!” genügend Gratisparkplätze rund um den Bahnhof fordert. Stimmt, liebe JA! – ganz eurer Meinung… aber die drei Millionen für die Milchgässli-Station sind dennoch gut investiertes Geld für Bahnbenutzende, die keinen 20 Jahre alten Drahtesel haben, sondern ein Modell, das einen etwas geschützteren Rahmen verdient. Dass die Parkgebühren aber günstiger sein könnten: ACK! 50 Rappen pro 24 Stunden oder 100 Franken pro Jahr als Normalpreis wären angemessen.

  3. Nun ja, für 4.73 Mio Franken für 500 Abstellplätze muss ich nach Adam Riese 64 Jahre lang VOLLBELEGUNG haben, und habe noch keinen einzigen Franken Unterhalt, Löhne oder was auch immer bezahlt, wenn ich dieser Mitteilung glauben darf.

    Nanu, man ist sich ja von den Roten Bonzen in der Stadt an Einiges gewöhnt…

  4. Da magst du ja Recht haben, aber wer sagt, dass die Stadt nicht ein wenig Geld in die Förderung von umweltfreundlichem Verkehr buttern darf und auch soll? Lieber 4.73 Millionen für diese Velostation als für irgend einen Schrott…

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  6. Nur – für 4.73 Mio kann ich noch EINIGE oberirdische Veloabstellplätze haben.

    Eigentlich sogar verdammt viele. Man kann mittels der “Bang for your Buck”-Methode das Geld effizienter einsetzen, und das ist bei all’ den Velostationen NICHT der Fall.

    Und für den Fall, dass angenommen wird, dass der Fiskalkonservative mousseman so ein böser Autofahrer ist – das bin ich auch, aber nicht immer.

  7. Oberirdische Parkplätze sind aber böse, selbst gedeckte, weil da nämlich Langfinger kommen (oder in der velofeindlichen Stadt Bern sogar die Polizei) und das Ding stehlen wollen. Und gegen eine effiziente Videoüberwachung, gegen die ich ganz und gar nix einzuwenden habe, wehren sich wieder weissnichtwieviele.

    Nee du – die neue Station ist schon OK. Sie müsste nur schlankere Schlüssel haben bzw. wieder mit dem EC-System arbeiten.

    Besser wären genug oberirdische Gratisparkplätze, wo die AnhängerInnen der JA! ihre vermutlich eher älteren Drahtesel abstellen können, und dazu kostenpflichtige High-End-Plätze für ältere Semester mit teureren Modellen. Aber bitte funktionierende – auch als Grünwähler bin ich ein dezidierter Anhänger der These “Wenns schon kostet, dann 110% Leistung bitte” und intolerant gegenüber lethargischen Velostatiönlern, die sich rausreden wollen, wenn man die Probleme beim Namen nennt.

    Die Sozialprojekte, die Du so in Grund und Boden redest, gehen in Ordnung – so lange die Dienstleistung nicht drunter leidet. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer so (meine Freundin wartete z.B. wochenlang auf ihre Veloreparatur und wurde immer wieder vertröstet).

    PS: Autofahrer? Ja, das muss manchmal sein. Ist z.B. in der Wüste von Nevada ganz entspannend. Als Stadtbewohner in der Schweiz reichts aber vollauf, wenn man Mobility-Mitglied oder -GenossenschafterIn ist. Hierzulande braucht kein Mensch ein Auto, ausser er/sie ist beruflich (Materialtransporte, Lieferungen, schwere Ausrüstung usw.) dringend darauf angeweisen

  8. Das Problem ist, dass jeder einzelne Platz viel zu teuer ist. Will man Sozialpolitik machen, muss man die Leute ausbilden, da ein Arbeitsplatz in einem sozial geschütztem Umfeld mir als Arbeitgeber höchstens beweist, dass die Person es auf dem freien Markt nicht aus eigenem Antrieb geschafft hat, und das die Ausbildung mangelhaft ist.

    Die ganze Idee ist auch ordnungspolitisch extrem heikel – man versucht hier über die Verkehrsausgaben weitere Sozialausgaben zu verstecken. Auch bin ich der Meinung, dass man entweder sein Fahrrad selber reparieren kann, oder dann gleich dem Händler gibt – das ist keine Aufgabe, die der Staat übernehmen soll oder muss.

    Man müsste mal die privatisierte Velostation ausprobieren – die, in diesem Ausbaustand für den Kundensicher teurer wäre, wenn aber der effektive Bedarf da ist, dann wird der Markt auch diesen Preis überleben.

    Ich habe ein Auto, weil ich eins will, und keine versifften Mobilty-Fahrzeuge, die ekelhaft rot sind, und sich bei dessen Zustand ab und an Fragen stellen. Es ist ebensowenig Aufgabe des Staates, Menschen so zu beeinflussen, dass sie nur noch ‘gute’, ‘ökologisch nachhaltige’ oder ‘politisch korrekte’ Sachen machen, sondern nur noch der unbändige Wille einer Ideologie, das Leben der Menschen zu micromanagen, wie bewachte Velostationen zu errichten, ÖV zu subventionieren, oder immer ‘neue’ Dienstleistungen zu erfinden – das kann der Markt viel besser, zu tieferen Kosten und dazu noch ohne Verschwendung von öffentlichen Geldern, insbesondere wie hier bei der Velostation Milchgässli.

    Wenn man Probleme mit Diebstahl und Vandalismus hat, so wäre es immer noch viel günstiger, 5000 Aussenplätze aufzustellen, und zwei Polizisten mit der Jagd nach Vandalen und Fahrraddieben zu beauftragen – die Polizisten kosten vielleicht 300’000 Franken pro Jahr (alles inbegriffen), und lösen dann das Problem auch für alle, und nicht nur für eine ‘privilegierte’ Velostationsbenutzer. Aber lieber setzt man Polizisten in der Stadt Bern für die Äufnung der Staatskasse ein als für die Jagd auf Kriminelle.

  9. @mousseman: Du bist vermutlich auch einer dieser Paranoiden Raucher, die sich nicht vom Staat vorschreiben lassen wollen, wo sie zu rauchen haben, stimmz? Die argumentieren genau so. Auch wenn die Mehrheiten in Volksabstimmungen ganz anders liegen, täupeln sie fröhlich weiter, die EgomanInnen.

    Schau: Der Markt ist gut und recht. Ich bin eigentlich sogar ein flammender Anhänger der freien Marktwirtschaft, z.B. bin ich für die völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten.

    Aber manchmal muss man etwas nachhelfen, damit dieser schöne Planet nicht zugrunde geht oder damit es der Mehrheit (und das ist in einer Demokratie halt so) gut geht. Wenn dir die politischen Verhältnisse hier nicht passen, musst du halt aktiv dafür sorgen, dass sie ändern! Was tust du denn, ausser Bloggen? Ich für meinen Teil bin froh, in einer rotgrün regierten Gegend zu wohnen, auch wenn ich zig Optimierungsmöglichkeiten sehe (die manchmal, o Graus, sogar FDP-Niveau erreichen) und die ab und zu hier poste.

    Immer noch besser als die Bürgerlichen, die bei jeder Sprayerei gleich einen doppelten Salto machen (ich finde die meisten Tags & Co. auch doof und infantil, aber irgendwie gibts Schlimmeres), die überall freie Fahrt fürs Auto propagieren (und Märchen erzählen von durch Poller “aufgespiesste” und von “diesen Autovernichtern in die Luft katapultierten” Autos, wie uns ein gewisser Marco Gehri aus Rüfenacht in einem “Bund”-Lesrebrief vom 25.4.2007 weismachen will… als ob das physikalisch möglich wäre) und die alle Randständigen auf den Mond schiessen möchten (ich finde BettlerInnen auch obermühsam, die Gassenküche einen sausturen Haufen und die Versifften vor der HG nicht grad einen schönen Anblick, aber let’s be real – kennst du eine Stadt, wo es das nicht gibt?). Bei mir wurde auch mal eingebrochen, den Spuren nach wars vermutlich ein Junkie, doch auch wenn ich verdammt wütend war und immer noch bin, will ich nicht gleich alle etwas bleich und eingefallen aussehenden Menschen wegsperren.

    Vernünftige Einschränkungen der Marktwirtschaft respektive der individuellen Freiheit beginnen z.B. bei möglichst weitgehenden Rauchverboten im öffentlichen Raum, aber das ist hier OT.

    Das geht aber auch weiter bei möglichst sauberer Luft, diesmal im Zusammenhang mit Abgasen und nicht mit Zigi-Rauch: Natürlich können wir hier in Bern nicht den Planeten retten, aber wenn niemand beginnt, dann kommts auch nicht gut. Also: Jegliche (vernünftige!) Einschränkung des privaten motosisierten Verkehrs ist in Ordnung. Wie gesagt: In der Schweiz braucht man in einer Stadt schlicht kein Auto, Ausnahmen siehe oben. Wenn du Mobility-Autos versifft findest, hast du’s noch nie probiert – also richte bitte nicht über Dinge, die Du offensichtlich nicht kennst.

    Zwei, drei autofreie Tage im Jahr bringen aber ebensowenig wie Tempobeschränkungen bei erhöter Feinstaubbelastung und Ozonwerten – das macht nur die Leute hässig und sorgt für unnötige Spannungen zwischen den politischen Polen. Von mir aus kann man dann grad Nägel mit Köpfen machen, ein Totalfahrverbot verhängen und Ausnahmen sehr restriktiv handhaben. Italien kann das ja auch.

    Roadpricing? Klar, klappt in London bestens. Und wirkt. Offroader-Verbot in der Stadt? Natürlich – das sind völlig überflüssige Dreckschleudern. Wer so ein Ding braucht, soll eine (kostenlose) Bewilligung lösen und den Bedarf nachweisen müssen. Mit den Einnahmen aus dem Roadpricing könnte man z.B. den öV 24 Stunden fahren lassen oder noch ein paar Velostationen bauen, von mir aus auch oberirdische. Oder den Preis von einem Franken auf die Hälfte senken für einen Veloparkplatz.

    Aber bei jemandem, der Wert aufs Aussehen seines Chlapfs legt (der eigentlich bloss ein Mittel ist, schnell von A nach B zu kommen), erwarte ich an sich nix anderes 🙂

  10. @mousseman: mobility versifft? mobility nur in rot? ja hei ei ei! da spricht aber einer, der noch nie ein Mobility gefahren ist, oder? Auf der Website von Mobility hättest du dich informieren können: vom BMW 1er (Silber!) bis zum Honda Civic Hybrid (Silber!) kannst du dort alles fahren. Und ein versifftes Moblity ist mir noch nie untergekommen (im Gegenteil: ich muss mich dort weder um Parkplatz noch um Winterreifen-Zeugs kümmern. So macht Autofahren eben Spass).

    Was die Verkehrspolitik einer Stadt angeht: eigentlich müsste es ja im ureigensten Interesse eines jeden Stadtbewohners sein, dass der Verkehr gelenkt und organisiert wird (in der Tat kenne ich keine einzige Stadt, die das nicht tun würde). Nun ist es halt mal so, dass der mIV das am stadtuntauglichste Verkehrsmittel darstellt (Platzverbrauch, Emissionen, Strassenunterhalt). Das hast du sicher schon im Selbstversuch festgestellt. Eine Stadtverwaltung sollte nun also alles daran setzen alternative Mobilitätsformen zu fördern und den mIV einzuschränken und zu kanalisieren. Velofahren ist eben so eine stadtangepasste Alternative. Das kommt der Allgemeinheit und somit auch dir selber zu gute (Fahr mal in der Stadt ein wenig Velo und du wirst dich ab den Autoblockern gross nerven und gleichzeitig deine überflüssigen Pfunde los werden 🙂

    Du glaubst, dass sei alles nur Propaganda von denen, die dir die Welt vermiesen möchten? Dann wünsche ich dir aber nicht, dass sich die Situation umkehrt und alle VelofahrerInnen in der Stadt aufs Auto umsteigen…

  11. @Blöker: Auch knapp daneben ist vorbei – ich bin Nichtraucher. 🙂

    Bezüglich “Einschränkung des Verkehrs”: Darf ich auch meine Steuerzahlungen einschränken, weil ich als Autofahrer meine volle Mobilität nicht ausschöpfen kann, und nicht ohne Hemmnisse auf allen öffentlichen Strassen (und ja, dazu gehört ein ganz grosser Brocken des stadtbernischen Strassennetzes) herumfahren kann? Das “Kanalisieren” des Verkehrs nervt inzwischen auch dermassen viele Velofahrer, dass die voll Dampf bei Rot über Kreuzung heizen – da wäre sicher ein nettes Einnahmepotential für die Stadtpolizei vorhanden, wenn man denn wollte (und für SUV-Fahrer eine guter Moment, einige Lektionen aus GTA in die Realität umzuseten). Und das Einzige, was die ‘Verkehrslenkung’ vollbringt, ist dass es die Autofahrer an den definitiv sinnvollsten Orten aufstaut, so dass im Endeffekt mehr Luftverschmutzung entsteht als wenn man den Verkehr fliessen lassen würde. Stichwort: Ein Autofahrer möchte möglichst schnell auf die Autobahn – nun ja, auch das ist vom Mattenhof je nach Stellung der Büsten von Lenin, Marx und Mao und Stalin mit zwischen 3 und 10 Minuten Fahrzeit verbunden, des Öfteren auch am früheren Nachmittag, wo ‘Verkehrsüberlastung’ höchstens in den Gehirnen der sogenannten Verkehrsplaner existiert (das schönste Beispiel ist die Kreuzung Schwarzenburgstrasse-Weissensteinstrasse).

    Für die Änderung der politischen Verhältnisse sorge ich schon mehr als genug – meine Firma ist nicht mehr lange im Kanton Bern Steuerzahler, und wenn’s so weitergeht, ich auch nicht viel länger. Sollen die in der Stadt wohnen, die teure Mieten und teure Steuern zahlen wollen – einkaufen kann man auch sehr gut ausserhalb der Stadt. Wenn die Stadt einmal kein Geld mehr hat, übernimmt der Kanton die Budgethoheit, was, wie man sich hinter vorgehaltener Hand erzählt, für die Finanzen der Stadt Bern Wunder gewirkt hat.

    Das mit den Mobility-Mobilen ist so eine Sache, da ich mal vor zwei Jahren eines, dass auf einem unserer Firmenparkplätze parkiert hat, der Kapo übergeben habe – offenbar hat dann die Kapo mehr als genug technische Mängel gefunden, weil sie sich noch einmal bei mir betreffend dieses Themas gemeldet hatten. Das Innere des Fahrzeuges sah nicht einmal so schlimm aus. Und seitdem setze ich auf Fahrzeuge, wo ich als Ingenieur bis auf die Bremsen und die Lenkung selber instandhalte. Und abgesehen davon, auch ein Prius oder Civic Hybrid hat immer noch eine hundsmiserable Power-To-Weight Ratio im Vergleich zu einer Lotus Exige oder gar einem richtigen Motorrad (keine ‘Roller’), das ist aber auch OT. Und ja, ich fahre jeden Tag 40 Minuten Velo, das trainiert. 🙂

    Was man machen könnte, um mal die Schadstoffbelastung effektiv zu senken ist schlicht und ergreifend mehr Strassen zu bauen – wo die Leute nicht stehen, fahren sie für gewöhnlich – was den Schadstoffausstoss pro km senkt. Nur diese Erkenntnis ist politisch in der Stadt Bern nicht opportun, dafür will man Tempolimits auf Autobahnen (was bei heutigen Motoren Schwachsinn ist – die sind bei 140 effizient, nicht bei 80), und wenn man Strassenunterhalt sparen will, sollte man einfach mal die Tramschienen aus einer grossen Strasse ausbauen, und dann die Trams mit Bussen ersetzen, oder mit U-Bahnen – und siehe da, plötzlich hat man kein Problem mehr mit zwei Materialien (Stahl und Bitumen oder Asphalt), die verschiedene Ausdehnungskoeffizienten, Belastung pro cm2 auf den Strassenunterbau etc haben! Und das Problem mit dem Schadstoffausstoss wird sich sowieso in etwa 30 Jahren mit dem knapper werdenden Öl von selber lösen, und dann muss jeder ein H2-getriebenes Fahrzeug fahren, dessen ‘Treibstoff’ mittels elektrischer Energie für die Elektrolyse des Wassers erzeugt wird, die aus grossen thermischen Kraftwerken (ergo AKW – ausser man will Kohle) stammt. Bis dann sollte man vielleicht den Chinesen die Kohlekraftwerke wegbomben, und ansonsten mal auch bei den ‘aufsteigenden Nationen’ für Umweltschutz sorgen, denn die sind zumindest in Sachen CO2 bei weitem nicht so harmlos, wie die Amis, zumindest auf die Totale gesehen. Dieser Trick zieht also auch nicht.

    Der Stadt Bern ist offenbar die wichtige Tatsache entgangen, dass viele Leute Autos haben und tendenziell in Gemeinden ziehen, wo sie nicht drangsaliert werden. Meistens haben die Leute, die ein Auto haben, auch ein steuerbares Einkommen – wie ein gewisser Finanzdirektor mal durch eine bahnbrechende Studie herausgefunden haben soll. Das beinhaltet auch die SUV- und Jeep-Eigentümer, die halt ein bisschen mehr bezahlen. Da wäre Road Pricing nur kontraproduktiv, weil dann alles, was auf automobilen Verkehr angewiesen ist, die Stadt verlässt.

    Und wenn alle plötzlich ein Auto hätten, könnte man vielleicht auch mal massiv die Steuern senken, da man jetzt nicht mehr alle Sozialfälle durchfüttern muss, sondern Leute hat, die zum Gemeinwesen finanziell beitragen. Nur offenbar ist auch das keine Priorität, wie sich am Investitionsverhalten der Stadt Bern ablesen lässt.

  12. Darf ich auch meine Steuerzahlungen einschränken, weil ich als Autofahrer meine volle Mobilität nicht ausschöpfen kann, und nicht ohne Hemmnisse auf allen öffentlichen Strassen (…) herumfahren kann?

    @mousseman: Nein, darfst du nicht, denn die von uns (auch von dir) gewählten VolksvertreterInnen sind dazu da, zu bestimmen, wofür Steuergelder ausgegeben werden und wofür nicht, und wo Einschränkungen wovon vorgenommen werden. Es steht dir (und uns allen) frei, gegen Beschlüsse von Parlamenten das Referendum zu ergreifen. Wenn du das nicht schaffst, hast du entweder zu wenig Pfupf, zu wenig hinter deinem Anliegen stehende Leute oder es ist dir schlicht zu wenig Wert.

    Mit dem Velo bei Rot über die Kreuzung

    Noch viel mehr Ampeln als heute könnten problemlos für VelofahrerInnen auf Grün oder Gelbblinken gestellt werden. Ist es logisch, anzuhalten, wenn ich die Schanzenbrücke zdurabb komme, absolut kein Schwein herumsteht und die Ampel Rot zeigt? Nee, das ist eine Schikane (ja, nachts auch für Autos). Das ist eine meiner Kritiken an dieser Regierung: Hier wird noch viel zu wenig getan. Lieber sperrt man eine Gasse wieder für den Velogegenverkehr, weil es angeblich zu gefährlich sei, anstatt die Autos zurückzubinden. Regula Rytz hat mir mal gesagt, es sei halt so: In einem Parlament kann man anstossen, in der Regierung muss man dann umsetzen – dann sei alles etwas komplizierter. Das stimmt sicher. Dennoch wünschte ich mir oftmals eine noch konsequentere rotgrüne Politik, z.B. mit weniger Gezwängel um autofreie Tage, sondern konkrete, greifende, dauerhafte Massnahmen (vorab für den Langsamverkehr).

    Ich hab schon eine Busse für “Bei rot über die Kreuzung” anstandslos bezahlt (ich hatte drei Rotlichter überfahren und war so blöd, nicht hinter mich zu blicken, wo ein Streifenwagen fuhr… die netten Beamten drückten ein Auge zu und berechneten nur zwei) – das sind halt die Spielregeln, das ist halt das Gesetz. Motzen gegen Bussen bringt da nix. Besser wäre, dafür sorgen, dass die Spielregeln geändert werden.

    Ich hab in GTA auch schon ein paar Unschuldige umgesäbelt und slide gern ab und zu mal in NFS rum. Besonders Spass hatte ich daran aber nicht. Was du von dir gibst, tendiert bisweilen in Richtung menschenverachtend – aber was erwartet man von einem Waffenfreak anderes?

    Steuerflucht

    Ich zahle auch nicht besonders gerne Steuern. Aber ich bin dann doch um vieles ganz froh, das der Staat für mich tut. Das kostet halt in Städten auch etwas mehr, und in Kantonen mit einer Struktur wie Bern sowieso. Kannst ja die Gründung eines Stadtkantons anregen, dann sähe es wieder anders aus.

    Würden wir die Armee abschaffen, wäre gaaaaanz viel Geld für gaaaanz viele unserer beider Anliegen frei – aber das ist wieder eine gaaaanz andere Ebene und Geschichte… 😉

    Die ständigen Drohungen, Bern wegen der hohen Steuern zu verlassen, erinnern mich an Thomas Fuchs, der ja vor in paar Monaten mal weissnichtwenalles verklagen wollte – passiert ist natürlich… nix. Viel warme Luft. Die angeblichen Steuerflüchtigen finden die Lebens- und Arbeitsqualität in der schönen Stadt Bern dann eben doch besser als anderswo, wo sie dafür ein wenig mehr Geld bunkern können, was irgendwie unter dem Strich langweilig ist.

    was bei heutigen Motoren Schwachsinn ist – die sind bei 140 effizient, nicht bei 80

    Dann muss der Gesetzgeber eben solche Motoren verbieten und andere Standards festlegen. Dass die Industrie überhaupt solche Motoren baut, beweist, dass da zu wenig eingegriffen wurde. Das sind eben die Auswüchse der freien Marktwirtschaft, die es auszubessern gilt.

    Der Stadt Bern ist offenbar die wichtige Tatsache entgangen, dass viele Leute Autos haben und tendenziell in Gemeinden ziehen, wo sie nicht drangsaliert werden. Meistens haben die Leute, die ein Auto haben, auch ein steuerbares Einkommen (…) Da wäre Road Pricing nur kontraproduktiv, weil dann alles, was auf automobilen Verkehr angewiesen ist, die Stadt verlässt.

    Umso besser. Ich bezahle gern noch etwas mehr Steuern, wenn dafür diese Deppen weg sind, mich nicht mehr vollmiefen und die schönen Gassen nicht mehr mit ihren überdimensionierten Karossen vollstellen. Privilegien kosten halt.

  13. Ich hatte bisher noch nicht die grandiose Idee, bei Rot über die Kreuzung zu fahren – Autofahrer-Akklimatisation in Singapur (und deren Strafkatalog, der für “Repeat Offenders (eine Parkbusse, ein Rotlichtdelik reichen für den “Repeat Offender Status”) Rattan auf den Hintern vorsehen) gewöhnt so ein paar Problemverhalten rasch ab. Allerdings warten wir in der Firma, dass es jemanden ‘erwischt’, um dann sicherzustellen, dass Fahrradfahrer die gleiche Busse wie PKW-Fahrer kriegen (oder umgekehrt, das wird allerdings gerichtlich nicht durchkommen).

    Armeeabschaffung? Ich bin voll dafür, mit einer Bedingung: Am gleichen Tag werden Post und SBB vollständig privatisiert, und deren Schulden (auch der Pensionskassen) vom Bund an die entsprechenden Unternehmen weitergereicht, mit einem totalen Subventionsverbot für ÖV, plus Subventionsrückzahlungen für die letzten fünf Jahre. Die Armee kostet aber inzwischen massiv weniger als diese beiden Horte der Planwirtschaft.

    Das Lustige an den heutigen Motoren ist, dass sie weitaus weniger Schadstoffe in die Luft blasen als nur vor fünf oder gar zehn Jahren – unsere Firmen-BWMs (320d, ein E36, 3 E46) zeigen das auf, nur der Älteste hatte bisher trotz 400’000 km keine ‘tödliche’ Panne. Beim E36 ist es noch so, dass man bei 140 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit 7.5-9 Liter verbraucht, beim E36 schaffe ich mit 140 km/h 6.3 Liter, jeweils auf 100 km/h. Tempo 120 (Selbstmord auf deutschen Autobahnen) bringt den Verbrauch auf 6.1 Liter herunter, m.a.W. das Problem sind nicht mehr die Motoren, sondern meist das Auto selber, dass viel zu schwer ist und einen nicht optimalen cW-Wert hat. Ein Lupo 3L ist schön und gut, allerdings nicht gerade wirklich komfortabel, um 600 km zu fahren. Nur kosten Fahrzeuge mit einer Karbon-Karrosserie offenbar zu viel in der Herstellung.

    Und wenn Du in einem autofreien Paradies leben willst, bitte! In vielen Firmen ist es inzwischen so, dass Kandidaten aus der ‘Hölle voller Autos’ bessere Chancen haben, klar ultraliberale Standpunkte und dergleichen andere Sachen helfen den Chancen noch mit.

  14. Ächz. Nun gut: Ich denke, das spricht alles für sich, was du da von Dir gibst.

    Mein Comment-Spamfilter hat an deinen Posts übrigens seine helle Freude, ich muss sie jeweils widerwillig manuell wieder aus dem Sündenpfuhl fischen. Eigentlich sollte ich mir die Mühe nicht nehmen, aber wir wollen ja nicht so sein.

    Das mit den gleichen Bussen für Velofahrer ist n’wenig ein Alter, den haste 2005 schon mal gebracht: http://www.archivum.info/ch.talk/2005-11/msg01428.html

    Und in ner Firma, die Autohöllenmenschen toll findet, würd ich nie arbeiten.

    Habt ihr euch auch schon mal überlegt, statt dieser Farbstoffe und Emulgatoren (ich nehme an, das ist unter E-46 und so zu verstehen) mal den Velokurier loszuschicken?

    Rattan aufn Hintern für 140 km/h auf Schweizer Autobahnen, Velofahrer-Abdrängelei oder Fahrerflucht nach Unfällen mit Velos würde ich fast noch unterschreiben.

  15. wer in Bern “grün” wählt hat falsch gewählt. Es sind nämlich genau diejenigen, die Wasser predigen und selbst lieber Wein trinken. Und sie tun es auch.
    Ich liebe Pflanzen und Tiere. Auch Ratten. Aber nur die Echten. Diejenigen, die auf 2 Beinen stehen und an einem Bürotisch sitzen und Politik machen, sind die Profiteure naiver Wähler!

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