Tschüss Gerry Rafferty

Raphael Ravenscrofts Sax-Solo aus Gerry Raffertys “Baker Street” kennen vermutlich alle, die sich auch nur halbwegs für Musik interessieren.

Gestern ist Gerry Rafferty 63-jährig gestorben – ein Musiker, dessen Songs mich seit den späten 1970ern eng begleitet und begeistert haben.

Für mich als damals rund Siebenjähriger war das mächtige, imposante und bisweilen doch so leichte “Baker Street” einer der ganz zentralen Popsongs der Kindheit. Irgendwie muss ich immer an “Timm Thaler” denken, wenn ich den Song höre; eine ZDF-Serie, die seinerzeit ein echter Strassenfeger war. Nicht unbedingt wegen Ähnlichkeiten in der Musik (Christian Bruhns Tahler-Soundtrack erinnert unweigerlich an die Deutsche Fassung von Captain Future, zu der Bruhn ebenfalls Songs mit Kultstatus komponiert hat), sondern einfach weil das zufällig etwa zur selben Zeit war.

Als ich beim Lokalradio für die Oldies-Sendungen in Frank Laufenbergs Musiklexika blätterte, entdeckte ich seine frühen Songs wie “Stuck in The Middle With You” (Stealers Wheel). 1989 brachte Rafferty eine Best-Of-CD auf den Markt, die auch einen neueren Song seines 88er-Ablums “North and South” enthielt: Shipyard Town spielten wir immer wieder gern als Show Opener. Leider war das Stück bestenfalls ein Airplay-Hit.

Was mich an der “Best Of” stets etwas nervte: Rafferty verwendete auf der CD eine spürbar langsamere Fassung von “Baker Street” als man sie sonst kennt und liebt.

In den 80ern glaubte ich nicht so recht, dass man von einem Song verschieden schnelle Fassungen herstellt – ich experimentierte im Studio stundenlang herum, spielte die beiden Fassungen gleichzeitig und fragte mich, ob wohl beim schnelleren Stück auf irgend einem Sampler ein Pressfehler vorlag… aber es ist tatsächlich so, für den US-Markt wurde eine kürzere, schnellere Fassung produziert. Eine längere, schnellere Fassung wäre mir lieber gewesen… tatsächlich gibt es laut Wikipedia zig verschiedene Fassungen, die in Länge und Speed variieren.

Es seien hier auch “Right Down The Line“, “Get it Right Next Time” und “Take The Money And Run” empfohlen. Als langsam älter werdender Zeitgenosse darf die folgende Bemerkung nicht fehlen: Genau, das war noch richtige Musik von Männern mit Naturlocken und Schnäuzen, die echte Instrumente spielten und alles auf Tonband aufnahmen. So muss das sein.

Vor zwei Jahren nahm ich in der Baker Street ein Video mit Alltagsszenen auf, inspiriert von Raffertys grösstem Erfolg – einige Einstellungen liessen sich 1:1 nachstellen:

Tschüss Gerry – winde als Geist nochmals your way down on Baker Street. Den “Booze” hast du leider bis am Schluss nicht aufgegeben (don’t know about the one night stands, though) – er hat dich letztlich unter die Erde gebracht.

Aber egal: Danke für all die schöne Musik. Zum Beispiel jenem Song, der wunderbar zu einem perfekten lauwarmen Sommerabend passt: “Night Owl” aus dem gleichnamigen Album aus dem Jahre 1979.

4 Kommentare

  1. Scho so, Baker Street ist der Hammer, vor allem für jung gebliebene Semester.

    und so bringt’s das öffentlich-rechtliche Fernsehen gleich in zwei “Tagesschauen”…

  2. Also, ich finde Baker Street völlig überbewertet, und ich finde auch Saxophone meistens unnötig. Der wahre Verlust von gestern ist nicht Gerry Rafferty, sondern Mick Karn.

    Am schlimmsten aber ist schon der Tod von Bobby Farell (Boney M.) Keiner hatte je so wunderbar absurde Tanzbewegungen drauf wie Bobby.

  3. Saxophone sind schon meistens unnötig – stimmt. Aber Musik ist halt nicht nur Musik, sondern immer auch ein Transporteur für Erinnerungen und Gefühle. Und wenn ein Song dann auch noch Hymnenqualitäten aufweist…

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