Trocken, traditionell, klassisch

Verpackungen von feuchtem Toilettenpapier bieten einiges an Unterhaltung – schon im Dezember. Auch diese Aussagen in drei Sprachen lassen tief blicken:

Andere Sprachen, andere Schwerpunkte: Verpackung von feuchtem WC-Papier (März 2008)

Die an die bekannte “Ersatzflüssigkeit” (blau!) erinnernde Umschreibung “anwenden” geht in Ordnung – natürlich wäre es einer Mehrheit der Benutzenden (jetzt fang ich auch schon damit an) peinlich, wenn auf der Packung die Wahrheit stehen würde: “Nachdem sie ihren Hintern geputzt haben, wischen sie lieber nochmals mit dem feuchten Papier nach, das Sie hier drin finden.”

Aber einmal mehr zeigt sich, dass unsere lateinischen Nachbarn die kreativeren Menschen sind. Das hundsgewöhnliche trockene Schiissi-Papier wird auf französisch zu “klassischem”, auf italienisch zu “traditionellem” Toilettenpapier. Die haben Style!

Im weitesten Sinne ein verwandtes Problem, das Deutschschreibende durcheinander bringt: Die Italiener verschlucken gerne Konsonanten. Aus “Transporte” beispielsweise wird “trasporti”, ein nördlich der Alpen wohnender Frederik hiesse im Süden Federico.

Der “Bund” konnte sich letzte Woche nicht ganz entscheiden, ob Frau de Cesco nun “Federica” oder “Frederica” heisst. Ersteres wäre korrekt – die Zeitung mischt fröhlich:

Federica oder Frederica? - Aus dem BUND, März 2008

4 Kommentare

  1. Auf unserer Schachtel steht: Haklefeuchte Toilettentücher sind die perfekte Ergänzung nach trockenem Toilettenpapier. Früher sagten die gewöhnlichen Leute (wie meine Grossmutter Lina) ‘Hüslipapier’. Heute hat es so sinnliche Namen wie ‘Royal Comfort’ oder ‘Super Soft’. Ich erinnere mich, wie unser Abwart in der Primarschule die Zeitungen nicht im Altpapier entsorgte sondern sie fein säuberlich mit dem Sackmesser in kleine Rechtecke schnitt. Die mussen wir dann anstelle des noch nicht existierenden oder zu teuren königlichen Komforts benützen… Das war allerdings anfangs der Sechzigerjahre.

  2. Royal Comfort oder Charmin’ Soft… ich weiss auch nicht, was an einem Arsch so königlich oder charmant sein soll. Aber von meinen Reisen zur ungarischen Verwandtschaft in den 1970er-Jahren her weiss ich noch zu genau, wie sich “Klopapier Ost” enfühlte: Alles andere als soft und charmin’ – das war bestenfalls aufgerolltes Zeitungspapier.

  3. Well, da beim Layouten der Zeitung, spätabends, manchmal nicht die Fachperson am Schirm sitzt, die den Artikel schrieb, kann eine aus Layoutgründen umplatzierte Legende, die neu geschrieben/gekürzt/verlängert werden muss, schon mal falsch rauskommen, das beobachtet man häufiger. Da liegt das Problem schlicht darin, dass zwei Personen am (vermeintlich) selben Artikel schreiben. Meist sind jedoch Haupttext, Bild und Legende (und Kasten und… ) eigene Elemente. OK, dass man bei Namen auch als nichtwissender Blattmacher aufpassen sollte, da giz kes excusé!

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