SWITCH benimmt sich wie ein kleines Kind

Epilog: Stellen Sie sich vor, Sie seien Winzer in Traubendorf. Ein guter Freund von Ihnen, Herr Schwips, ist ein rennomierter Anbieter von Flaschen und Korken. Sie sind ein zufriedener Abnehmer seiner Produkte und stolz auf Ihren “Traubendorfer”. Über Jahre entwickelt sich eine symbiotische Zusammenarbeit.

Bis Herr Schwips unvermittelt den Weinberg neben Ihrem kauft und eine aggressive Werbekampagne beginnt. Auf seiner Flaschen- und Korkenwebsite wirbt er neu riesengross für den seinen Traubendorfer Wein. Die meisten Kunden, die im Web nach dem edlen “Traubendorfer” suchen, sehen nun seine Seite.

Fänden Sie das sympathisch von Ihrem Freund und Geschäftspartner?

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Damit Sie diesen Blogbeitrag sehen, muss die Domain jacomet.ch sauber registriert sein. Dies kann man unter anderem bei SWITCH tun. Die Stiftung verwaltet im Bundesauftrag Internetadressen mit den Endungen .ch und .li.

Ich schätzte es bisher, Domainnamen bei SWITCH unkompliziert und “neutral” reservieren und verwalten zu können und dies auch meinen Kundinnen und Kunden zu empfehlen: “Am besten reservieren Sie direkt bei SWITCH, so sind Sie unabhängig von einem privaten Anbieter und können den Namen auch bei einem Providerwechsel einfach verwalten.”

Nun hat SWITCH aber kürzlich ein neues Angebot eingeführt und bietet unter dem Label “SWITCHplus” die Registrierung von Domainnamen sowie Hostingdienstleistungen an. Als privater “Spinoff” der Stiftung SWITCH sozusagen.

Das führt bei mir als Kleinstunternehmen im Bereich Websites und Hosting zu einem grossen Mehraufwand: Viele Kunden waren plötzlich verwirrt. “Das sieht aber jetzt anders aus bei SWITCH, Ihre Anleitung stimmt nicht mit dem überein, was ich da sehe.”

Natürlich waren die neuen Kunden bei SWITCHplus statt bei der üblichen Registrierungsstelle gelandet, die etwas technisch “nic.ch” heisst. Bei SWITCHplus sieht alles irgendwie ähnlich aus wie bei nic.ch, aber eben doch nicht so recht, und vor allem können bei SWITCHplus meine Nameserver nicht mehr einfach so eingetragen werden, was die meisten meiner Kunden – keine Internetprofis – vor unlösbare Probleme stellte.

Kein Wunder, dass sowas passiert. Denn auf der SWITCH-Startseite prangt dieser Banner:

Nerviges Banner auf switch.ch (Stand 15.4.11)

Die meisten Menschen – so auch meine Kundinnen und Kunden – möchten einfach eine Domain registrieren. Der Weg dahin führt über den unauffällgen Link beim grauen Pfeil, den ich dem Screenshot hinzugefügt habe.

Mit einem Klick auf den orangen Banner “Der direkte Weg zu Ihrer Internet-Adresse” gelangt man nicht etwa zu einer Auswahlseite, ob man bei nic.ch einfach eine Domain reservieren wolle oder ob man lieber das neue, private SWITCHplus-Angebot (ggf. samt Hosting) wolle – nein, man gelangt direkt auf die SWITCHplus-Seite, wo es heisst “Domain-Name registrieren”, was für einen Laien genau so klingt wie das, was man bisher via Link beim grauen Pfeil konnte. Klickt man auf “bestellen”, ist man bereits SWITCHplus- statt nic.ch-Kunde.

Ich habe meine Kunden per Newsletter auf diesen Missstand hingewiesen und in sämtlichen Mails und Anleitungen “Switch” durch “nic.ch” ersetzen müssen, das natürlich weitaus weniger bekannt oder wohklingend ist.

Nachdem wegen SWITCHplus zwischen den grossen Hostingprovidern und SWITCH seit längerem Spannungen herrschen, hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat heute erfreulicherweise mehrere Massnahmen gegen SWITCH verhängt.

Anstatt sich auf seine Kernkompetenzen zu besinnen, will SWITCH die Bakom-Verfügung aber anfechten. Na super.

Das ist der typische schlechte Stil, wie wir ihn z.B. auch von Swisscom oder der Post kennen: Sich für den Grössten und Besten halten und alles vor Gericht anfechten, das einem nicht passt, um eine Änderung möglichst lange hinaus zu zögern. Wie ein kleiner Junge, der genau weiss, dass er Mist gebaut hat und anstatt zu parieren einfach zum anderen Elternteil rennt und hofft, recht zu bekommen.

SWITCH sagt: “Durch den Markt-Eintritt von switchplus ist der Hosting-Markt in der Schweiz beweglicher geworden. Von dieser Entwicklung profitieren letztendlich die Kunden.” – Das mag vielleicht sein. Die Angebote unterscheiden sich auf den ersten Blick allerdings kaum von vergleichbaren im Schweizer Hostingmarkt.

Nun könnte man sagen: “Andi, halt die Schnauze und mach einfach einen guten Job – das ist die freie Marktwirtschaft, das gehört einfach dazu.”

Schon, aber: SWITCH profitiert vom jahrelang aufgebauten Image der Quasi-offiziellen Registrierungsstelle, die nach wie vor im Auftrag des Bundes .ch- und .li-Domains verwaltet. Ich habe meine Kunden für ch-Domains über Jahre zu SWITCH geschickt, und als Dank dafür wirbt uns SWITCH nun direkt auf seiner Startseite Kunden für etwas ab, das früher nicht angeboten wurde und das mit dem Bundesauftag nichts zu tun hat?

Ich befürworte den freien Markt. Das ist jedoch keine faire Mitbewerberschaft, das ist ein Schlag in die Magengegend von Partnern.

Ich kenne einen Grossteil meiner Kundinnen und Kunden persönlich oder sie wurden von bestehenden Kunden weiterempfohlen. Ich werde wegen SWITCHplus keine Aufträge verlieren. Mir gehts – nebst dem Mehrwufwand, den mir SWITCH beschert – um den lausigen Stil, den man hier fährt.

Eine sympathische Reaktion auf die Bakom-Auflagen wäre gewesen, sich in Bescheidenheit zu üben: “SWITCHplus” möglichst bald umzubenennen (in einen Namen ohne das offizöse “SWITCH”) und den frechen Banner “Der direkte Weg zu Ihrer Internetadresse” umgehend zu entfernen. Alles andere ist Heimlifeisserei, gespickt mit mässig stichhaltigen Ausreden.

Ausserdem stimmt auch die Leistung von nic.ch nicht mehr – diesen Winter hagelte es wochenlang Fehlermeldungen beim Registrieren und Bearbeiten von Domainnamen. Eine Reaktion auf eine Anfrage beim Kundendienst kam erst nach einigen Tagen.

Sollte man den Preis von 17 Franken jährlich für eine Domain eventuell wieder einmal prüfen?

12 Kommentare

  1. Mehrheitlich derselben Meinung.
    Ich habe ja gehofft, dass nach der Finanzkrise und dem Entweichen der neoliberalen Heissluft, endlich Schluss ist mit diesen lächerlichen Geschäftsausweitungen von gemeingütlichen Diensten (man denke nur an die Gummibärchen und IKEA-Kataloge in den Poststellen).

  2. Vielen Dank Blöker für den Hinweis! Ich werde am Wochenende eine URL registrieren und damit bin ich nun gewarnt.

    Und ja, ich finde n.b. auch, dass die Verknüpfung eine Frechheit ist. Aber wenn ein User bei der Bestellung die Angaben nicht liest (“Sie kaufen eine Domain und 12 Mte Hosting” – Bestätigen – Verwerfen), dann kann man nicht nur SwitchPlus dafür verantwortlich machen.

  3. @Mirko: “… wenn ein User bei der Bestellung die Angaben nicht liest” – schon klar, darum gehts nicht, es geht um den irreführenden Titel auf der SWITCH-Startseite namens “Hosting und Domainnamen” und den Banner. Auf der SWITCH-Startseite dürfte es meiner Ansicht nach gar keine Verbindung zu SWITCHplus geben. Und schon gar nicht so deftig und mit dem Titel “Domainnamen” – denn das wollen die meisten, die da landen, und so kommen sie umgehend zu SWITCHplus.

  4. das schlimmste ist das sie nicht einfach eine webforward option bieten bei switch.ch oder switchplus.ch..für was verlangen die 17Sfr wenn sie dem Kunden 2 Einstellungsmöglichkeiten bieten!!

    ..das mit der nameserver Weiterleitung funktioniert bei meiner Kundin auch nicht, und das vor allem weil switchplus.ch den Nameserver einfach nicht frei gibt, obwohl er korrekt eingerichtet ist..aber switch.ch ist wohl kaum besser, da es eigentlich die gleichen Optionen bietet, oder kann niemand einen Nameserver bei switchplus einrichten?? 😀 ..bei meiner Kundin hat es ein “ò” im Namen, und switchplus hat ihn registriert, aber einen Anbieter zu finden der einem einen DNS Namen registriert ist unmöglich und über den “ACE-String:” kann man einen nameserver einrichten, aber Switchplus.ch
    ist dann natürlich unfähig den Nameserver freizugeben!!

    ..ich liebe solche Firmen die 100000Sfr in Webpages stecken und dann keine 3 Einstellungen zur Konfiguration bieten, die machen gleich eine neue Tochter Firma auf wenn sie ein simples tool schreiben wie z.b die Option WEBFORWARD!

    peace aber nicht für switchplus 😀

  5. Switch.ch ist wirklich das letzte!!
    Sehr Arogante Mitarbeiterinen, die sich tagelang zeit lassen um Mails zu beantworten, und dann Antworten von sich geben wie ich verstehe Ihre Frage nicht!!! Pfui wie man als Kunde behandelt wird, ich habe auch Telefonisch mit einem Mitarbeiter gesprochen um nach einer Lösung zu suchen, der war genau so arrogant und meinte das sie so der so der einzige Regestrierungsservice für CH Adressen wären und auch kein Geld zurückzahlen!! Pfui schämmt euch für euer Miesser Kindischer Service von Switch und Nic.ch, euch sollte man den Laden sofort schliessen!!!!

    Gruss Sabrina Maier

  6. Aaaah, irgendwie hat mich Google zu Dir geführt. Selbe Probleme.
    Kundin hat eine Domain bei nic.ch, wo ich selber die DNS-Einträge als TECH managen kann. Die andere Domain liegt nun leider bei switchplus und ist gerade jetzt bei einem IP-Adresswechsel wohl etwas ange… Wie einfach migriert man denn eine Domain von Switchplus zu Nic.ch?

  7. Hallo Urs

    Ist genau dasselbe wie bei jedem anderen Registrarwechsel: Beim alten Registrar den Transfer Code lösen, beim neuen den Transfer starten und ggf. ein Mail des alten Registrars bestätigen, ob man mit dem Transfer einverstanden ist.

    Es sind halt einfach unter Umständen “sich überschneidende Gebühren” zu bezahlen.

    Und SWITCH sollte man eine Aufwandgebühr-Rechnung senden – SWITCHplus bringt nichts, ausser dass es ein Getäupel ist und mir sowie vielen Kunden unnötige Arbeit macht. Sauerei.

  8. Haha, die reagieren sogar auf Mails bei Switchplus. Zitat: « Falls Sie zukünftig beide Domain Namen in einem Account verwalten möchten,
    empfehlen wir Ihnen den Domain Namen von SWITCH zu switchplus zu transferieren.»
    Ja klar :-/

  9. Die haben sie doch nicht mehr alle! Das ist krass. Ich boykottiere wenn immer nur möglich SWITCH und switchplus sowieso – die haben es sich definitiv verdorben mit mir. Mögen es mir viele gleich tun. Zum Glück gibt’s genug andere Registrars, bei denen man ch-Domains (teils sogar günstiger) reservieren kann.

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