Schlacke als Isolation

Die Sanierung unseres alten Hauses kommt langsam in die Endphase. Fertig wirds zwar dieses Jahr nicht mehr – aber Zeitpläne sind ja bekanntlich dazu da, über den Haufen geworfen zu werden.

Inzwischen verputzt der Blöker, der einst dachte, zwei linke Hände zu besitzen, auch Wände oder verlegt Böden – so viele praktische Dinge wie diesen Spätherbst hat er vermutlich schon lange nicht mehr gelerent.

Ich habe schon daran gedacht, das Portfolio meiner kleinen Einzelfirma um “Altbausanierungen” zu erweitern. Heimwerken macht immens Spass und ist wohl die Entdeckung des Jahres; wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, was ich so alles tun würde Ende 2010, hätte ich der Person glatt den Vogel gezeigt.

Beim Herausreissen von alten Böden entdeckt man in Altbauen immer wieder Skurriles. Offenbar trifft man zum Beispiel in Gebäuden aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende des öfteren diese heute seltsam anmutende Form der Isolation an: Schlacke!

Schlacke als Isolation

Ich kannte den Ausdruck bis vor kurzem nicht mal und stellte mir eher etwas Feuchtes, Schlammiges vor – was mitnichten stimmt. Trockener und staubiger gehts kaum. Schlacke ist ein Abfallprodukt der Metallherstellung; man findet zerbröselte Schlacke oftmals in Zwischenböden, wie bei uns zwischen 1. Stock und Estrich:

Schlacke als Isolation

Rührt man das Zeug an, sollte man sich schnell in Sicherheit bringen. Eine immens staubige Angelegenheit – ein paar minime Schlackenschiebereien genügen schon, um sich einen grauen Belag aus der Nase zu kratzen oder schwarze Spucke zu bekommen. Ob das gesund ist? Lassen wir die Frage lieber…

Besonders ulkig ist das Entfernen alter Bodenbeläge, wenn im Lauf der Jahrzehnte gleich mehrere Schichten einfach übereinander gelegt wurden. Im Entree wollten wir eigentlich Platten verlegen – aber es kam anders. Unter der obersten Teppichlage aus den 1970ern tauchte wiederum ein Teppich auf, vermutlich aus den 1960ern…

… drunter war ein Linoleumboden, der wohl aus den 1940ern oder 1950ern stammt…

… und zu einem kleinen Jubel führte dann die völlig überraschende unterste Schicht von 1928 – Fischgrätparkett, Buche, unbehandelt – whow!

Nun, auch wenn man die Person, die darauf Linoleum verlegt und massive Leimspuren hinterlassen hat, zuerst mal strafrechtlich wegen Verstosses gegen das Stilgesetz belangt werden sollte – wir kümmern uns nun mal lieber ums Schleifen…

Nachtrag tagsdarauf: Unsere Lungen sind nun voll Sägemehl und gesunden Kleberresten aus den 1920ern – aber so ein kaum angedunkelter, natürlicher, roher Buchenparkettboden ist einfach himmlisch. Schade kann man ihn nicht genau so lassen. Wir haben uns fürs Ölen statt Versiegeln entschieden – ist immerhin ein kleines Bisschen natürlicher.

Roher Buchenparkettboden, Jahrgang 1928, frisch geschliffen

Roher Buchenparkettboden, Jahrgang 1928, frisch geschliffen

Um die blöde Spanplatte kümmern wir uns dann 2011.

4 Kommentare

  1. Naja, nicht übertreiben 🙂 Aber das Schleifen war eine Tortur… mit einem wunderbaren Ergebnis hingegen (nach zig Stunden mit der Schleifmaschine, einer dicken Staub- und Pulverisierterlebergemisch-Schicht im halben Haus trotz hermetischer Abkleberei, etwa 2 Stunden Staubsaugen), Ergebnis siehe Nachtrag im Hauptbeitrag!

  2. ich muss sagen du kanst von Glück reden heute habe ich in einem 13m2 grossen dach zimmer Schlacke entsorgen müssen und bei dieser baustelle waher es nicht nur im boden sonern auch in wände und decke wir haben berechnet nur in wände und decke 3.4m3 schlacke

  3. Wie musste ich schmunzeln. In unserem Bad (Baujahr 16xx), waren insgesamt 12 Böden übereinander. Offenbar ein weiter verbreitetes Phänomen…

    Übrigens: Heute wird mit Luft isoliert! Die Empa entwickelte einen Dämmputz aus 95% Luft und 5% Putz, um Altbauten aussen zu sanieren, ohne so hässliche Platten auf die Fassade zu pflastern.

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