R.I.P. Skilift Salzegg – Erinnerungen an die Seilbahnfirma Oehler

Diesen Frühling lief der Skilift Salzegg im Skigebiet Wengen-Grindelwald das letzte Mal – er wurde 50 Jahre alt. Ein stattliches Alter für einen Skilift!

Aufgestellt hat ihn im Jahre 1959 eine damals führende Aarauer Seilbahnfirma namens Oehler, in den früher 1980ern wurde der Lift von der Steffisburger Küpfer AG revidiert – hier ein Bild aus dem Dia-Archiv vom Februar 1982:

Skilift Salzegg, 1982

“Oehler-Lift” – das lässt Skilifthistorikern das Herz höher schlagen. Denn die “Oehler & Cie, Eisen- und Stahlwerke Aarau” lieferten bereits 1924 den Antrieb für die erste Schlittenaufzugsbahn in Crans Montana.

Parallel zu den Erfolgen des Bügel-Skiliftsystems von Ernst Gustav Constam (und später Henri Sameli-Huber) entwickelte der passionierte Skifahrer Béda Hefti ein Gurtenliftsystem, von dem hier viele Bilder und hier auch Videos abrufbar sind: Man schnallte sich einen Gurt um den Hintern, hängte sich ans Zugseil und liess sich hochziehen. Die Anlagen – teils mit verrückten Holzstützenkonstruktionen – wurden von Oehler gebaut. Bekannt ist der 2.7 Kilometer lange Hörnlilift in Arosa:

Skilift Hörnli, Arosa, 1940er-Jahre: Gurtenlift nach System Beda Hefti, erbaut von Oehler Aarau, mit Holzmasten

Heftis Gürtelsystem setzte sich aber nicht durch, Oehler baute ab Ende der 1950er-Jahre zahlreiche Bügelskilifte mit den charakteristischen T-Gitter-Masten, wie sie zum Beispiel am Skilift Heiligkreuz noch sichtbar sind. Auch der Salzegglift war so eine Anlage. Aus dem Nachlass des Seilbahnpioniers Theo Brunner konnten wir der Nachwelt einen Oehler-Prospekt von 1960 erhalten:

Oehler-Prospekt von 1960 (Nachlass Theo Brunner)

In der Referenzliste auf der letzten Seite ist auch der damals brandneue Salzegg-Skilift erwähnt:

Referenzliste im Oehler-Prospekt von 1960 (Nachlass Theo Brunner)

Oehler entwickelte auch ein eigenes Schleppgehängesystem, vulgo “Skiliftbügel” genannt – den “BEAP” oder “Beschleunigungsapparat”. Das kennen wir heute noch: Kurz nach dem Anbügeln geht die Fahrt schon los anstatt ruckartig erst nach dem Ausziehen des gesamten Seils.

Im Prospekt dazu steht: “Der patentierte Beschleunigungsapparat gewährleistet auch bei höchster Schleppgeschwindigkeit ein sanftes und ruckloses Anfahren der Skifahrer beim Start. Er nimmt ferner dem Bedienungspersonal die unangenehme, ermüdende Arbeit des Anstossens ab. (…) Stürze beim Start ereignen sich praktisch überhaupt nicht mehr.” – Ein Konstruktionsplan zum BEAP ist hier abrufbar.

Oehler baute fortan Ski- und Sessellifte sowie Gondelbahnen in der ganzen Welt. 1970 wurde die Skiliftabteilung Oehlers an Georg Fischer in Schaffhausen verkauft, welche diese noch im selben Jahr an Habegger Thun, einem der damals erfolgreichsten Schweizer Seilbahn- und Skilifthersteller, weiterverkaufte. Deren N-förmige Skiliftstützen waren ebenfalls lange Zeit in so manchem Skigebiet zu sehen, auch am 2007 abgerissenen Skilift Honegg, gleich vis-à-vis vom Salzegglift.

Mit dem Salzegg-Lift stirbt also ein weiteres Stück wichtige Schweizer Seilbahngeschichte – und damit (mehr zur Geschichte der Skilifte hier) zurück unter die Eigernordwand!

Salzegg war nichts für Anfänger – die Strecke (hier bei einer klassischen Föhnlage im Februar 2008) war an vielen Stellen sehr steil:

Skilift Salzegg

Skilift Salzegg

Auch die Bergstation war etwas Besonderes – das Umlenkrad drehte sich in einer kleinen Felskaverne:

Skilift Salzegg

Der Skilift Salzegg ist inzwischen mit Ausnahme der Talstation abgerissen…

Skilift Salzegg

hier sind weitere Fotos von heute und aus besseren Tagen zu sehen. Ab Dezember 2009 surrt an der Stelle des Schleppers die 6er-Sesselbahn Eigernordwand. Das ist ein Verlust für Skiliftostalgiker – aber das Skifahrerherz freut sich, denn die Bahn beginnt schon im Arvengarten und eröffnet neue Routenmöglichkeiten. Doch näher an der Eigernordwand als mit dem Salzegglift wird man nie wieder sein, wie dieses Video mit zwei Liftfahrten im März 2009 zeigt:

YouTube-Video: Zwei Fahrten mit dem Skilift Salzegg in seinen letzten Betriebswochen (Aufnahmen vom 7. und 14. März 2009)

Immerhin ist auch ein ganz klein wenig Oehler im neuen Sessellift drin: Habegger Thun, die wie erwähnt 1970 die Oehler-Seilbahnabteilung übernommen hat, gibts schon lange nicht mehr – die Firma ging 1982 an Von Roll, dessen Thuner Seilbahn-Ast seit langem zum Doppelmayr-Garaventa-Imperium gehört… dem Erbauer der Sesselbahn Eigerordwand.

Evolutionsbiologen können nun nachrechnen, wieviel Oehler da noch drinsteckt.

13 Kommentare

  1. Interessant ist, dass der “Bund” am 19. Juni 2009 einige Infos bringt, die fast nur aus diesem Blogbeitrag stammen können.

    Das ist natürlich OK und erfreulich, nur… liebe Mireille, es werden keine “Gondeln” sein, die der neue Sessellift haben wird, sondern eben – nomen est omen – Sessel. Ich denke, auch ein Laie kann zwischen Gondeln und Sesseln unterscheiden.

    Und ein Patent macht noch keine Erfindung: Der aussziehbare Skiliftbügel wurde nicht von Oehler erfunden, das war nur eine Erweiterung bestehender Systeme, z.B. von Ernst August Constam.

  2. Ich werde ihn vermissen… Er war trotz der längeren Stehpausen infolge Unfällen ein sehr gemütlicher Lift. Der einzige “nostalgische” Weg führt nun über die Jungfraubahn… ICH WERDE MICH WEIGERN, DEN NORDWAND-LIFT ZU BENÜTZEN!!!

  3. lässige hinweise zu Oehler und coole bilder. eine kleine korrektur: das zweitoberste bild zeigt nicht den weisshornlift in Arosa, sondern den hörnlilift von 1945. in Arosa gibt es übrigens immer noch eine Oehler anlage, den Skilift Tomeli (früher Prätschli) von 1960. stützen und bügel praktisch identisch mit salzegg. zwei weitere solche lifte (hörnli 1963 und plattenhorn 1966) stehen heute nicht mehr. siehe auch die infos bei Wikipedia.

  4. Wer baute eigentlich die Schleppvorrichtungen die auf den Bildern hier zu sehen sind? Auch Oehler? Falls nicht, gibt es den Hersteller noch, oder von jemandem übernommen worden?

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