Nicht-Impfende im Freundeskreis: eine Übung im Wutmanagement

TL;DR: Für alle, die aus einem impffreundlichen Umfeld stammen, ist der Umgang mit Skeptikern im engeren Familien- und Freundeskreis schwierig. Dies ist ein Plädoyer, warum wir trotz der Wut über diese Haltung und trotz der Angst, dass sich unsere Liebsten infizieren (und damit potenziell auch uns), den Kontakt aufrecht erhalten sollten. Und – ja, ich hoffe, dieser Text und die darin enthaltenen Links können die einen oder anderen doch noch vom Motto überzeugen: “Ein kleiner Pieks für einen Menschen, ein grosser Schritt für die Menschheit.”

Das Bizarrste an der Pandemie ist für mich, was das Coronavirus in den Köpfen einiger Menschen anrichtet: Was genau kann man ernsthaft gegen eine Maske haben? Wie kann man sich vor einer Regierung unterdrückt fühlen, die die Bevölkerung schützen will? Undsoweiter.

Solche Irrationalitäten kann man in der Regel kopfschüttelnd aus der Ferne beobachten – oder auch zur Unterhaltung nutzen: Entfolgte ich Leute früher, da mir ihr abgedrehtes Gesülze von wegen “Mainstreammedien” oder “wacht endlich auf” auf den Keks ging, kann ich heute immerhin über sie lachen. Solche Konten sind – so lange sie sich von “ganz rechtsaussen” abgrenzen – schlicht ein amüsantes Gruselkabinett, auch wenn einem die Menschen dahinter natürlich leid tun und man ihnen die Hilfe wünscht, sie sie benötigen.

Schwieriger wird es mit Menschen im engeren Umfeld, die nicht völlig abgedriftet sind, sondern alle Massnahmen problemlos mitttragen – sich aber aus einem diffusen Gefühl des Unbehagens nicht impfen lassen. (Noch schwieriger mit solchen, die das mit fragwürdigen Links auch öffentlich bekennen.)

Was tun? Dem Frieden zuliebe schweigen und beschliessen, “es” nicht zu thematisieren? Im Wissen, dass einem nahestehende Menschen vermutlich irgendwann an Covid erkranken – und womöglich einen schweren Verlauf machen? Im Wissen, dass sie auch Geimpfte anstecken können, die zwar vermutlich nicht schwer erkranken, aber das Virus anderen übertragen können? Den Kontakt zumindest vorerst abbrechen?

Dieses Dilemma zerreisst – je nach Tagesform – nicht nur mich schier, sondern auch viele Freundinnen und Freunde. Es ist ein grosses Thema derzeit unter den rund 90% meines Freundeskreises, die geimpft sind und das eigentlich als Selbstverständlichkeit von allen erwarten würden.

“Völlige Covidioten”, die “massvoll” unterwegs sind, eine Verschwörung vermuten, an Demos teilnehmen oder gar an Chemtrails glauben, kennen wir höchstens von sehr weit weg. Fast alle haben aber Impfskeptiker oder Gleichgültige in ihrem Umfeld, die das nicht aus komplett irrationalen Gründen so handhaben, sondern wegen einer Mischung aus Zweifeln und Gleichgültigkeit.

Und während für unsereiner völlig klar ist, dass man sich – für sich und andere – so bald wie möglich impfen lässt (und auch seiner Kinder über 12), begegnen wir auf “der anderen Seite” Aussagen, die wir nicht verstehen, als unlogisch einschätzen, die uns völlig gegen den Strich gehen und die uns – ja – bisweilen schier auf die Palme und / oder in den Wahnsinn treiben.

Für uns ist es komplett unverständlich, wie jemand sehenden Auges in sein potentielles Verderben rennen kann. Wir hätten das nicht erwartet und machen uns Sorgen um unsere Freundinnen und Freunde.

Wir hören dann Dinge wie “ach, geh doch nicht immer vom Schlimmsten aus”, “ich habe ein gutes Immunsystem und will mir nichts Künstliches spritzen lassen”, “ich habe von keinem schweren Verlauf in meinem Umfeld gehört, das wird nicht so schlimm sein, wenn ich es bekomme”, “das Zeug ist so neu, das kann gar nicht gut getestet sein”, “man weiss ja nichts zu Langzeitnebenwirkungen”, “vermutlich sind die Nebenwirkungen der Impfung schlimmer als die Krankheit selbst”, “das Reisen ist halt etwas schwieriger, aber ich kann ja dann pro forma einen PCR-Test machen”, “ich hätte das ja längst bekommen, wenn das so schlimm wäre”, “unsere Kinder haben nun genug Opfer gebracht, testen wir nicht auch noch einen potentiell unsicheren Impfstoff an ihnen”…

Während wir “unter den 95% unseresgleichen” über solche Aussagen kochend keifen und auf sozialen Medien zum Beispiel Eltern, die dazu aufrufen, ihren Nachwuchs nicht zu impfen, zu bekehren versuchen, begegnen wir den Urherberinnen und Urhebern ja auch immer wieder im Alltag – und wundern uns: Wir lachen und essen zusammen, wie wenn nichts wäre. Bisweilen gehen wir sogar mit ihnen ins Bett.

Wir geschäften mit wichtigen Kunden, die sich öffentlich mit wirren Argumenten als Impfskeptiker geoutet haben. Obschon wir wissen, dass diese Haltung der unsrigen diametral entgegenläuft.

Wie geht das zusammen?

Natürlich begegnen wir im Alltag – privat und vor allem geschäftlich – immer wieder Menschen mit anderen Ansichten. Die Corona-Situation ist aber etwas anderes als wenn ich z.B. mit einem SVP-Mitglied einen Skitag verbringe und es durchaus auch lustig haben kann. Ich teile zwar dessen Meinungen nicht, aber er gefährdet mich immerhin nicht direkt, sofern er geimpft ist.

Nicht-Impfende hingegen bringen nicht nur wissend ihre Angehörigen in Gefahr, nein, sie tragen auch aktiv dazu bei, die Pandemie unnötig zu verlängern und Covid weiter zu verbreiten (und mutieren zu lassen). Die ganze Sache hat uns Milliarden gekostet, Geschäfte vernichtet, mühsame Einschränkungen, Tote und Langzeitkranke gebracht – und die Impfmuffel gefährden all das, was wir (unglaublicherweise) als Gesellschaft erreicht haben kurz vor dem Ziel, mit irrationalen Argumenten und einer egoistischen Haltung.

Anstatt einfach eine Stunde ihrer Lebenszeit zu entbehren, den Gratispieks zu machen und etwas Sinnvolles für die Gesamtgesellschaft zu machen, tun sie so, als ob sie das alles nichts angehe und in einer Art virenundurchlässigen Hülle leben. Ziemlich frech eigentlich.

Die Impfung ist nicht der ideale, aber derzeit gangbarste Weg aus der Misere – es ist die Hand, die uns nach Tagen an einer Holzplanke auf dem Meer aufs Rettungsboot zieht (vielleicht noch nicht an Land, aber immerhin).

Und diese Leute lehnen diese Hand ab und schwimmen lieber weiter? I don’t get it.

Natürlich geht es mir zuerst einmal auch gegen den Strich, mir eine Spritze zu setzen. Auch ich gestehe ein: Alles, was wir dem Körper von aussen zuführen, birgt prinzipiell ein gewisses Risiko. Das gilt für alles, was wir einatmen, essen, trinken, und speziell für Medikamente. Logisch.

Allerdings gilt letzten Endes: Eine langfristige negative Impfstoff-Nebenwirkung ist sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich.

Impfgegner steigen ins Auto und gurten sich an – wieso eigentlich? Passiert ja vermutlich eh nix. Sie steigen in einen Eisenbahnwagen oder ein Flugzeug, Wunder der Technik, die durch jahrelange Forschung, Wissenschaft und Ingenieurskunst entstanden sind. Aber einem Impfstoff, der von Teams brillanter Fachleute entwickelt wurde, misstrauen sie. Mit der gleichen Begründung müssten sie autark im Wald leben und alles Technische ablehnen. Um dann von so etwas Profanem wie einem Blitz um die Ecke gebracht zu werden, weil sie vor ihrem Waldleben auf Youtube gesehen haben, dass man sich im Gewitter unter eine Buche setzen soll.

Fazit: Leben ist grundsätzlich gefährlich. Wir leben in einem Kollektiv. Ob wir es wollen, oder nicht: Wir beeinflussen mit weiten Teilen unseres Verhaltens andere Menschen. Es ist nicht nett, aus Angst zu extrem unwahrscheinlichen Nebenwirkungen weiterhin andere Menschen zu gefährden, und es ist ein Akt der Solidarität, allfällige Nebenwirkungen auszuhalten und durchzustehen.

Mein Vater hat als “zurückgeholter” pensionierter Arzt seit Weihnachten Tausende geimpft – und so weiss ich aus erster Quelle, was zu erwarten ist: Schmerzende, bisweilen gerötete Oberarme. Ein, zwei Tage Gliederschmerzen, manchmal ein Tag hohes Fieber. Bei Moderna etwas mehr als bei Pfizer. Bei der grossen Mehrheit aber: Gar nichts ausser einem schmerzenden Arm. C’est ça.

Also schaut her, ihr Schisshasen von Nichtimpfern (denn inzwischen vermute ich, dass es hauptsächlich Lethargie und Angst als wahre Überzeugung ist): Wenn ihr nicht einmal einen Tag Schlappheit durchhält oder etwas Schmerz im Arm ertragt, aber damit euren Nächsten potentiell das Leben rettet, dann… hinterlässt mich das ein wenig ratlos.

Einmal ganz abgesehen davon, dass ein Longcovid kein Zuckerschleck ist. Geht ihr lieber dieses Risiko ein? Oder hat euch die Youtube-Universität irgendwas von Unfruchtbarkeit doziert?

Aber, ja, der Mensch ist so – siehe Klimawandel: Da können seit Jahrzehnten hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren Ausbildung wir alle mitfinanziert haben, predigen, was Sache ist und was wir als Menschheit zu tun haben.

Was tun wir Menschlein? Nichts.

Bevor ein Gurtenobligatorium eingeführt wird, muss es zuerst Tausende von Verkehrstoten geben (und die üblichen Verdächtigen motzen zuerst mal wegen “Einschränkung ihrer Freiheit”). Bevor Asbest verboten wird, müssen zunächst zig Arbeiter an Krebs gestorben sein. Bevor FCKW verbannt werden, muss die halbe Ozonschicht verschwunden sein.

Der Mensch ist halt so. Seien wir nicht naiv: Solange Amsterdam & Co. nicht im Meer versunken sind, wird uns die Erdöllobby weiterhin schön brav durchs Leben führen. Und bevor nicht ihre Kinder oder sie selbst einen richtig netten kleinen Longcovid eingefangen haben, garniert vielleicht mit Beatmungsmaschine und monatelanger Reha, werden die Nichtimpfer weiter von ihrem ach so geilen Immunsystem faseln.

Und ich kann’s ihnen nicht mal verübeln!

Wieso? – Nun, kürzlich begegnete mir auf Facebook eine Baslerin (eine Freundin einer Gym-Kollegin von früher, die ein Anthroposphen-Schwurbelvideo geteilt hatte, weshalb man seine Kinder nicht impfen sollte). Wir teilten ein paarmal gegeneinander aus und kamen uns inhaltlich nicht wirklich näher.

Aber Frau K. hatte natürlich nicht ganz Unrecht, wenn sie schrieb: “Wer ohne Sünde ist, wirft den ersten Stein”. Und das half tatsächlich, eine etwas andere Perspektive einzunehmen.

Ich habe punkto Covid-19 zwar ein recht reines Gewissen. Aber… ja – ich fahre ohne Helm Ski, und wenn ich mir den Schädel am nächsten Skiliftmasten einschlage, bezahlt sie (und bezahlen Sie) indirekt mit. Ja, ich steige ab und zu in ein Flugzeug und trage dazu bei, dass dieser unser Planet den Bach runter geht.

But let’s face it, ohne den Klimawandel kleinzureden: die Folgen einer Covid-Erkrankung sind für die angesteckten Menschen kurzfristig sehr viel unmittelbarer als der globale CO2-Ausstoss. Nämlich im äussersten Extremfall: der Tod innert Wochen. Und die Impfung eine sehr einfache Gratis-Lösung dagegen. Ich wünschte mir, gegen den Kimawandel gäbe es auch eine einfache Spritze.

(Darauf hat die Facebookfreundin der Facebookfreundin übrigens auch hingewiesen: “Solidarität heisst auch für unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Heisst den Klimawandel zu stoppen und auch sie nicht unnötig mit einem neuartigen Impfstoff potentiell zu gefährden.” – Warum sie der Wissenschaft beim Klimawandel glaubt und bei mRNA nicht – einer rund 30 Jahre alten Technologie -, wird wohl auf ewig Frau Ks best kept secret bleiben. So wohl schien es ihr dabei auch nicht zu sein: sie hat nach einigen Tagen all ihre Kommentare zum Thema gelöscht.)

Aber eben: Selbst Bildung schützt nicht vor irrationalem Verhalten und Denken.

Gut, auch das ist nichts Neues: Religiöse Naturwissenschaftler, sich nicht impfende Pflegefachpersonen, globulifressende Biologinnen, … dass der Mensch kein per se logisches Wesen ist, wissen wir.

Für die einzelnen Impfskeptikergruppen wären wohl folgende Überzeugungstaktiken möglich:

  • Schlecht informierte Optimistinnen und Optimisten: Glauben an ihre Super-Abwehrkräfte und ihre "blendende Gesundheit". Konsumieren kaum Medien. (Lösung: Fein dosiert mit prägnant formulierten Infos wie diesem Text bearbeiten.)
  • Bildungsferne: Keine Ahnung von "was ist ein Virus", "wie funktioniert eine Impfung", kein Plan von "wie ergoogelt man sich seriöse Infos". Sind gleichgültig; "geht mich nichts an", "ging ja bisher auch ohne". (Lösung: Schwierig. Am ehesten: Leute ohne Covid-Zertifikat von möglichst vielen Bereichen ausschliessen, nur noch das Lebenswichtige machen lassen.)
  • Bubbles: Wer in einem Umfeld gross geworden ist oder sich bewegt, das "impffern" oder alternativmedizinisch geprägt ist, ist für den Wirkmechanismus einer Impfung weniger empfänglich. (Lösung: Schwierig. Am ehesten wie bei den Bildungsfernen: Kein Zertifikat, kein cooles Leben mehr.)
  • Angsthasen: Wollen sich keinesfalls Nebenwirkungen aussetzen - und spitzen, langen Nadeln schon gar nicht. (Lösung: Allenfalls gemeinsam zum Impfenztrum reisen, "Händli halten", gut zureden.)
  • Geisterbeschwörerinnen und -beschwörer: Menschen, die im weitesten Sinne Placeboeffekte teurer Therapien geniessen (Anthroposophie und dergleichen) - alles harmlos und nett, so lange es nur sie selbst betrifft. (Lösung: Kaum möglich. Diese Menschen sind meist stark indoktriniert und überzeugt.)
  • Zahlreiche Mischformen

Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, jemanden zu bekehren, der noch unsicher ist. Hier meine Top-Liste der Argumente “Pro Impfung”:

  • Dein Immunsystem mag top sein, aber das ist dem Virus reichlich egal - es gibt zahllose andere Faktoren, die sich auch stündlich ändern können. Es ist wie Russisches Roulette: Es muss einen nicht erwischen, es kann aber. Würdest du nüchtern beim Russischen Roulette mitspielen? Nein. Lass dich impfen.
  • SARS-COV-2 wird uns noch lange begleiten: Du bekommst die Krankheit irgendwann in den nächsten paar Jahren fast sicher, selbst wenn du wenige Sozialkontakte hast. Auch mit einer Impfung kannst du erkranken. Die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf ist dann aber kleiner.
  • Denk nicht nur an dich selbst. Du kannst andere anstecken - auch als geimpfte Person, und du kannst auch Geimpfte anstecken, die dann das Virus ebenfalls weitergeben (z.B. an eine unbeteiligte Person im Zug, die sich vielleicht aus bestimmten Gründen nicht hat impfen können).
  • Je mehr Menschen immunisiert sind, desto weniger Chancen hat das Virus, sich zu verbreiten und zu mutieren (das heisst, es kann sich u.U. so sehr verändern, dass die aktuellen Impfstoffe gar nichts mehr nützen - was heisst, dass wir zig Milliarden für nichts ausgegeben haben, und einen Riesenaufwand für nichts hatten... nur weil es 25% Menschen wie dich gibt, die an der Impfung zweifeln).
  • Auch wenn du wie ich eine Mathe-Flasche bist: Schau dir ein paar Statistiken von Ansteckungen und Impfungen an. Du wirst sofort sehen, dass ein Zusammenhang besteht. Die Impfungen sind abgesehen von totaler Isolation (willst du das?) der einzige Ausweg derzeit.
  • Die Chance, dass du einen schweren Verlauf hast, ist klein. Die Chance, dass du an Covid stirbst, ist minimst. Aber die Chancen sind da, und sie sind höher, wenn du nicht geimpft bist.
  • Du hast Angst vor einem Tag hohem Fieber? Vor tagelangen Schmerzen im Arm? Vor einer grossflächigen Rötung, die erst nach 2 Wochen weggeht? - Ich mache es kurz: Du bist eine Memme. Willst du eine Memme sein? - Eben.
  • Du hast dich zur Impfung mit Mühe und Not überreden lassen, verzweifelst nun schier an 39 Grad Fieber und Gliederschmerzen und würdest deinen "Überreder" am liebsten umbringen? Siehe letzte Antwort.
  • Du hast Angst vor noch unbekannten Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten? Suche eine Fachperson in deiner Umgebung und lass dir mRNA-Technologie erklären. Vermeide Kanäle wie Youtube-Videos oder Medien, die andere Medien als "Mainstream" bezeichnen.
  • Du hast Angst vor allerschwersten Nebenwirkungen? Die kann ich dir leider nicht 100% nehmen - bei allem, was man zu sich nimmt, bestehen prinzipiell Gefahren. Verschwindend kleine aber. Schau die grosse Anzahl Menschen an, die sich problemlos hat impfen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du an einer Erdnuss verstickst oder auf dem Fussgängerstreifen überfahren wird, ist grösser, als dass eine Impfung dir nachhaltig schadet. Glaube nicht den Verschwörungstheoretikern, die dir weismachen wollen, dass es viel mehr Fälle gibt; die lügen dich blank an. (Und: Nein! Der "Impfstoff mit den Thrombosen" ist in der Schweiz gar nicht zugelassen. Und auch hier waren die Fallzahlen sehr, sehr klein.)
  • Du kennst niemanden, der geimpft ist, und denkst, das sei unnötig? Lies ein paar Berichte von Menschen, die schwere Covid-Verläufe hatten. Natürlich muss man nicht immer vom Schlimmsten ausgehen, aber der Aufwand für die Impfung ist nun wirklich saumässig klein.
  • Frage deine "schulmedizinische" Hausärztin oder deinen Hausarzt. Die sind in aller Regel sehr gut ausgebildet. Vertraue ihnen und nicht selbsternannten Internet-Video-Bastlern, die von der Thematik keine Ahnung haben, sondern dir einfach Angst einjagen wollen. Oder würdest du in ein Flugzeug steigen, dass soeben ein Velomechaniker gewartet hat? Eben.
  • Schau dir die schrägen Leute an, die gegen Corona-Massnahmen demonstrieren. Recherchiere, welches politische Spektrum am impfkritischsten ist. Hör zu, was sie auf ihren Kanälen verbreiten. Sind dir diese Leute, ihr Menschenbild und ihre Art zu kommunzieren, sympathisch? Eben. Komm auf die sympathische Seite, lass dir diese beiden Shots setzen und zeige diesen irren Egomanen den Mittelfinger.
  • Versuch dich in Leute zu versetzen, die einen schweren Verlauf hatten, die Angehörige verloren haben. Frage dich: Möchtest du das dir und deinen Liebsten antun? Oder doch lieber einfach die Spritze setzen lassen?
  • Sind dir Menschen wie Anthroposophen, Naturheiler, Anhänger der feinstofflichen Welt usw. sympathisch? Cool, die meisten von ihnen finde ich auch lieb, und ich habe viele solche Leute in meinem Freundeskreis. Leider interessiert es Viren aber nicht, wie unsere Einstellung zu Schulmedizin, Kügelchen usw. ist. Diese Leute haben genau die gleiche Chance, sich anzustecken, und könnten durch die Impfung ihr Risiko ebenfalls senken.
  • Du bist Steiner-SchülerIn und umgeben von Impfskeptikern? Denke immer daran, wie superlässig du die Eurythmie-Stunden findest. Auch wenn du die Atmosphäre an der Schule sonst geniesst: Möchtest du dir von den Buchstabentänzern echt in deine Gesundheitsfragen reinreden lassen?
  • Du fragst dich, warum du nun so viele Monate ungeimpft ohne Ansteckung überstanden hast? Nun, womöglich hattest du die Krankheit bereits, und hast nichts gemerkt. Tatsächlich verläuft eine Corona-Infektion in den meisten Fällen symptomfrei (der Scheiss ist eben, dass es im Gegensatz zu einer normalen Grippe häufiger sehr viel extremer kommen kann). Mach für ca. 80 Franken in der Apotheke einen Antigentest, um es rauszufinden. Oder aber du hattest tatsächlich Glück! Schön! (Ich bin auch 25 Jahre unfallfrei Ski gefahren, bis ich einen schweren Beinbruch hatte, dessen Folgen mich den Rest meines Lebens einschränken werden - pure Wahrscheinlichkeitsrechnung. Und gegen Beinbrüche gibt es leider keine Impfung. Gegen Covid-19 schon.)
  • Du ärgerst dich über das Maskentragen und die Einschränkungen? Du willst problemfrei über die Grenze und hast PCR-Tests satt? Du hast Mitleid mit den Beizern, die eine schwere Zeit hatten? Mit Ueli Maurer, der Milliarden zusammenkratzen musste? Lass dich impfen - dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Scheiss nicht wieder von vorne losgeht.

So, nun lassen wir die Argumente aber Argumente sein und denken an den Freund, dessen Freundin sich partout nicht impfen lassen will, was ihre Beziehung belastet. An die Freundin, deren Schwägerin regelmässig zu Gast ist und die fast die Wände hinauf geht, wenn ihr Gegenüber etwas von “aber in diesem Video, das ich gesehen habe…” schwurbelt. Von der Freundin, deren Schwester sich keinesfalls impfen will, sich aber beschwert, dass all die Einschränkungen beim Reisen doch sooo mühsam seien. Vom Freund, dessen Tochter fast nicht von der Impfung überzeugt werden konnte, da Covidioten-Eltern die Klasse indoktriniert hatten und die Spritze als “gefährlich” und “uncool” galt.

Mögen wir diese Skeptikerinnen dennoch? Lieben wir die nichtimpfenden Partner trotzdem? Laden wir die Schwurblerverwandten dennoch weiterhin ein? – Ja, klar. Auch wenn es uns schwer fällt.

Widersprüche gehören aber zum Leben. So lange keine Chemtrail-, Chipimplantier- und Q-Anon-Komponenten dabei sind, nehmen wir diese Menschen dennoch in die Arme. Feiern mit ihnen. Küssen sie.

Oder wie Philipp Loser kürzlich im Tagimagi schrieb:

So versuche ich, die Diskussionen, die mich bis vor kurzem schier in den Wahnsinn trieben und die definitiv negativ aufgeladen waren, ins Positive zu kehren und als eine Art “Training in Anger Management” zu sehen.

Diese Menschen sind halt genau so ein “Produkt ihrer Sozialisierung und ihrer Umgebung” wie wir selbst. Darum müssen wir ein gegenseitiges Verständnis entwickeln. Genau so wie unsere Ansicht für uns vollkommen selbstverständlich ist, genau so sehr fühlen sie sich nicht ernst genommen, wenn wir uns ihnen gegenüber als völlig fassungslos geben. Wir tun bisweilen auch Dinge, die andere daneben finden.

Das Virus wird uns noch Jahre begleiten. Ein Kontaktabbruch ist keine Option. Wenn wir in 10-15 Jahren auf die Pandemiezeit zurückschauen, würden wir es zu 95% bereuen, wenn wir diese Menschen einfach beiseite geschoben hätten. Genau so wie die Impfskeptiker gegen eine gesellschaftliche Verantwortung verstossen, genau so würden wir das wohl auch tun, wenn wir sie blockieren, löschen, verlassen, zu Asozialen stempeln.

Diese Leute sind nicht abgrundtief böse, und es wäre ihnen auch überhaupt nicht egal, wenn wir mit Covid auf die IPS kommen, nachdem sie uns angesteckt haben.

Ich denke, es fehlt ihnen bisweilen einfach an Vorstellungskraft, wie Viren funktionieren und was eine Corona-Infektion für Folgen haben kann, ebenso wie die meisten Menschen nichts gegen den Klimawandel tun, obschon wir täglich mit diesen Schlagzeilen bombardiert werden.

Wir sind halt letzten Endes alle nur Menschen. Machen wir auch zwischenmenschlich möglichst das Beste aus der Pandemie.

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Hier die Links aus dem Text separat und garniert mit weiteren Verweisen – wärmstens empfohlen:

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