Neuland: Gyrenbad und Schauenberg

Das Zürcher Oberland gehört nicht gerade zu den bevorzugten Ausflugszielen ab Bern. Sehr, sehr schade, wie der Blöker seit diesem Wochenende findet.

Er wurde in den historischen Gasthof Gyrenbad entführt – ein Kleinod, das ab Winterthur in einer halben Stunde per Postauto zu erreichen ist (Haltestelle “Girenbad bei Turbenthal”). Aus dem nahen Tösstal (Station Turbenthal) wandert man in einer guten Stunde hierher auf 740m.

Auf der Speisekarte des beliebten Ausflugsrestaurants figurieren auch zahlreiche Spezialitäten des Nachbarhofes der Familie Fuster. Diverse Köstlichkeiten (nebst den zumeist geräucherten Fleischspezialitäten auch feine hausgemachte Kuchen aller Art, Sirupe, Dörrobst aus dem eigenen Garten, Honig undsoweiter) kann man im Selbstbedienungs-Lädeli 50m neben dem Hotel kaufen…

Fusters Lädeli

… oder im Internet bestellen.

Das Gasthaus steht unter Denkmalschutz, von den sieben Zimmern ist das grösste im alten Stil erhalten (ggf. bei der Reservation speziell erwähnen; es lohnt sich).

Schon 1364 wurde hier ein Hof urkundlich erwähnt, zwischen 1500 und 1968 wurde rege gebadet, 1932 übernahm die heute noch aktive Familie den Betrieb, der Mitglied der “Swiss Historic Hotels” ist und 1990-1992 fachgerecht umgebaut wurde.

Hotel Gyrenbad, Juli 2011

Hotel Gyrenbad, Juli 2011

Im “Damensalon” stehen in gediegenem Ambiente zahllose alte Bücher – bei den ausgedehnte Zeitreisen bis in die 1850er-Jahre zurück vergeht die Zeit wie im Fluge. Im “Gsell-Fels, Bäder und Kurorte der Schweiz, 1882”, steht zum Gyrenbad:

Prachtblick auf das Tössthal und die Hochgebirge; im Erdgeschoss 20 Badekabinette, gut eingerichtete Douchen und Dampfbäder-Apparat. Es sind auch Eisen, Soole- und Eichenrinderbäder erhältlich. Hübsche Anlagen, freundlicher Garten, angenehme Ruheplätze, Kuh- und Ziegenmilch. Das Bad liegt 180m über den Dörfern, in romantischer Gegend (…) Zwei Quellen entspringen einige Minuten vom Badehause aus lehmigem Boden und werden in Holzröhren in den Sammler ob dem Badehause geleitet. Nach Bauhof in Winterthur (1821) enthalten 10 Pfund zu 16 Unzen: kohlensaures Gas 25 Kubikzoll, kohelsauren Kalk 13,5 Gran, Bittererde 8, Eisenoxid 0.5 Gran (…) “

Der Bäder-Almanach von 1886 seinerseits schreibt:

Bäder-Almanach von 1886

Im “Gsell-Fels” finden sich auch zahlreiche kürzlich erst besuchte oder altbekannte Blökersche Kraftorte wie das Sissacher Alpbad, Sedrun, der Weissenstein oder das Löchlibad. Auch die bei uns äusserst beliebte Suotsassquelle zwischen Scuol und Sent wurde bereits vor 130 Jahren ausgiebigst analysiert und als “beliebtes Tafelwasser” bezeichnet… stimmt!

Zurück ins Gyrenbad: Die Gegend eignet sich ausgezeichnet für leichte Wanderungen und Biketouren; im Winter zieht ein Schneeschuhtrail viele Menschen an. Der Ausblick auf die Alpen – von Säntis bis Jungfrau – und die Zürcher Oberländer Hügel, den Schwarzwald und die Ostschweiz ist genial; entlang des Weges trifft man auf zahllose Wegelagerer:

Gyrenbad, Juli 2011

Kollegen des Blökers geniessen den Sonntag

Einziger Nachteil: Die Klotener Abflüge gen Osten führen genau über den Schauenberg. Spotter mögen das lieben, Ruhesuchende weniger. Besonders die A330 und A340, die nicht so schnell an Höhe gewinnen, scheinen einem auf dem Schauenberg fast den Schädel kahl zu rasieren.

Auf dem Schauenberg, Juli 2011

Blickt man aber wieder in die Ferne, ist der Lärm rasch vergessen…

Auf dem Schauenberg, Juli 2011

Dieser Text entstand im Gyrenbad auf einem Bänkli unter einem Ahornbaum in diesem schmucken Garten mit Kieswegen gleich unterhalb des Hauses.

Hotel Gyrenbad, Juli 2011

Der Autor klickt nun “Publizieren”, streckt sich glücklich und zufrieden und freut sich aufs sicher genau so wie gestern Abend schmackhafte Znacht.

Heute können wir sogar auf der glyziniendurchwachsenen Terrasse essen. Paradiesisch!

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