Kapern, Fenchelwürste und zweierlei flüssiges Gold

Bisher dachte ich immer, dass ich Anis nur in “Änisbrötli” mag. Und dass Fenchel wie der grässliche Hustensirup “Resyl” aus der Kindheit schmeckt – und drum des Teufels ist.

Heute bin ich eines Besseren belehrt worden: Die “Boutique della carne di Chiara e Bartolino” in Santa Marina (Salina) hat zwei Sorten In Salz eingelegte Kapern aus Salina (September 2007)wundervolle Hauswürste, die Salsicce Sicilane eben mit (wenig) wildem Fenchel, die anderen mit extrem viel verschiedenem Gemüse und Mini-Käsebällchen gefüllt.

Daheim dann (mit Sicht auf Lipari, Stromboli und Panarea) ein Tomatensalat mit den berühmten Kapern aus Salina, zum Dessert Mandelgebäck der “Pasticceria Antica Matarazzo” fast direkt am Hafen (die machen ganz frisch auch herrliche Cannoli) mit einem Glas des noch berühmteren Malvasia, dem einen flüssigen Gold aus Salina. Wunderbar.

Dann gibts da aber noch anderes Gold: Weiter oben an der Via Risorgimento liegt der unscheinbare Laden mit den Jesusbildern an den Regalen, mit einem kaum vorhandenen, dafür umso erleseneren Angebot. Der Mann ohne Hemd hinter der Theke heisst vermutlich Giovanni oder so, bietet einem von seinen im eigenen Olivenöl Malvasia von der Insel Salina (Äolische oder Liparische Inseln, September 2007)eingelegten Kapern an, die er aus seiner Wohnung gleich nebenan holt – und pfurrt einen mit einem schier unverständlichen Akzent an, wenn man nur einen Finger voll nimmt. Kapern zum mitnehmen? Klar doch, selbst gepflückt, in Salz eingelegt. In einem handgeknöpften Chrüschelsäckli.

Dann aber die scheue Frage nach dem an der Tür in Minischrift beworbenen “Olio d’olive, produzione domestica”. Na klar habe er – wir sollen doch gleich anderthalb Liter nehmen. Öhm… also… bitte? Doch da steht er schon mit der Guttere und einer Ex-Mineralwasserflasche und findet “10 Euro, ist doch nichts”… stimmt. Und schon rinnt das gelbgrüne Herrlicher Laden mit Original - und billigem, aber extrem feinem Olivenöl (September 2007)flüssige Gold durch den vermutlich 50 Jahre alten Trichter in die nicht ganz standesgemässe Plastikflasche.

Was solls: Dem Süssmost gehts zu Hause im Norden diese Woche auch so (danke, Tanner).

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass das Öl schlicht himmlisch schmeckt. Fast wie das eigene. Die Strapazen einer 24-stündigen Schlafwagen-Reise (sich endlich wieder mal fühlen wie mit 18 auf Interrailtour!) haben sich mehr als gelohnt – so muss es im Paradies sein… auf dass Stromboli ruhig bleibe und der Regen im Norden.

3 Kommentare

  1. anis? fenchel?… dann probier doch sonst mal einen guten absinth.. oder wenn dir das zu würzig ist einen pastis. ich persönlich liebe die kompostion dieser geschmäcker…. und was du in deinem post beschreibst, klingt auch sehr verführerisch!

  2. Ich schliesse mich beiden an: Es IST verführerisch und unmöglich, allem zu widerstehen… und – tja, leider mag ich Anis und Fenchel sonst eben auch gar nicht – schlimm schlimm, aber mit Pastis und Absinth kann man mich jagen. Ich wünschte auch, mein Gaumen wäre anders sozialisiert worden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.