iPod Touch, mein erstes Apfel-Gerät: Jobs schlimmer als Gates

Das Positive vorweg: Der iPod Touch ist ein wunderbares Spielzeug. Als iPod-Skeptiker (hohe Kosten, wenig Leistung) und iPhone-Nichtkäufer ist es ein mittleres Wunder, dass ich so ein Ding mein eigen nenne. Allerdings sind die Funktionen und die mit dem iPhone identische revolutionäre Bedienung, die mir schon immer gefallen hat, eine einzige grosse Killerapplikation, die selbst einen Antiäpfler schmelzen liess.

Endlich kann meine Freundin neben mir lesen, ohne dass sie sich durch das Getippse meiner schlechten VAIO-Tastatur gestört fühlt (das Monitor-Keyboard ist aber für lange Mails und Foreneinträge eher ungeeignet, auch wenn man sich rasch dran gewöhnt hat).

Endlich muss ich nicht mehr ständig mein Laptop dabei haben, falls ein Hosting-Kunde mal ein dringendes Problem hat oder einen neuen Account eröffnen will. Einzige Bedingung: Ein WLAN muss vorhanden sein, auf das man Zugriff hat.

Der Mailclient ist cool, der Bildschirm einsame Spitze, die Verarbeitung top.

Ansonsten ist die Knebelung des Konsumenten durch Apple horrend und skandalös – Steve Jobs sticht Bill Gates punkto Bevormundung und proprietärer Software locker aus.

Will man aus der Kiste etwas wirklich Gescheites herausholen, ist ein Compi-Laie aufgeschmissen. Wer gerne mit Gadgets spielt, findet im Netz zahlreiche Anleitungen, wie man aus dem im Originalzustand lahmen Gerät ein iPhone ohne Telefonfunktionen macht – “to jailbreak” sagt man dem im Fachjargon. Dieser User hat sich gar darauf spezialisiert und liefert verständliche Video-Anleitungen.

Ohne diese halblegalen Aktionen (Garantie ade!) macht der iPod Touch nur einen Viertel so viel Spass. Nach dem erfolgreichen Jailbreak geht aber die Sonne auf – jetzt gibts Google Earth & Co sowie viele andere von Dritten programmierte Applikationen, welche die ganze Palette von lustig bis praktisch abdecken.

Jailbreak: Den iPod Touch ein wenig modifizieren, damit er echt Spass macht...

Weitere Nachteile:

– In der Standardkonfig ist kein Upload von Bildern und Sounds über eine Art Filesystem möglich; man muss immer über dieses doofe iTunes gehen. Es gibt aberzahlreiche Mods dafür. Muss ich noch versuchen. Auch mühsam: Vorhandene Dateien können nicht einfach auf dem Gerät gelöscht werden – völlig archaisch… Noch doofer: Foto-Uploads via iTunes hinterlassen auf dem eigenen Rechner horrende Zusatz-Datenmengen. Wozu dieser Mist?

– Musikstücke können offenbar nicht vom iPod auf einen Computer geladen werden – was soll das? Wie mach ich ein Backup? Völliger Irrsinn. Sauerei!

– Safari speichert keine Passwörter und gibt bestimmte animierte GIFs nicht wieder (bei Wetterradarfilmen obermühsam), ist aber ansonsten eine flotte Brause.

– Die Icons auf dem Desktop können nur mit Spezialsuperduper-Mühsamkeiten umgruppiert werden.

– Bluetooth fehlt – wäre cool, bei nicht vorhandenem WLAN auf mein Nokia 6233 als Modem ausweichen zu können.

– Musik: Keine selbst angepassten EQ-Einstellungen möglich, nur die Apfel-Presets.

– Das Gerät ist recht dünn; etwas dicker (was eventuell auch bedeutet hätte, dass der Akku etwas länger hält) wäre nicht schlecht gewesen.

– Ansonsten gelten die üblichen Kritikpunkte, die auch fürs iPhone und andere iPods gelten, namentlich, dass man den Akku nicht selbst tauschen kann.

Tipp: Wer das Gerät will, tut gut daran, USA-Reisende mit dem Kauf zu beauftragen. Eine Kollegin besorgte mir den iPod Touch letzte Woche in New York (16GB-Fassung für 399 Dollar). Das macht inkl. 8.375% Tax nach Adam Riese 433.49 US$ oder derzeit rund 483 Franken – Ersparnis gegenüber den 649 Franken in der Schweiz: 166 Franken.

Aufgepasst: Auch wenn man sich den Kassenbon per Post sendet und die Verpackung im Amiland lässt; die Seriennummer verrät allfällige Versuche, die Verzollung zu umgehen – drum sollte man das natürlich keinesfalls tun, es wäre schliesslich auch illegal.

4 Kommentare

  1. Hi,

    ich habe auch einen iPod Touch und würde auch gern mein Handy als Modem (via Bluetooth) nutzen. Da die Touchmod-Leute eh an einem Bluetooth-Dongle zur Nutzung von VOIP auf dem iPod arbeiten, könnte sich auch bezüglich Bluetooth-Verbindung zum Modem etwas tun. Zwar wollen die Jungs kein komplettes Bluetooth integrieren (viel Arbeit), aber einen Chip verwenden, der direkt Audio umwandelt und einfach an Line-In und Lino-Out des iPods gehängt wird. Wenn dieser Chipsatz aber auch Serial over Bluetooth anbietet, könnte man die Netzwerkverbindungen statt auf WLAN auf eine Verbindung über die Serielle Schnittstelle umbiegen, über die man vorher per AT-Kommandos eine Internetverbindung aufgebaut hat. 😉

    gruss,
    lex

  2. Hallo,

    habe auch seit einigen Wochen einen iPod touch und umgehe die fehlende Bluetooth-(Surf)Verbindung zu meinem Handy mit einer Software, die das Handy zum WLAN Access Point macht, z.B. http://www.joikuspot.com/. Die ist zwar im aktuellen Beta-Stadium noch nicht verschlüsselbar (WEP oder WPA), funktioniert aber in der Praxis hervorragend. Wenn man merkt, dass jemand anderes drüber surft. kann man recht schnell abschalten.

    Gruß

    Uwe

  3. Das ist ja geil… genau das such ich eigentlich – nur:

    “JoikuSpot software client installs and works in Symbian S60v3
    devices (e.g. Nokia N95, Nokia N95 8GB, Nokia E90, …). Device
    must have WLAN and 3G support. Please view the complete
    supported devices list at http://www.joikuspot.com

    Da nützt mir mein gutes altes Nokia 6233 genau nix… schade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.