Im Basistunnel: Wo heisses Schwefelwasser sprudelt

Das Wasser, das in Hülle und Fülle von der Decke tropft, fühlt sich an wie aus dem Warmwasserhahnen. Es duftet leicht nach Schwefel. Der Fels kann von Hand zermalmt werden – kein Wunder, mögen ihn die Mineure nicht. Das Gestein ist warm, das Echo des Urknalls wird fühlbar.

Hinter dieser Wand muss das Höllentor sein.

Ich lasse das Graben; womöglich bohrt sich mein Finger hinter der nächsten Schieferplatte in den Dreizack des Leibhaftigen.

Vor einem Jahr durfte ich mit meinem Bruder, der im “Loch” als Elektromonteur arbeitete, in den Gotthard-Basistunnel runter. Dahin, wo dereinst die Züge mit Temp 200 durchbrausen werden. In ein Labyrinth aus Schächten, Stollen, Gängen – und Sprachen: Ossis, Ösis, Italiener, Schweizer, Portugiesen undsoweiter brechen hier die NEAT aus.

Immer wieder knallt es an der Decke: Der Berg wehrt sich. Ende 2008 durchquerte man die geologisch äusserst mühsame Zone, ziemlich genau unter dem Stausee Nalps. Hier wurde eine neuartige Technologie angewandt: Es wurde ein grösserer Tunnel als geplant herausgebrochen, der hohe Gesteinsdruck deformierte die eingebauten Spezialstahlringe kontrolliert auf die spätere Durchschnittsgrösse.

Unterwegs mit der Standseilbahn zum Bauplatz am Rhein - Klicken für mehr Fotos

Unterwegs mit der Standseilbahn zum Bauplatz am Rhein

Richtung Norden sind die beiden Tunnelröhren schon fast fertiggestellt - Klicken für mehr Fotos

Richtung Norden sind die beiden Tunnelröhren schon fast fertiggestellt

Ausbruch in schwierigstem Gestein: Konventioneller Vortrieb nach Süden, anderthalb Kilometer unter dem Nalpser See, mit Spezialverstrebungen, die sich unter dem Bergdruck kontrolliert verformen - Klicken für mehr Fotos

Ganz vorne, wo der Tunnel entsteht – Ausbruch in schwierigstem Gestein: Konventioneller Vortrieb nach Süden, anderthalb Kilometer unter dem Nalpser See, mit Spezialverstrebungen, die sich unter dem Bergdruck kontrolliert verformen

Der Raum rechts wäre die Haltestelle

Der Raum rechts wäre die Haltestelle “Porta Alpina” gewesen – nun, die Kavernen sind vorhanden, wer weiss, eines Tages…

Kreuzungsstelle unterhalb Sedrun: Der einzige Ort im Gotthard-Basistunnel, wo die Züge die Röhre wechseln können - Klicken für mehr Fotos

Kreuzungsstelle unterhalb Sedrun: Der einzige Ort im Gotthard-Basistunnel, wo die Züge die Röhre wechseln können

Der Ort mit der höchsten Überdeckung, an dem dieser Blog je war... - Klicken für mehr Fotos

Etwas Eigenwerbung samt Tagging muss sein: Dies ist der Ort mit der höchsten Überdeckung, an dem dieser Blog garantiert je war…

Und natürlich gibts zum Besuch im Gotthard-Basistunnel noch mehr Fotos – und auch einen Film.

Besuch in der NEAT: YouTube-Video von der Reise zur Basistunnel-Baustelle im Dezember 2008

Durch den Schlamm waten wir zurück zur improvisierten Bahnstation mitten im Berg. Der Holperzug fährt zurück zum Schachtkopf. Eine verhältnismässig rasante Fahrt – man fühlt sich schon fast wie im IC Zürich-Milano anno 2018.

Per Lift gehts noch schneller wieder auf 1300 Meter Meereshöhe hoch, der TGV Tujetsch (“Train à grande vibration”) spuckt die Mineure und den inkognito eingeschleusten Besucher wieder aus dem Berg. Über dem tief verschneiten Sedrun ist die Nacht eingebrochen – kein Mensch käme auf die Idee, dass emsige Ameisen tief unten am Berg kratzen.

Auf dem Bauplatz am Rhein unten ist inzwischen die Nacht eingebrochen - Klicken für mehr Fotos

Wie hat die NEAT das Tal verändert? – Der einheimische Filmemacher Gieri Venzin dokumentiert den Bau des Tunnels in seiner Doku-Serie “Das Loch” / “La ruosna”, wo die Menschen im Mittelpunkt stehen. Kürzlich ist Teil 3 am Schweizer Fernsehen ausgetrahlt worden.

4 Kommentare

  1. Der inkognito (ha, deshalb also der Bart!?) in den Berg eingeschleuste Blöker sieht cool aus 🙂 Eindrücklicher Bericht!!!

  2. Der inkognito (ha, deshalb also der Bart!?)

    näi… man schaue sich doch bloss das datum zum eintrag an: das ist der chlous mit dem langen bart.

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