Gang-grrru-guruu: Ungebetene, aber süsse Gäste

Seit einigen Tagen wache ich morgens um sechs auf – ganz und gar untypisch für mich. Aber nicht einfach so – ich höre ein sich regelmässig wiederholendes Geräusch, das von einem Marder stammen könnte, aber auch von einem anderen Getier, notfalls und mit viel Phantasie könnte man sich gar Kopulationstöne einer seltenen Säugetierart darunter vorstellen. Oder einfach ein ungeöltes Scharnier, das langsam und regelmässig bewegt wird.

Gestern früh schaute ich im Estrich nach – in Erwartung eines wilden Tiers, das mich aus einem Hinterhalt neben den Archivschachteln anspringt und zerfleischt. Ich vergewisserte mich, dass das Murren nicht den Nachbarswohnungen entstammt. Ich guckte zum Fenster raus. Fehlanzeige.

Hatte irgend ein Spassvogel hoch über der Strassen Berns einen Tongenerator im Dach versteckt, um nicht zu ärgern?

Heute morgen klopfte ich mal an die Decke. Und siehe da – das Geräusch verstummte, gefolgt von einem kurzen, panischen Geraschel. Wenig später begann es wieder. Also doch ein Tier zwischen Decke und Dach? Aber da hats doch keinen Zwischenraum… oder… oder etwa doch? Mal um die Ecke gucken, und…

Von seltsamen Geräuschen geweckt: Tauben im Dach (Mai 2009)

… aha: ertappt! Obschon ich schon zehn Jahre hier wohne – diesen Hohlraum in der Dachlukarne kannte ich bisher nicht. Dummerweise ist er wirklich exakt über dem Bett. Dass Tauben nicht nur gurren, sondern auch sehr skurrile Geräusche machen, war mir bislang unbekannt. Bio-Unterricht am frühen Morgen.

Gäste in der Altstadt (Mai 2009)

Der Wikipedia-Eintrag zur Columba livia forma domestica klärt einiges auf: “Das Männchen balzt mit einem tiefen, kollernden ‘gang-grrru-guruú-u’, das mitunter gleichförmig aneinandergereiht wird.” So hätte ich das phonetisch kaum umgesetzt, doch “gleichförmig aneinandergereiht” passt ausgezeichnet.

Stadt- oder Strassentabue, Columba livia forma domestica (Mai 2009)

Nun will ich, auch wenns viel zu viele davon gibt, die ungebetenen, aber süssen Gäste nicht schnöde durch Zwangsmassnahmen aus dem Bett-Perimeter fernhalten. Sie wurden mit der Zeit recht zutraulich und guckten etwa wie “komm jetzt, easy, wir verschwinden dann schon wieder, gib uns lieber was zu fressen”.

Das werde ich nicht tun – aber: Kennt sich jemand aus mit Tauben? Baue ich ungewollt eine Kolonie auf, wenn ich sie gewähren lasse? Bin ich ein elender Tierquäler, wenn ich ein Aufenthaltsverbot verfüge? (Und… nein, bitte keine Tipps wie im Facebook: “die jungen kann man sicher essen. die älteren würde ich aber leben lassen. sind vermutlich schon ein bisschen zäh.”)

4 Kommentare

  1. Das liebe, aber lästige Taubenpaar hats offenbar trotz meiner Störmanöver (Schnüre gespannt, Pfeffer gestreut, Zugang mit Zeitungen dichtgemacht) geschafft zu brüten:

    (Nein, der Kerl vorne ist nicht tot, der hilft einfach etwas verrenkt brüten.)

    Die Geräusche haben sich geändert: Statt Gurren ists nun ein Scharren oder Rascheln. Besonders angenehm ist das nachts immer noch nicht. Und selbst mit einem Bambusstab – währenddessen ich beinahe vom Dach fiel – liess sich die extrem resistente Taubenmutter in spe nur für ganz kurze Zeit von ihren Eiern wegbringen:

    Ich habe darum trotz schlechtem Gewissen, die Polizei mit sowas zu beschäftigen, aufgrund eines Textes auf bern.ch mal die Ordnungshüter um Ideen gebeten, was hier zu tun ist… Fortsetzung folgt!

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