Freuden und Leiden bei der «Bund»-Lektüre

Was muss in Köpfen vorgehen, die eine soeben knapp gerettete und nach wie vor gut gemachte Tageszeitung in Leserbriefen mit folgenden Argumenten kritisieren?

– “Mit Schrecken habe ich gestern den neuen «Bund» in den Händen gehalten. Dieser «Bund» ist überhaupt nicht mehr schön gestaltet. (…) Ich hoffe wirklich, dass sich viele «Bund»-Leser über den neuen Bund ärgern, sodass Sie Ihren Schritt nochmals überdenken und dies möglichst rasch!” (Dream on – und wie wärs mit ein paar Tage warten, bis Sie sich umgewöhnt haben, Frau Aeschlimann?)

– “Die Buchstaben sind klein, dünn und dicht gedrängt, ich konnte es nicht lesen! (…) Was drin steht, ist eh unwichtig, man kann es ja nicht lesen.” (Herr Kaufmann – was haben Sie genau für Drogen konsumiert? Bzw. können Sie überhaupt lesen? Täupelen Sie einfach etwas herum – oder benötigen Sie schlicht eine neue Brille?)

– “Die Zeilen kleben aneinander, der Leser verliert schnell die Zeilen.” (Leim, Beat, habe ich im neuen Bund keinen gefunden – jedenfalls sind meine Zeilen nicht klebrig, und ich verliere auch keine – was unlogisch wäre, denn wenn sie kleben würden, verlöre man sie ja auch weniger schnell.)

– “Der neue «Bund» hat leider nicht mehr das gleiche Gesicht wie der alte!” (Nun ja, Mössjö Steinmann, da haben Sie ja eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Gewisse Dinge ändern sich eben im Leben, schon gemerkt?) Und weiter: “Es ist dem «Tages-Anzeiger» viel zu ähnlich!” (Ja – und? Was ist genau das Problem? Schon gehört, dass eine Kooperation einfacher ist, wenn die Layouts sich ähneln?)

– “Warum dann die letzte Seite wegnehmen?” (Alors, Frau Laufer, die “Letzte” ist da – nur müssen auch Sie sich halt ein wenig umgewöhnen und ein klein wenig mehr Aufwand betreiben, etwa eine Viertelsekunde.)

– “Ist es richtig, dass der Kauf- und Verkaufspreis des Goldes und der Goldmünzen nicht mehr aufgeführt werden?” (Schon mal was vom Internet gehört, Frau Mante? – Und wenn Sie das Thema so sehr interessiert, scheinen Sie eh zu viel Geld zu haben. Tipp: Umgehend ein Zweit- oder Drittabo lösen, um das Fortbestehen der Zeitung langfristig zu sichern.)

– “Der Name «Der Bund» sollte nicht zweitrangig und erst noch mit Werbung versehen auf der Titelseite stehen.” (Schon mal dran gedacht, Herr Burri, dass dieser Werbeplatz extrem teuer ist und somit massgeblich dazu beiträgt, dass Sie den «Bund» überhaupt noch lesen können?)

Haben solche Leute jeglichen Sinn für die Realität der Medienlandschaft im 21. Jahrhundert verloren?

Jammerschade ist hingegen, wenn echt dumme Fehler passieren, z.B. Zuglinien plötzlich von der Lorraine in die Engehalde versetzt werden (vermutlich kam da die Kaffeetasse kurz mal an den Layer mit den Bahnstrecken)…

Bund vom 26. Oktober 2009

… oder sich gleich zwei Abschlüssler-Tappigkeiten auf der “Letzten Seite” tummeln wie gestern:

Bund vom 26. Oktober 2009

Wie dem auch sei: Nicht dass die Qualitätsansprüche nun ins Bodenlose gefallen wären, aber ich bin froh, dass es den “Bund” noch gibt, mir gefallen das Layout, das Tagimagi, der “Kleine Bund” und die Möglichkeit, die Zeitung als ePaper zu lesen. Und Larson ist auch noch da – cool.

Wenn nun auch wieder in der gewohnten Sorgfältigkeit gearbeitet wird, verstehe ich das elende Genörgel an der mit Mühe und Not geretteten Zeitung nicht.

2 Kommentare

  1. Ich kann mich der Meinung des Blökers nur anschliessen. An das neue Layout habe ich mich mittlerweile auch schon fast gewöhnt. Und die Kulturberichterstattung hat nach meinem Eindruck sogar mehr Raum als vorher. Wünschen wir der Redaktion als viel Erfolg.

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