Endlich gute Milch in Frankreich gefunden

Inzwischen ist ein weiteres französisches Geheimnis gelüftet: Wer nicht die gruusige Supermarkt-Milch herunterwürgen möchte (wir haben darüber vor anderthalb Jahren berichtet), sucht sich einen lokalen Produzenten, sofern er denn einen findet – wir verbrachten einige Jahre mit der Suche…

Unmittelbar beim “Intermarché-Kreisel” zwischen Fayence und Montauroux steht eine ziemlich heruntergekommen aussehendes Haus, das kürzlich ein paar neue, handgeschriebene Tafeln bekommen hat: “Produits de la ferme – vente directe – mercredi samedi”.

Verkaufslokal der Ferme de l'Establerie in Callian (Var), an der Hauptstrasse gelegen

Wer sich an der Tür weitere Details erhofft, wird sogleich daran erinnert, dass man hier in Südfrankreich ist – Fehlanzeige. Auch das kaputte Kühlregal, das vor dem Haus neben einem knapp überwachsenen Schutthaufen vor sich hin gammelt, gibt dem ordnungsgewohnten Schweizerblökermann nicht das Gefühl, das hier je was Gescheites verkauft wird.

Aber natürlich ist dieser Gedanke völliger Quatsch, wie ein Augenschein an einem dieser raren Verkaufstage beweist: Der quirlige Monsieur Rebuffel verkauft hier die Produkte seiner Ferme de l’Establerie im nahen Callian: Gemüse, Rindfleisch, Poulets, hausgemachte Joghurts, Käse, faisselle…

Milchprodukte aus der Ferme de l'Establerie in Callian (Var)

… und eben: vor allem Rohmilch!

Milchprodukte aus der Ferme de l'Establerie in Callian (Var)

Was für ein Kontrast zum Kuhsaft der Milchindustrie! Natürlich ist sich diese Milch im Kühlschrank nur kurz haltbar, dafür hat man den vollen Geschmack und erst noch weniger Abfall.

Wer will, kann sich die Produkte sogar nach Hause liefern lassen.

Auch die Lokalpresse entdeckte den letzten Milchbauern der Gegend im letzten Jahr: Von einst 120 Kühen seien in der Gegend von Fayance nur noch die 25 von François Rebuffel übrig, schreibt “Var matin”.

1961 ist er auf dem Familienbetrieb geboren, mit 20 hat er den Hof übernommen. Anstatt – wie viele andere – sein Land zu einem Haufen Geld zu machen, hat er sich für den harten Weg entschieden. Er ist mit seinem Lohn von 1000 Euro pro Monat zufrieden und hat 2009 erstmals Ferien gemacht – 32 Stunden lang.

“Geld brauche ich nicht, sondern Arbeit. Kunden, die meine Produkte kaufen. Und Land, Wasser, Werkzeug.”

Gerettet hat ihn die Idee des Direktverkaufs ab Hof: “Ich tue heute quasi dasselbe wie mein Vater, als er 1945 nach Callian kam – jeden Morgen nach dem Melken brachte er die Milch ins Dorf rauf und verkaufte sie an den Haustüren.”

So eine Attitüde unterstützen wir noch so gern. Vor allem ist ein Schwätzchen mit Monsieur Rebuffel – wenn man seinen provenzalischen accent denn genug schnell analysieren kann – allemal besser als die ewigschnippischen Kassenfröleins im Super U oder Leclerc.

Und sein Sohn, Metzger von Beruf, macht die besten Merguez ever. Ehrlich.

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