Einfach den Server abgestellt

Ursi Spaltenstein kennen 80er-NostalgikerInnen noch bestens als Radio24-Piratin und als spätere Moderatorin des “SonntagsMagazins”, wo sie uns zusammen mit Mani Hildebrand verregnete Sonntagnachmittage versüsste. Heute ist sie… ja was denn? Sagen wir: Vielseitige Berufs-Esoterikerin.

Und erfolgreiche Bloggerin – nur hat sie die Rechnung ohne ihren Hosting Provider gemacht, der ihr kurzerhand den Saft abgedreht hat, nachdem sie zu erfolgreich war. 28’000 Page Views pro Tag sind nun aber nicht wirklich exorbitant viel – da stellt sich die Frage: Kann uns das allen passieren?

Wie ausgeliefert wir unseren Providern sind, können alle Domainbesitzer am eigenen Leib erfahren. Mir wurde auch schon mal ein Server abgedreht, weil angeblich irgend einer in Teheran ein paar MP3-Downloads gleichzeitig startete und der Rechner im roten Bereich drehte… Wie Ursi war ich über die Informationspolitik des Providers alles andere als begeistert – ein paar Stunden nach der Abschaltung kam irgendwann ein Anruf aufs Handy, bei dem ein herablassender Supporter sagte, ich hätte da irgend so ein paar MP3, was die denn überhaupt sollten und so…

Anstatt einfach das fragliche Subdirectory temporär zu sperren, wurde kurzerhand alles abgestellt, was soviel hiess wie: Keine privaten und geschäftlichen Mails mehr usw.

Nur kann man als Apache-Laie (nee, das sind keine Indianer, das sind Webserver) kaum feststellen, ob daran Schmalspurhardware oder wirklich böse Cracker schuld sind. Dedicated Hosting (quasi die eigene Maschine) ist für servertechnisch minderbemittelte Contentfreaks ebenfalls meist nur zweite Wahl.

Anstatt einigermassen sinnlose Gütesiegel ins Leben zu rufen, sind die Provider aufgerufen, einen guten Kundendienst zu bieten, ihre AGB kundennah zu gestalten, genügend Supporter anzustellen und diese (auch in Freundlichkeit) zu schulen, ihre Hardware so aufzustocken, dass ein kleiner Angriff nicht gerade das ganze System in den Abgrund reisst, auch mit Laien verständlich zu kommunizieren und im “Krisenfall” gute Alternativen anzubieten. Dafür bezahle ich dann gerne auch etwas mehr.

Ursis Provider hat wohl ein ziemliches Eigentor geschossen, als er einfach den Stecker rauszog statt zu schauen “aha, Ursi Spaltenstein, hmm… bekannte Kundin, also nicht einfach schmeissen… wie sehen die Logs aus… aha, sie wurde in einem weltbekannten Blog verlinkt… na, dann schauen wir doch, wie wir hier helfen können” – aber das ist wohl ein Kapitel mehr für das Trauerbuch “Servicewüste Schweiz”

5 Kommentare

  1. Super cooler Beitrag von Dir! Und sooo wahr!
    Kundenfreundlichkeit sollte auch für weniger bekannte Gesichter selbstvertändlich sein!

    Balsam für meine Seele! Danke Andi!

  2. Ja, man staunt!

    Ich verstehe, dass die "all inclusive"-Angebot Grenzen haben, aber wenn diese erreicht sind, sollte die entsprechende Website doch nicht vom Netz genommen werden, sondern es gilt gemeinsam Lösungen zu suchen…

    Aber gut zu wissen, woran man bei Webland ist. Und Genotec, die es anscheinend mit dem Backup nicht sooo genau nehmen, wie Yoda in seinem Blog kürzlich zu berichten wusste…

  3. So, nun einmal ein paar positive Beispiele (diese sollte man zwischendurch auch einmal nennen):

    1. Da ich sieben Wochen ins Ausland verreise, melde ich bei verschiedenen Unternehmen, welche regelmässig Rechnungen schreiben (Krankenkasse, Telekommunikationsunternehmen etc.), dass diese während der Abwesenheit liegen bleiben werden. Sunrise bedankt sich schriftlich für den Brief und bestätigt, dass sie dies in ihrer Buchhaltung berücksichtigen werden.

    2. Aus dem selben Grund rufe ich der KPT an, da ich nach einem Kassenwechsel die erste Monatsprämie nicht rechtzeitig zahlen kann. Reaktion auch hier: Kein Problem, melden wir der Buchhaltung.

    3. Während den Ferien will man gerne Musik ab iPod hören. Da der Akku des Geräts in die Jahre gekommen ist, schickt man es einem pfiffigen EPFL-Studenten in Neuenburg, der Akkus auffrischt und damit sein Studium verdient. Dummerweise ist sein Geschäft in den Medien erwähnt worden und wird er gerade von Aufträgen überschwemmt (was wir ihm alle gönnen!). Nur bleibt mein iPod etwas länger liegen. Ein Anruf zwei Tage vor Abreise sorgt aber dafür, dass der junge Mann alle Hebel in Bewegung setzt, damit der iPod noch vor der Abreise, d.h. einen Tag nach dem Anruf, wieder bei mir ist. Es klappt – ohne Zusatzkosten. Ein grosses Merci an Matthias Studer von macianer.com!

    4. Und es geht noch weiter! Der Pöstler, der den iPod vorbeibringt, trifft eine verlassene Wohnung an und hinterlässt deshalb – weil der iPod eingeschrieben verschickt wurde – einen netten Zettel. Abholen bei der nächstgelegenen Post am nächsten Tag… Dies deshalb, weil die nicht auslieferbare Post zurück in die verteilzentrale in Ostermundigen geht. Ein Anruf bei der nächstgelegenen Post ergibt, dass ein netter Typ alle Hebel in Bewegung setzt, damit der iPod doch noch am selben Tag abgeholt werden kann. Es klappt – ohne Zusatzkosten. Hier ein grosses Merci an die Filiale Weltpostverein!

    5. Ach ja, die Reise wurde übrigens bei Globetrotter gebucht. Als die ein paar Monate nach der Buchung erfuhren, dass es sich um eine Hochzeitsreise handelt, schenkten sie uns gleich noch einen Rabatt.

    Die Schweiz ist eine Dienstleistungswüste, aber es gibt Oasen (und diese sind sogar bei Grossunternehmen zu finden…)!

  4. Zu den Grenzen von Shared Hosting grad noch dies: Hostpoint ist heute auch wieder mal abgetaucht – siehe hier und hier. Wie bei einem langen Ausfall vor einem Jahr kamen keine Infos. Soeben hatte ich aber nach einem geharnischten Mail einen Anruf vom Hostpoint-Support. Wenn sich alles etwas beruhigt habe und die Medienstelle das Mail formuliert habe, komme am Nachmittag ein Mail an alle Kunden. Auf meine Frage "warum denn nicht früher, warum kein Mail auf die hinterlegte externe Adresse", gelobte man Besserung. On verra.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.