Die Züge verkehren planmässig – oder auch nicht

Planmässig? Pustekuchen! Liebe SBB: Ehrlich währt am längsten – wozu habt ihr diese feschen LCD-Schirme, wenn sie nur Quatsch beinhalten?

Die Fakten: Reisende aus Luzern hatten am letzten Freitagabend etwa 2 Stunden länger als geplant und schmorten im Grauholztunnel eine halbe Stunde ohne irgend eine Infodurchsage. Schliesslich gings zurück und via Solothurn-Biel nach Bern.

Oben Verspätungen, unten planmässig - da kann was nicht stimmen! (Freitag, 13. Juli 2007, 20.40 Uhr, Bern)

8 Kommentare

  1. ich habe mich sowieso schon ziemlich ab diesen netten schweizerkarten geärgert: das ganze ist so klein und winzig und beinhaltet null informationsgehalt (wir wissen eigentlich alle, wo bern liegt, wenn wir den zug nehmen), dass es schon fast eine frechheit ist. was mich auch immer wieder erstaunt: auf keinem dieser super-digi-dogo abfahrts- und ankunftsdisplays findet sich eine aktuelle uhrzeit! was bringen mir die aktuellen abfahrtszeiten, wenn ich nicht weiss, welche minute und stunde es gerade geschlagen hat? von usability ist man bei der SBB noch ziemlich weit entfernt. ächz.. ich komme ins lästern: auch die ticket-automaten könnten mal etwas neuere firmware und software ertragen: schon mal ein ticket von bern nach locarno gebucht? das ist die reinste lachnummer: man darf zwischen 2 via destinationen wählen: brig oder luzern. zürich wird gar nicht als via-destination ausgegeben, obwohl die verbindungen via zürich ins tessin oft die schnellsten sind. tipp eines kondukteurs: ‘sie müssen halt ein rundreise-billett wählen, dann geht das’. aha!

  2. Doch, das war genau dieser Zug, in dem eine Kollegin sass. Deine Conclusio ist zwar erwartungsgemäss gar extrem (die Löhne der Gewerkschafter zahlen nicht die SBB), aber wer sich für Kundendienstverbesserungen einsetzt, hat prinzipiell immer Recht – das war eine schlappe Leistung der Bahn. Privatisieren muss man die SBB deswegen nicht, aber einige Nachhilfelektionen in KundInneninformation organisieren.

  3. @ lieber mousseman frage mal Kollegen in England was sie von privatisierten Bahnen halten. Ich motze immer direkt beim Kundendienst der SBB, und erhielt bisher kulant Gutscheine. Auch damals im Herbst, als Trenitalia für die Verspätung in Mailand zuständig war (so dass ich den CIS verpasse und 2std in Mailand in der Warteschlange für ein neues Ticket verbraten musste). Ich denke, wir zahlen wohl die Zeche für die Schnelligkeit: high-tech im Tunnel ist leider auch speziell Pannenanfällig. UND: Vielleicht sitzen besonders unkommunikative Kondukteure in den Bern-Luzern zügen. Als ich einen fragte, ob trotz 25 min Abfahrtverspätung in Bern der Anschluss ins Tessin ab Luzern OK sei, nickte er zustimmend mit dem Kopf. Der Zug fuhr aber grad ab, als wir in Luzern einfuhren. Resultat: 1 std Verspätung.

  4. @mousseman: Privatisierung bei den Bahnen ist auch aus Staatssicht ein ziemlicher Blödsinn: das Beispiel aus England von AnnaBohlika ist wirklich ein erhellendes. Damit ein Staat funktioniert, muss eben auch der Transport seiner Bürger gewährleistet werden (darum ist auch das Strassenverkehrsnetz nicht privatisiert). Da der Transport wie auch die Versorgung der Bürger mit Nahrungsmitteln oder mit Kommunikationseinrichtungen eine so genannte ‘Grunddaseinsfunktion’ ist, braucht es regulierende Eingriffe. Würde der Staat dieses Transportmonopol aus den Händen geben, käme es tatsächlich zum Wettbewerb. Dieser Wettbewerb führt aus naheliegenden Gründen dazu, dass nur noch auf lukrativen Strecken investiert werden würde (die SBB macht das schon mit dem berühmten ‘Streckenzuschlag’), und alle peripheren Linien würden mit der Zeit vernachlässigt werden. Da spielt auch kein Wettbewerb, weil die Wartung einer Bahninfrastruktur schwer Kostenintensiv ist. Diese simple Wahrheit gilt in allen Grundversorgungsbereichen. England könnte auch bei der privatisierten Wasserversorgung als trauriges Beispiel herhalten.

  5. Das Problem ist, dass es für die SBB kaum eine Motivation gibt, besser zu werden, ausser wenn die Kunden abwandern und das Geld nicht von der Politik als Subvention herkommt. Wenn man verhindern will, dass es Rosinenpickerei gibt, müssen die Konzessionen gebietsweise vergeben werden, und die grossen Achsen für alle freigegeben werden. Wer auf den grossen Achsen fahren will, muss auch eine Gebietskonzession haben, die einige weniger produktive Strecken hat.

    Und wenn halt an ein paar Orten die Schienen abgebaut werden, und die Strecke durch Busse geführt wird, na halt.

    Die SBB Cargo müsste schon längst privatisiert sein.

    Die Frage ist, wie ich die Leute von A nach B kriege, und das muss nicht unbedingt auf Schienen sein. Vielleicht wäre es am Sinnvollsten, den Markt komplett zu liberalisieren und den Leuten, die in der Schweiz Steuern bezahlen, einen Voucher über z.B. 300.- pro Jahr in die Hände zu geben, der nur für Transportleistungen im ÖV-Bereich verwendbar ist. Und dann die ganze SBB samt den ‘Jahrhundertbauwerken’ und ihren Schulden zu privatisieren.

    Wer in Italien Zug fährt, ist sowieso selber schuld. Die streiken etwa jeden dritten Tag, und haben einen versifften Service. Abgesehen davon ist der Flieger um einiges Schneller.

  6. @mousseman: Ich bin durchaus dafür, dass sich der Staat aus bestimmten Bereichen zurückzieht und das Feld Privaten überlässt. Bei der Bahn klappt das aber garantiert nicht – dass das System als Ganzes meistens gut funktioniert, liegt daran, dass sich ganz wenige Betreiber sehr gut koordinieren. Würde man den Markt öffnen, würde das so viel gepriesene “Swiss Travel System” schnell mal zusammenbrechen. Und wenns um umweltfreundliche Mobilität geht, kann und soll der Staat ruhig steuernd eingreifen – letztlich gehts um unser aller Zukunft. Also deine Idee mit dem Voucher ist gut, alle BürgerInnen bekommen 300 Stutz geschenkt, die sie aber nur für öV-Tickets einsetzen dürfen – aber bitte ohne zu voreilige Liberalisierungstendenzen, die dem System nur schaden. So ginge es übrigens auch…

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