Die Schlufis von der Velostation

Leider hat sich offenbar nichts verändert – und es war wohl ein Fehler, mein Velo wieder einmal in die Berner Velostation Milchgässli zur Reinigung zu bringen.

Nach der grossen “Reinigung” für 30 Franken sah es nämlich so aus:

Reinigung à la Velostation: Schlendrian im Quadrat

Das war nur der offensichtlichste Mangel – von “mal etwas tiefer in den Ritzen putzen” oder “Schlusscheck machen” scheinen die noch nie was gehört zu haben:

Reinigung à la Velostation: Schlendrian im Quadrat

Auf einen Krach wie das letzte Mal hatte ich keine Lust – mit dem anwesenden Mitarbeiter war ein halbwegs komplexes Gespräch weder auf Deutsch, Französisch noch Englisch möglich.

Einmal mehr fühlt man sich von der Stadt und dem “Kompetenzzentrum” Arbeit sehr ernst genommen als Velofahrer.

Dass der Sattel verstellt war, die gesammelten Versicherungsmarken seit 2003 fehlten (samt der aktuellen) und das Velo beim Fahren plötzlich komische Geräusche machte, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

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Update Anfang Mai 2010

Nach der Intervention einer Stadträtin kam vom Leiter des Kompetenzzentrums Arbeit (KA) endlich eine professionelle Reaktion. In einem ausführlichen Brief teilt mir der Leiter sein Bedauern mit und erläutert das Spannungsfeld, in dem sich die Velostationen bzw. ihre Mitarbeitenden bewegen. Unter anderem wurde eine Verbesserung der Bearbeitung von Kundenreklamationen beschlossen – es lohnt sich also, sich zu wehren; nur so kann sich die Leistung weiter verbessern. Ich werde mich bei Gelegenheit weiter dazu äussern.

11 Kommentare

  1. Ich brachte dort mal naiverweise mein Bike zum “Flottmachen für den Winter”, also zum Anziehen der Bremsen und Justieren der Gangschaltung. Fazit: Das Ziehen der Bremsen war zwar danach sehr hart, die Bremswirkung war aber noch weniger als wie zuvor. Der Gipfel war aber die Gangschaltung: Offenbar hatte man vergessen, ein Teil des Schaltmechanismus nach dessen grosser Zerlegung wieder fachgerecht zu montieren, weshalb sich mitten im ärgsten Stadtverkehr sämtliche Teile des Schalthebels auf der Strasse verteilten. Selbstverständlich waren die Velostation-“Techniker” auch danach nicht in der Lage, mir das Ding richtig wieder zusammenzubauen.

  2. wo kompetenz angeschrieben ist ist selten kompetenz drinn, und bei den rotgrünen stadtoberen schon gar nicht da ist sozialismus drinn.
    es wäre wieder mal zeit den rotgrünen filz in die wüste zu schicken.aber leider gibts keine alternative dazu was danach kommen müsste gibt ja ausser rot grün und rechts keine mitte!
    aber gut zu wissen selbst ist halt der mann auch beim veloputzen!

  3. Ich wäre lieber dafür, den rotgrünen Filz, in dem schon ein paar fähige und sympathische Köpfe hocken, mal etwas aufzuscheuchen und dazu zu bringen, ein paar Dinge anders anzupacken. Und mit bestimmten Leuten auch mal ein wenig Klartext zu reden.

    Pikant: Wenn man auf der nach wie vor unsäglich schlechten Website der Stadt Bern nach “Kompetenzzentrum Arbeit” sucht, findet… alles:

    Jahresbericht 2008 Band 2: Produktegruppen-Rechnung, Produktegruppen-Budget 2009, Integrierter Aufgaben- und Finanzplan 2011 bis 2014, Jahresbericht 2008 Band 3: Statistik, Prospekt Kompetenzzentrum Schlossmatt, Familienbericht, Strategien und Massnahmen zur Förderung der sozialen und beruflichen Ingetration in der Stadt Bern 2010-2013; Gesamtkonzept, Übersicht Folgearbeiten Foren, Übersicht Folgearbeiten 2002-2008, Schlussbericht 2008 “Subers Bärn – zäme geits!”… undsoweiter, undsofort…

    …nur nicht das KA.

    Das KA hielt es übrigens drei Tage lang nicht für nötig, ein höfliches E-Mail in dieser Sache zu beantworten, geschweige denn eine Empfangsbestätigung zu senden.

    Da bin ich mit dir also einverstanden: Besonders viel Kompetenz scheint da wirklich nicht drin zu stecken.

  4. die velostation bietet auch reparaturen an, von denen ich nur abraten kann! gangschaltungen installieren besser den profis überlassen.

    zudem haben die schlufis meinen platten repariert und einen neuen schlauch reingemacht. dass der reifen kaputt war haben sie erst gemerkt, als ich nach zwei tagen schon wieder einen platten hatte.

    ich beschränke mich seither aufs parkieren da. das können sie bestens. und die schlufis vergessen manchmal sogar monatelang, dass man eigentlich eine neue vignette benötigt!

    und übrigens: weiss jemand einen alternativen veloputzer der kein vermögen kostet?

  5. Eben leider nicht. Im Prinzip müsste man den Leuten da halt höflich, aber bestimmt klarmachen, dass man nicht zufrieden ist und notfalls nach einer Art “Supervisor” verlangen. Oder dem KA solche Fälle konsequent schildern (gewisse Quellen flüstern mir aber, dass es denen da sch… egal sei, was die KundInnen sagen, die lachen angeblich sogar noch drüber).

    Ich finde die Idee des Integrationsprojektes an sich hervorragend. Aber die Leute “einfach machen zu lassen” und ihre Arbeit weder zu bewerten noch professionell zu begleiten (QED), ist einfach nur eine Verarschung der zahllosen VelofahrerInnen Berns, die sich Mühe geben, abgasfrei vorwärts zu kommen – was doch eigentlich im Sinne der politischen Mehrheit sein müsste.

    Warum man ausgerechnet den Velofahrenden so eine Null-Dienstleistung zumutet? Keine Ahnung.

    An sich könnte man auch konsequent sein: In den Velostationen werden keine Dienstleistungen ausser Parken und Luft/Wasser angeboten. Die können das offenbar schlicht nicht. Ich kenne niemanden, der mit einer Reparatur- oder Putzdienstleistung je zufrieden gewesen wäre.

    Oder dann soll mans doch gleich gratis anbieten – mit viel Goodwill kann man nämlich sagen: OK, es war immerhin sauberer als vorher…

  6. @michael:
    ich habe mir auch schon gedanken über alternativen zum selber putzen gemacht, weil wirklich spass machts ja jeweils nicht.
    meine idee lautet wie folgt: in migros o.ä. einen aushang machen in der art “suche schüler zum regelmässigen velo putzen – bezahle 20 stutz für ein sauberes velo”.
    nun habe ich dabei aber ein bisserl ein schlechtes gewissen, wäre mal gespannt wie sowas die mamis und papis von kindern im teenie-alter sehen. kann man das als willkommenen zustupf zum sackgeld und erste arbeitserfahrungen sehen, oder gehört das schlicht und einfach in die kategorie “kinderarbeit”?
    also 20 stutz war für mich als 12jähriger waaaahnsinnig viel geld. das ist zwar noch nicht sooo lange her, aber leider habe ich keine ahnung, wie das so für einen heutigen teen aussieht…. was wäre eurer meinung nach ein angemessener preis?

  7. Heute schreibt das KA: “Besten Dank für ihre anregende Kritik. Wir werden uns das zu Herzen nehmen!”

    Na das hoffen wir doch – allzu viel Hoffnung machen wir uns allerdings nicht. Die Antwort hätte ruhig auch etwas ausführlicher ausfallen können, im Sinne von “was wir tun, um die Situation zu verbessern”. Aber so?

    Keine Worte des Bedauerns, kein Angebot, das Velo nachzuputzen. Ich habe geantwortet, dass ich ihnen gerne noch eine Chance gebe, eine Antwort zu verfassen, bei der ich mich als Kunde ernst genommen fühle. Wir sind gespannt.

  8. Natürlich habe ich vom “Kompetenzzentrum” Arbeit keine Reaktion bekommen und versuche nun mal über den politischen Weg etwas Druck zu machen.

    So hätte ich mir ein Antwort vom KA vorgestellt – so würde man sich als Kunde ernst genommen fühlen. Ich habe auch einmal für eine öffentliche Verwaltung gearbeitet und finde, dass man sich zumindest ein kleines bisschen Mühe geben kann, wenn sein Job von Steuergeldern finanziert ist.

    Jedenfalls bemühten wir uns in unserer Abteilung, Bürgeranfragen möglichst rasch und kompetent zu beantworten und den Kundinnen und Kunden so weit wie möglich entgegen zu kommen.

    Die in dieser Musterantwort (die ich natürlich dem KA per Mail zur Verfügung gestellt habe) skizzierten Massnahmen sind frei erfunden – ehrlich gesagt zweifle ich, dass beim KA jemals jemand auf die Idee kommen würde, tatsächlich eine Verbesserung im genannten Rahmen vorzusehen…

    Besten Dank für Ihre Anfrage. Es tut uns leid, dass die Arbeiten in der Velostation offenbar nicht zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführt wurden. Das ist nicht in unserem Sinne – wir möchten alle unsere Kundinnen und Kunden möglichst optimal bedienen.

    Wir haben den Sachverhalt abgeklärt. Tatsächlich ist es so, dass es in der Vergangenheit an einer adäquaten Betreuung der Mitarbeitenden in den Velostationen mangelte. Wir haben die nötigen Anpassungen insbesondere in der Arbeitskontrolle eingeleitet. Fortan wird täglich zweimal eine qualifizierte Person in allen Velostationen vorbeischauen und auch einfache Arbeiten wie die Veloreinigung kontrollieren. Sollten wir Probleme feststellen, leiten wir die Mitarbeitenden der Velostation an, in Zukunft anders vorzugehen.

    Natürlich werden wir Ihr Velo nochmals kostenlos reinigen und prüfen, weshalb es seit der Reinigung die von Ihnen erwähnten Geräusche macht. Die Velostation Milchgässli ist entsprechend avisiert. Bitte melden Sie sich in den kommenden Tagen und nennen Sie Ihren Namen. Das Personal wird Ihr Fahrrad innert einer Stunde tadellos reinigen und allfällige Schäden beheben. Ihr Jahresabo verlängern wir als kleine Gegenleistung gerne kostenlos um einen Monat.

    Wir entschuldigen und nochmals bei Ihnen und hoffen, dass wir in Zukunft keinen Anlass mehr zu Beanstandungen geben. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

  9. Nach der Intervention einer Stadträtin kam vom Leiter des Kompetenzzentrums Arbeit (KA) endlich eine professionelle Reaktion. In einem ausführlichen Brief teilt mir der Leiter sein Bedauern mit und erläutert das Spannungsfeld, in dem sich die Velostationen bzw. ihre Mitarbeitenden bewegen. Unter anderem wurde eine Verbesserung der Bearbeitung von Kundenreklamationen beschlossen – es lohnt sich also, sich zu wehren; nur so kann sich die Leistung weiter verbessern. Ich werde mich bei Gelegenheit weiter dazu äussern.

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