Die Bürgerlichen: Ein Haufen von Betrügern und Geheimniskrämern?

Bei den aktuellen Diskussionen rund ums Bankgeheimnis (siehe auch hier) fällt vor allem eines auf: Offensichtlich haben vor allem Bürgerliche massiv Steuern hinterzogen, unterhalten zig geheime Konten (die aus schleierhaften Gründen niemand kennen soll), haben mit dem Geld scheinbar finstere Dinge vor – jedenfalls darf offenbar keiner Wissen, wo wieviel Geld von ihnen liegt.

Was ist denn daran so empörend, einmal im Jahr – wie alle normalen Leute – zumindest in der Steuererklärung anzugeben, wie’s mit dem Besitztum so steht und darauf die gesetzlich festgelegten Steuern zu bezahlen? Wieso soll möglichst niemand wissen, wieviel Stutz ihr habt?

Vermutlich bliebe bei jenen, die am lautesten schreien, immer noch mehr als genug übrig für Erstklass-GAs, Porsche Cayennes (oder beides), Häuser im Süden, Segelboote oder weiss der Teufel was.

Erbkrankheiten, Krach in der Verwandtschaft, Liebingsstellungen, Ausschläge, Mitarbeitergespräche und dergleichen – all das ist berechtigterweise Privatsache. Aber was in aller Welt ist daran so schlimm, wenn ein paar Leute wissen, wie dick oder dünn euer Portemonnaie ist?

An all die Facebook-Gruppenmitglieder (“Finger weg von unserem Bankgeheimnis”, “Bankgeheimnis in die Schweizer Bundesverfassung”, “Pro Bankgeheimnis für den Finanzplatz Schweiz” oder am irrsten “Erst wenn deutschePanzer auf den Paradeplatz rollen fällt [sic] das Bankgeheimnis”), Profiteure, Abzocker und Angsthasen: Wo habt ihr denn euer Schwarzgeld parkiert? Wieviele Steuern habt ihr schon hinterzogen?

Oder was habt ihr denn so Schlimmes zu verbergen, dass ihr an dieser unverständlichen Geheimniskrämerei klebt wie die Fliegen am gelben Fliegenfängerklebeband? (Ein heisser Tipp am Rande: Wenn ihr partout vor irgend jemandem Kohle verbergen wollt – in der gute alten Matratze gibts derzeit wohl die günstigsten Konditionen.)

Jetzt, wo die Mauern endlich bröckeln: Endgültig weg mit dem alten Zopf Bankgeheimnis! Für alle, vor allem für Schweizerinnen und Schweizer (ui, liebe SVP, sonst versuchen amänd all die ausländischen Steuerhinterzieher noch massenhaft eingebürgert zu werden).

Wer nichts zu verstecken hat, ziert sich nicht.

8 Kommentare

  1. Geld wird zwar immer noch versteckt, aber zumindest fördert die aktuelle Abwehrschlacht ganz offen zutage, worüber die Mannen sonst nicht so gerne sprechen (die Adresse allein sagt schon genug):

    http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Keine-Steuerprivilegien-fuer-Auslaender-Noser-schreckt-die-FDP-auf–Pelli-distanziert-sich/story/30010016

    Ja, Herr FDP-Präsident – die Ideen ihres Vizepräsidenten sind etwas unangenehm. Zum Glück nur für die Wenigsten.

  2. Aber was in aller Welt ist daran so schlimm, wenn ein paar Leute wissen, wie dick oder dünn euer Portemonnaie ist?

    Mein Portemonnaie (klassisches Modell) ist 34.6mm dick, gemessen mit einer Scala-Schieblehre (Made in West Germany).

    Und die Steuererklärung habe ich am Wochenende ausgefüllt und abgeschickt.

    Zum Thema was ganz Unqualifiziertes: Diese ganze (öffentliche) Bankgeheimnisdebatte nervt total. Dieses “Mein Papi ist stärker als Deiner” Gehabe von erwachsenen Männern ebenfalls. Zig Dekaden hat sich niemand darüber aufgeregt und plötzlich soll das alles total verwerflich sein? Seit wann mischen sich Rechtsstaaten einfach so bei anderen ein?

    Mein Vorschlag: Wir lüften das Bankgeheimnis für alle AusländerInnen, die in der Schweiz oder bei Schweizer Instituten ein Konto haben. Alle SchweizerInnen, die Kunden bei Schweizer Instituten sind, bleiben unter dem Schutz des Bankgeheimnisses. Damit ist allen gedient.

    Offensichtlich haben vor allem Bürgerliche massiv Steuern hinterzogen

    Die verdienen wenigstens so viel, dass sie etwas hinterziehen können :-p

  3. Mein Vorschlag: Wir lüften das Bankgeheimnis für alle AusländerInnen, die in der Schweiz oder bei Schweizer Instituten ein Konto haben. Alle SchweizerInnen, die Kunden bei Schweizer Instituten sind, bleiben unter dem Schutz des Bankgeheimnisses. Damit ist allen gedient.

    Wieso denn? Wieso soll es da ein Geheimnis geben? Wozu? – Ich meine selbstverständlich nicht, dass alle Banken jedem Dahergelaufenen alles sagen müssten – aber die Steuerbehörden müssten doch per Definition nachprüfen dürfen, ob das, was Herr oder Frau X da deklariert haben, wirklich stimmt?

    Was ist ernsthaft dagegen einzuwenden, und welche anderen stichhaltigen Gründe als dass man was zu verbergen hat (vor den Steuerbehörden) gibt es, wegen so einer normalen Forderung fast die Wände hinauf zu gehen?

  4. die Steuerbehörden müssten doch per Definition nachprüfen dürfen, ob das, was Herr oder Frau X da deklariert haben, wirklich stimmt?

    Dieses “nachprüfen dürfen” – wie weit sollen es denn die Steuerbehörden danach treiben? Wenn ich Kosten für Verpflegung am Arbeitsplatz deklariere, muss ich dann jeden Kassenbon einsenden? Klar, der Effekt ist nicht der Gleiche, aber vom Prinzip her sollte entweder für alles “In dubio pro reo” gelten, dass man dem Bürger zuerst mal unterstellt, dass er NICHT hinterzieht. Dass man in begründeten (gravierenden! Schwellenbetrag…) Fällen Nachforschungen anstellen darf, das stört mich nicht. Aber den Steuerbehörden dieser Welt einen Persilschein ausstellen, dass sie einfach überall schnüffeln können, wenn irgend einem Beamten etwas nicht passt an einer Deklaration? Ich weiss nicht… Gerade die Amis legen da imho viel zu viel Eifer an den Tag.

    Dann noch was: Diese “lieben” Staaten proklamieren, dass ihnen Geld durch die Lappen geht. Ja schön – aber bitte: Noch mehr Geld zur Verfügung haben und dann an den falschen Punkten (ineffizient!) ausgeben (zB für Kriegsmaterial, suboptimal ausgestaltete Sozialsysteme, …)? Also das ist dann weder Fisch noch Vogel. Sie würden besser mal sagen, für was sie bitte diese zusätzlichen Steuererträge denn so dringend zu gebrauchen gedenken. Und wie sie das ihren Bürgern erklären: “Ja, wir haben jetzt 1% mehr Steuereinnahmen, aber Ihren Steuersatz reduzieren wir nicht.”

  5. Nun ja, ist das nicht etwas “gutmenschenhaft”? Offensichtlich *wird* ja massenhaft hinterzogen, wie die aktuelle Diskussion ziemlich krass zeigt.

    Dabei ist das Thema gar nicht, was der Staat mit der Kohle anstellen würde – es geht momentan mehr um die Frage, warum es Gesetze gibt, wenn sich ausgerechnet primär Bürgerliche nicht so recht dran halten mögen. Ganz nach dem Motto: “Ja, ich habe zwar diesen Typen zusammengeschlagen, aber nur gaaanz wenig im Fall. Eigentlich bin ich ein fest fest Lieber.”

    Den Stromzähler dürfen ja die Stromzählerablesemenschen auch ablesen kommen – niemandem käme es in den Sinn, dagegen zu opponieren. Wenn ich nicht daheim bin, sende ich zwar die Karte mit der Selbstdeklaration ein, aber sobald da ein seltsamer Wert auftaucht, verstehe ichs sehr gut, wenn jemand sich das genauer anschaut.

    Leider gilt für vermutlich 90% der Menschheit immer noch der Grundsatz, dass Vertrauen gut ist, Kontrolle aber besser. Alles andere find ich ein wenig naiv… sonst können wir ja sämtliche Gesetze gleich abschaffen.

    Vergleichs a) mit der Ordonnanzwaffe zu Hause: Da schwatzen Bürgerliche auch vom mündigen Bürger, in den der Staat Vertrauen haben soll. Wie naiv sind eigentlich diese Leute? Wie muss das in den Ohren eines Menschen klingen, dessen Angehöriger mit einer Armeewaffe erschossen wurde?

    Vergleichs b) mit der Sozialhilfe: Das ganze SP-Softie-Getue von Olibet und ihrer weltfremden Soziseilschaft in der Stadt Bern geht selbst mir als Linkem sowas von auf den Sack – sofern ich Sozialhilfe bezöge, würde ich geradezu damit rechnen, dass mir monatlich, wenn nicht gar wöchentlich, auf die Pelle gerückt wird, um zu gucken, ob das Steuergeld, das ich da frei Haus geliefert bekomme, wirklich zurecht bezogen ist. Wenn die Berechtigung da ist, soll man die Leute nicht übermässig belasten, völlig klar. Aber eine rigorose Kontrolle ist doch völlig etwas Normales in diesem Fall – und wenn jemand gegen aufgestellte Regeln verstösst, gibts ohne Ausnahme die vorgesehenen Sanktionen, punkt.

    Einen effizienten (und von mir aus manchmal auch eklige) Grundcheck erwarte ich als ehrlicher Steuerzahler sowohl im Fall Steuerhinterziehung als auch dabei, ob mein Geld nicht Betrügern zugute kommt, die irgendwas vorspielen.

    Nochmals: Wer ehrlich ist, sollte keinerlei Probleme mit den so genannten “Schnüffeleien” haben. Wer hingegen vermutlich Dreck am Stecken hat, wehrt sich dagegen.

    Das hehre Argument vom mündigen Bürger ist eine klassische Ausrede.

  6. Das Schweigen an dieser Stelle ist vielsagend

    Hat vor allem damit zu tun, dass die Benachrichtigungsfunktion nicht eingestellt war, sorry.

    sonst können wir ja sämtliche Gesetze gleich abschaffen

    Eben genau nicht, die sind ja dazu da, um eingehalten zu werden. Und wo keine Gesetze sind, müssen auf dem üblichen Weg welche gemacht werden, wenn die Staatsorgane dies als notwendig ansehen. Aber SICHER NICHT, wenn fremde Staaten dies als notwendig erachten. DAS stört mich an dem Theater. Die Gesetze sind da, müssen vollzogen werden und Verstösse sanktioniert. Soweit sind wir einer Meinung. Aber ich will nicht pauschal den SchweizerInnen unterstellen, sie hinterzögen Steuern, sorry, dann verscherze ich es mit meinem sozialen Umfeld.

    Und es ist selbstverständlich so, dass auch in Zukunft, wenn alle Banken ihre Kontodaten im Internet haben und Deine Steuererklärung unter admin-zeha heruntergeladen werden kann, die kriminelle Energie einiger Weniger so gross ist, dass sie Geld am Fiskus vorbeischmuggeln können.

    Ja, ich als Schweizer freue mich, wenn ich mit der Aufhebung des Bankgeheimnisses etwas für das amerikanische Bildungswesen tun kann (weil der Staat mehr Steuern einnimmt) und wenn deutsche Arbeitslose wieder einen Job erhalten (weil Steinbrück den Steuersatz reduziert und den Konsum ankurbelt und Arbeitsplätze schafft).

    Bis dann will ich von diesen Finanzaggressoren nichts mehr hören und schon gar nicht, irgend ein Parteiangehöriger hinterziehe Steuern.

    PS: Benachrichtigungsfunktion ist aktiviert 🙂

  7. Dieser Professor war wohl auch ein Bürgerlicher:

    Die übelste Steueroase sind die USA

    Wasser auf die Mühlen jener Minderheit, die sagt, mit entsprechender krimineller Energie ist es auch nach Aufhebung des Schweizerischen Bankgeheimnisses möglich, Steuern zu hinterziehen. Und der Rest ist heute schon geregelt.

    Aber nein, bitte noch möglichst viel Geschirr zerschlagen. Genau das verabscheue ich an der Politik manchmal, sowohl national als auch international.

    Angesichts solcher Geschichten stimmt mich die Prioritätensetzung einiger Politiker sehr nachdenklich. Oder wird Steinbrück und Co. die Steuermehreinnahmen für die europäische Flüchtlingshilfe einsetzen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.